Anhaltende Wartungsschwierigkeiten, wenig Ersatzteile, Integrationsprobleme und stockender Raketennachschub: Der ukrainischen Luftwaffe stellen sich beim Einsatz der von mehreren NATO-Nationen gespendeten F-16-Kampfjets laut Aussagen von Analysten zahlreiche Hürden in den Weg. Einen entscheidenden Effekt auf dem Schlachtfeld hatten die betagten, um die 40 Jahre alten "Fighting Falcons" jedenfalls nicht.
Von den seit 2024 schrittweise in die Ukraine gelieferten F-16, ein großer Teil davon aus niederländischen Beständen, ist nach Angaben des niederländischen Portals NOS (Nieuwsuur) nur ein kleiner Teil einsatzfähig. Viele Flugzeuge warten demnach auf dringende Wartungsarbeiten und bleiben währenddessen an den Boden gefesselt. Außerdem fehlt es an Raketen für die Jets – ein Mangel, der sich durch den Krieg im Nahen Osten zusätzlich verschärft hat, wurden angedachte Waffenlieferungen für die Ukraine doch deshalb pausiert und umpriorisiert.
NOS zitiert den Militäranalysten Jack Watling vom Royal United Services Institute (RUSI) aus London, die Ukraine sei nicht in der Lage, die Offensivfähigkeiten der F-16 im Kampf voll auszuschöpfen.
Wartungskapazitäten erschöpft
Laut Watling setzt die ukrainische Luftwaffe die gespendeten F-16 vorrangig zur Abwehr von Kamikaze-Drohnen und russischen Marschflugkörpern ein – eine Annahme, die sich mit offiziellen ukrainischen Angaben deckt. Der RUSI-Experte unterstreicht jedoch, dass genau dieser umfassende Einsatz auch die Wartungskapazitäten der Ukrainer für die F-16 erschöpft habe. Probleme bei der Systemintegration hätten überdies "sogar zu tragischen Zwischenfällen durch Eigenbeschuss geführt."
Watlings Kollege Justin Bronk, beim RUSI angestellt als Experte für Luftstreitkräfte, hält es abgesehen von den praktischen Problemen auch strategisch für einen "großen Fehler", dass die Ukraine "sich voll und ganz auf die F-16" festgelegt habe – anstatt schon früher auch die schwedische Saab Gripen in den Fokus zu nehmen. Diese wäre, insbesondere in Kombination mit der Langstrecken-Luft-Luft-Rakete Meteor, gegenüber der F-16 klar "die bessere Wahl gewesen", so Bronk.

Die Ukraine setzt die F-16 seit Sommer 2024 ein. Der Großteil der gebraucht gelieferten Flugzeuge stammt aus Beständen der niederländischen Luftwaffe.
Gripen besser als F-16?
Der schwedische Analyst Johan Huovinen sieht das ähnlich: "Wäre die Gripen 2023 bis 2024 zusammen mit der Meteor-Rakete geliefert worden, die russische Gleitbomben ausschalten kann, dann hätte die Lage an der Front vielleicht anders ausgesehen". Huovinen ergänzte, dass er schon kurz nach Beginn der russischen Angriffe auf die Ukraine die sogenannte "Gripen-Option" unterstützt habe.
Insbesondere der Bedrohung durch russische Gleitbomben habe die Ukraine mit ihren F-16 nichts entgegenzusetzen, unterstrich auch RUSI-Experte Bronk: "Egal, wie hervorragend der Jet auch sein mag, er bot nie eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen."

Die ukrainischen F-16 leiden im Einsatz unter Ersatzteilmangel und Wartungsstau, außerdem fehlt es wohl an ausreichend Raketen.
F-16 haben "weitaus mehr Einsätze" geflogen
Der für die Ukraine zuständige Projektleiter im niederländischen Verteidigungsministerium Bert de Smit wendet dagegen ein, die europäischen Nationen hätten der Ukraine "das geliefert, was sie konnten." Für die Niederlande sei das eben die F-16 gewesen – gegenüber der er die schwedische Gripen im Ukraine-Krieg nicht entscheidend im Vorteil sieht. Die These, dass der schwedische Fighter für die Ukraine einen wesentlichen Unterschied gemacht hätte, halte er jedenfalls für "sehr gewagt", so de Smit.
Rückblickend auf seine Erfahrungen mit der Umschulung ukrainischer Piloten auf die F-16 widersprach er den RUSI-Analysten deutlich und betonte, die ukrainischen Besatzungen hätten schnell gelernt, komplexe Einsätze mit der F-16 zu fliegen. Die Geschwindigkeit, mit der dies vonstattenging, habe ihn "überrascht", so de Smit. Außerdem hätten die Ukrainer mit ihren F-16 bis dato "weitaus mehr Einsätze geflogen, als wir uns jemals hätten vorstellen können."
Intensiver Kampfeinsatz fordert Tribut
Diese Einschätzung deckt sich mit offiziellen Mitteilungen der ukrainischen Luftwaffe – die ihrerseits besonders den Faktor der F-16 für die Heimatverteidigung heraushoben. So reklamierte die Ukraine Anfang des Jahres, ihre F-16 hätten bereits 1300 feindliche Luftziele vernichtet.
Dass die Ex-NATO-Kampfjets dem intensiven Einsatz in der Luftverteidigung entsprechenden Tribut zollen müssen, ist wenig überraschend, Wartung und Instandhaltung als Nadelöhr die fast logische Folge – erst recht in Anbetracht der komplexen Logistik, die hinter der Versorgung der F-16 aus dem Westen steht.

Die ehemals niederländischen F-16AM/BM sind im Schnitt rund 40 Jahre alt.
Diese Waffen setzt die Ukraine ein
Engpässe beim Waffenarsenal sind ebenfalls kein Geheimnis – ist die Ukraine hier doch abhängig von westlichen Lieferungen, während auch im Westen die Ressourcen begrenzt sind. Neben der Kanone scheinen die Ukrainer auf der F-16 vor allem Luft-Luft-Raketen der Typen AIM-9 Sidewinder und AIM-120 AMRAAM einzusetzen, wie Filmsequenzen in einem offiziellen Video vom Januar 2026 suggerieren.
Um Kosten zu sparen und beim Einsatz gegen Billig-Einwegdrohnen wie die Shahed das knappe Arsenal der teuren Lenkwaffen bestmöglich zu schonen, scheint man auch auf lasergelenkte 70-Millimeter-Raketen zurückzugreifen, die mithilfe des Zielbehälters Sniper ATP auf heranfliegende Eindringlinge abgefeuert werden.
F-16 "kostspielig und ineffizient"
Im Gespräch mit NOS musste auch der Niederländer de Smit eingestehen, dass die Entscheidung, F-16 an die Ukraine abzugeben, zumindest in Den Haag aus der Erwartungshaltung heraus erfolgte, die Flugzeuge könnten den Kriegsverlauf zugunsten der Ukrainer beeinflussen. Diese Annahme hat sich – objektiv betrachtet – als Trugschluss erwiesen.
RUSI-Wissenschaftler Watling greift gegenüber NOS für sein abschließendes Urteil diesen Umstand auf. Der derzeitige Einsatz der F-16 in der Ukraine sei "kostspielig und ineffizient" und habe die Lage auf dem Schlachtfeld nicht verändert. "Letztendlich haben wir uns für die am wenigsten effiziente und am wenigsten effektive Lösung entschieden", so Watling.





