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Neben dem Sea Lion (Foto) beschafft die Marine nun auch Sea Tiger auf Basis des NH90. Bundeswehr

Problemfall Hubschrauber der Bundeswehr

Einsatzbereitschaft der Bundeswehr Problemfall Hubschrauber

Der neueste Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zeigt weiterhin "sprunghafte Verläufe, eine hohe Streuung und ein zu geringer verfügbarer Bestand bei rund einem Drittel der Systeme. Besonders schlecht ist die Lage bei den Hubschraubern.

 

Unverändert bewegt sich die Verfügbarkeit der Hubschrauber durchweg auf einem deutlich zu niedrigen Niveau, insbesondere bei den "komplexen" Hubschraubern wie dem NH 90 TTH, NH 90 Sea Lion (Einsatzbereitschaft bei nur ca. 19 Prozent) oder dem Kampfhubschrauber Tiger. Hier werden die sehr zeitaufwändigen Wartungs- und Inspektionssysteme sowie die laufenden Umrüstungsmaßnahmen zur Vereinheitlichung der Konstruktionsstände ins Feld geführt.

Die pandemiebedingte weitere Verringerung der – bereits zuvor begrenzten – industriellen Kapazitäten wirkt sich zusätzlich verzögernd auf den zeitgerechten Abschluss von Wartungs- und Umrüstungsmaßnahmen aus – in der Folge werden Einschränkungen in der Anzahl verfügbarer Systeme länger spürbar bleiben, heißt es in dem Bericht.

Bei den "alten" Hubschraubern, wie dem mittleren Transporthubschrauber CH-53 der Luftwaffe oder den Bordhubschraubern Sea King und Sea Lynx der Marine ist der operative Flugbetrieb auf Grund der altersbedingten Störanfälligkeit und einer stellenweise schwierigen Ersatzteillage nur noch mit hohem Aufwand und unter großen Anstrengungen aufrecht zu erhalten.

Bereits eingeleitete Maßnahmen zur Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft der Hubschrauber werden sich absehbar weiter positiv auswirken, hofft das Ministerium. Mit der zwischen der Bundeswehr und der Industrie geschlossenen Zielvereinbarung soll perspektivisch eine deutliche Erhöhung der Einsatzbereitschaft des Kampfhubschraubers Tiger erreicht werden. Wesentliche Pfeiler der Vereinbarung sind die Schaffung zusätzlicher industrieller Kapazitäten zum Abbau des derzeitigen Inspektionsstaus, die Stärkung der Eigenbefähigung durch den Aufwuchs einer weiteren militärischen Wartungsstaffel bis 2025 und die bedarfsorientierte Unterstützung der Industrie in der Truppe ("On Site Support").

Neue Instandsetzungsverträge bei NH90

Beim NH90 TTH sind das sehr komplexe Wartungs- und Inspektionssystem sowie die Umrüstungsmaßnahmen zur Harmonisierung der Bauzustände (sogenannte Retrofit- Programme) unverändert die zentrale Herausforderung. Insbesondere bei den Umrüstmaßnahmen treten Lieferverzögerungen der Industrie von bis zu zwölf Monaten auf. Die Einschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie erhöhen die Verzögerungen zusätzlich – z. B. bei den Umrüstungsmaßnahmen in Frankreich. In der Folge bleiben die Einschränkungen bei der Anzahl operationell einsetzbarer Systeme über das Jahr 2023 hinaus bis 2024 spürbar, so der Ausblick.

Bei den seit April 2020 im Rahmen des "Standardisierten Instandhaltungsleistungsvertrags" (SILV) durchgeführten zwölf Inspektionen NH90 ist eine deutliche Verbesserung der Leistungserbringung der Industrie festzustellen. Die Durchlaufzeiten der Inspektionen im SILV haben sich im Vergleich zu den Altverträgen auf derzeit sieben Monate halbiert. Beeinträchtigt wird dieser Erfolg durch mehrfache Arbeitsstopps aufgrund fehlender Ersatzteile. Hierfür sind vor allem die Lieferverzögerungen bei Ersatzteilen aus dem "Repair and Overhaul"-Prozess ausschlaggebend.

Die Einsatzbereitschaft des Kampfhubschraubers Tiger bewegte sich im Berichtszeitraum weiterhin auf einem unbefriedigenden Niveau. Der Stau an Hauptinspektionen bei einer großen An-zahl an Luftfahrzeugen aufgrund fehlender Dockkapazitäten beeinträchtigt unverändert die Einsatzbereitschaft bei diesem System. Die eingeleiteten Maßnahmen zum Abbau des Inspektionsstaus beginnen frühestens Ende 2023 zu wirken. Mit der vollständigen Beseitigung des Staus ist aber nicht vor Ende 2026 zu rechnen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen sind u.a. der Aufwuchs einer weiteren militärischen Wartungsstaffel für den Tiger bis 2025 zur Stärkung der Eigenbefähigung, die Optimierung der luftfahrzeugtechnischen Prozesse sowie der Managementprozesse wie auch die Bündelung von Instandsetzungsmaßnahmen zur Erhöhung der Nutzungsdauer der Systeme im Zuge des Projekts "Maintenance Improvement Plan Wave 2".

Mit der im April 2021 geschlossenen multi-lateralen Zielvereinbarung zwischen dem BMVg, der Indust-rie und dem Heer werden Teile dieser Maßnahmen zusätzlich formalisiert. Ziel ist es, in Jahresschritten bis 2026, eine deutliche Erhöhung der materiellen Einsatz- bereitschaft beim Tiger zu erreichen.

CH-53 muss bald wieder in den Einsatz

Beim Klarstand des Alt-Waffensystems CH-53 ist zwar eine leichte Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft festzustellen, eine deutliche Trendwende ist aber weiterhin nicht zu erwarten. Bisher gelingt es zumindest, die Flugstunden im Vergleich zum Vorjahr in etwa zu verstetigen, um so nach Jahren hoher Einsatzbelastung wieder vermehrt in die Ausbildung der jüngeren Besatzungen zu investieren.

Aufgrund der überwiegend altersbedingten Unzulänglichkeiten des Waffensystems ist das nur durch weitere industrielle Unterstützung und eine weiter zu verbessernde Ersatzteillage möglich. Der Aufbau der zusätzlichen industriellen Kapazitäten in Diepholz ist bisher erfolgsversprechend, da er die hochbelasteten militärischen Kapazitäten verstärkt. Darüber hinaus muss aber auch die eta-blierte Personalunterstützung an den Standorten Laupheim und Schönewalde bruchfrei fortgeführt werden, insbesondere, weil bereits ab Mitte 2022 ein weiterer Einsatz mit dem Waffensystem CH-53 ansteht.

Einzig der H145M LUH SOF überzeugt trotz des Einsatzes in Afrika weiterhin mit kontinuierlich hohen Klarstandraten. Das Ziel im Rahmen der Initiative Einsatzbereitschaft 2021 von 11,5 einsatzbereiten LUH SOF konnte in einzelnen Monaten, aber nicht durchgängig erreicht werden. Hintergrund sind insbesondere die verlängerten An- und Rücklieferwege in die Einsätze sowie der höhere Verschleiß an Rotorblättern und Triebwerken aufgrund der sehr sandhaltigen und damit erodierend wirkenden Luft in Afrika.