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Wie die Kurzstrecke die Luftfahrt grüner macht

Zankapfel Regionalverkehr Wie die Kurzstrecke die Luftfahrt grüner macht

Der innerdeutsche Luftverkehr ist ein rotes Tuch in der Klimadebatte. Immer lauter wird von bestimmter Seite gar der Ruf nach einem Verbot von Kurzstreckenflügen. Dabei böten gerade regionale Flüge den besten Nährboden für die Antriebe von morgen. Ein Kommentar.

Als am 1. Januar 1914 der weltweit erste Linienflug mit Passagieren an Bord in Florida abhob, lag der berühmte Hüpfer der Gebrüder Wright erst rund zehn Jahre zurück. Zwar führte die Reise seinerzeit nur von Tampa nach St. Petersburg, zwei Städte, die gerade einmal rund 30 Kilometer auseinander liegen; jedoch läuteten diese ersten Linienflüge den Beginn eines Umbruchs im Transportwesen ein. In den letzten 100 Jahren hat sich die Luftfahrt grundlegend weiterentwickelt. Heute sehen wir uns wieder in einer Phase des Umbruchs – in einer gewissen Weise vergleichbar mit dem Januar 1914.

Airbus
Mit verschiedenen Konzepten für die unterschiedlichsten Reichweiten möchte Airbus ab dem Jahr 2015 möglichst grün den Himmel erobern.

Grüne Zukunft

Die Luftfahrt ist für drei Prozent der weltweiten Kohlenstoffdioxid-Emissionen verantwortlich. Durch ausgestoßene Aerosole und emittierten Wasserdampf verstärkt sich der Einfluss der Luftfahrt auf den Treibhauseffekt zusätzlich. Dass hier eine Zäsur stattfinden muss, ist allgemeiner Konsens. Naheliegendes Mittel zur kurzfristigen Reduktion der Emissionen ist die Verringerung der Kurzstreckenflüge und ein Stärken des Mitbewerbers Eisenbahn. Langfristig aber könnten auch emissionsfreie Antriebe und synthetische Treibstoffe den gebrandmarkten Klimakiller Kerosin ersetzen.

Mit kurzen Strecken beginnt alles

Wie groß dabei der politische Druck auf die Flugzeugbauer ist, wird in den Fortschritten der letzten Jahre ersichtlich. Airbus stellte vor einigen Monaten drei unterschiedliche Konzepte vor, mit denen das Unternehmen den Luftverkehr revolutionieren möchte. Bis spätestens 2025 will man sich auf ein Konzept festlegen – zuletzt ging die Tendenz zum Wasserstoff-Turboprop.

Ungeachtet des Antriebssystems, das sich letztendlich durchsetzen wird, werden zuerst Maschinen für Regionalstrecken in den kommerziellen Betrieb gehen. Es scheint absurd zu glauben, dass die ersten neuartigen Flugzeuggenerationen uns direkt zu Zielen über den Atlantik oder nach Asien fliegen werden. Die technische Weiterentwicklung wird auch hier mit kleineren Maschinen beginnen, wie es einst vor 100 Jahren geschah. Der Regionalverkehr kann hier als Versuchs- und Innovationsfeld wichtige Daten und Erfahrungen liefern.

Flugzeug gegen Schiene

Zu Beginn der 2000er-Jahre war der regionale Luftverkehr hierzulande deutlich ausgeprägter als heute. Nicht nur aufgrund ihrer Klimaschädlichkeit und der Bahn als direkter Alternative, sondern auch wegen mangeldner Wirtschaftlichkeit, wurden bereits in den vergangenen 20 Jahren viele Strecken eingestellt. Übrig blieben die Zubringerflüge an die Hubs, von wo aus die Passagiere im Anschluss in alle Welt fliegen.

Gegenüber der Schiene bietet der regionale Luftverkehr allerdings auch ganz pragmatische Vorteile – zum Beispiel, was die Anfälligkeit für Störungen angeht, von denen es bei der Bahn bekanntlich (zu) viele gibt. Fallen die Emissionen als Malus weg, überwiegen die Vorzüge des Flugzeugs gegenüber der Bahn deutlich. Die Kurzstrecke zu verteufeln und ihr per Verbot den Garaus zu machen, um das Klima zu retten, scheint daher der falsche Weg. Der regionale Luftverkehr hat Zukunft – wenn er sich bewusst für neue Konzepte entscheidet und nicht aus ideologischer Kurzsichtigkeit "von oben" ausgebremst wird.