Es ist ein kurzer Stopp, den der Sea Lynx 83+02 am Mittwoch, dem 8. Juli in der Zeppelinstadt Friedrichshafen einlegt. Und er findet, mehr oder weniger, unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur ganz vereinzelt stehen Zuschauer am Zaun des beschaulichen Bodensee-Airports. Den meisten von ihnen ist der bunt lackierte Hubschrauber eher zufällig ins Auge gestochen, als er – pünktlich, wie vorhergesagt – um genau 13:30 Uhr über die Landebahn 06 eingeschwebt und in Sichtweite der Luftsportclub-Pizzeria auf das Vorfeld geknattert ist.
"Isch der von de Polizei?", fragt eine aufmerksame Dame schwäbelnd, neugierig den Hals zum Heli reckend, ihren Nebenmann. "Noi, von de Marine", erwidert dieser. Aber auch er weiß nicht so recht, warum sich ein Marine-Helikopter aus dem Norden an den Bodensee verirrt hat – noch dazu ein so bunter.
Die Antwort ist einfach: Der Westland Sea Lynx Mk88, seit 1981 bei den Marinefliegern als Bordhubschrauber im Einsatz, befindet sich auf Abschiedstour. Spätestens zum Jahresende wird der altgediente Drehflügler seinen Platz auf den Fregatten der Marine räumen – ersetzt durch die NH90-Spezialversion "Sea Tiger". Und da die Marineflieger aus Nordholz eine langjährige Partnerschaft mit der Stadt Friedrichshafen pflegen, ist ein letzter Besuch am Bodensee natürlich fixer Teil der letzten Reise.
Sea Lynx fliegt durch Deutschland
Fünf Tage lang, vom 6. bis einschließlich 10. Juli, ist die Besatzung der 83+02 mit ihrem altgedienten Helikopter quer durch Deutschland unterwegs. Zu den angeflogenen Orten zählen am ersten Tag Schleswig, Warnemünde, Holzdorf und Hof-Plauen, am zweiten Tag Niederstetten in Baden-Württemberg sowie Neuburg an der Donau. Auch ein kurzer Abstecher nach Salzburg in Österreich ist Teil des Flugplans. Am dritten Tag stehen Donauwörth, Friedrichshafen und Laupheim auf der Agenda, bevor die Tour über Saarbrücken, Nörvenich, Fritzlar und Bückeburg (Donnerstag) am Freitag Wittmund und schließlich wieder den Ausgangspunkt Nordholz erreicht.
Ein großer Auflauf an Menschen erwartet Hubschrauber und Crew wohl nirgends – die Marine hat die Farewell-Tour ihres Bordhubschraubers öffentlich erst sehr spät und insgesamt eher spärlich beworben. Als der Sea Lynx 83+02 am 8. Juli um 14 Uhr nach seinem halbstündigen Tankstopp wieder aus Friedrichshafen abfliegt, steht maximal eine Handvoll Leute am Zaun. Das passt zum langjährigen Schattendasein, den der bewährte Sea Lynx in der Wahrnehmung der breiten Masse Zeit seines Daseins führte. Zu Unrecht, möchte man einhaken.

Nach einer halben Stunde am Boden verabschiedete sich der Sea Lynx wieder aus Friedrichshafen - und zeigte beim Abflug auch die goldene Seite seines Sonderanstrichs mit brüllendem Luchs auf dem Rumpf.
Das Einsatzprofil des Mk88 Sea Lynx
Als Bordhubschrauber deutscher Fregatten war die Hauptaufgabe des Sea Lynx in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten die Jagd auf gegnerische U-Boote, die er mithilfe seines tiefenvariablen Sonars für passive und aktive Ortung aufspürte. Als primäre Bewaffnung dienen dem Mk88 zwei Torpedos der Typen Mk46 oder MU90. Optional lässt er sich auch mit einem Maschinengewehr Kaliber 12,7 Millimeter bestücken.
Die reguläre Besatzung des Fregattenhubschraubers besteht aus drei Personen – Pilot, Copilot und Operator. Abseits der U-Boot-Jagd zählten und zählen auch die Seenotrettung, die Seeraumüberwachung sowie Personal- und Materialtransporte zum Aufgabenspektrum des Sea Lynx, von dem die Bundeswehr derzeit noch 22 Stück besitzt. Schon bald werden sie alle im Ruhestand sein.





