Assistenzsystem liest und prüft Checklisten
„Goose“ hilft als digitaler Copilot

Auf der ILA stellt das Unternehmen AeroSys aus Osnabrück sein Assistenzsystem "Goose" vor. Es wird an digitale Bordnetze moderner Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt angeschlossen und verfolgt deren Systemzustand und Flugfortschritt und tritt sogar in den Dialog mit der Besatzung. Auch Geschäftsreiseflugzeuge könnten bald diese neue Technik nutzen.

„Goose“ hilft als digitaler Copilot
Foto: Sebastian Steinke

Goose kann durch eine Anbindung an das Datennetz des Flugzeugs dessen Systemzustand überwachen, Checklisten lesen, deren Ausführung prüfen und bei Abweichungen festgelegter Schwellenwerte Alarm schlagen. Bisher sei das System noch auf einzeln fliegende Sichtflugpiloten optimiert, teilte AeroSys-Geschäftsführer Mirko Hahn bei einem Standbesuch der FLUG REVUE in Halle 4/230 mit.

Das Osnabrücker Unternehmen arbeite aber für die nächsten Jahre bereits an einer erweiterten IFR-Version, an der bereits mehre Kunden aus der Geschäftsluftfahrt Interesse angemeldet hätten. Das aktuelle System kann vorher eingebaute Checklisten als Soundfile abspielen. Aber darüber hinaus überwacht es auch, ob der "Pilot in Command" die entsprechenden Handlungsschritte ausführt. Dadurch wird bei einem alleine fliegenden Piloten eine neue Kontrollebene erzeugt, laut Werbung ein "digitaler Copilot". Anwendungsfelder sind auch Notfallchecklisten oder die Überwachung von Flugplandaten, Treibstoffverbrauch und Luftraumgrenzen. Bei drohenden Konflikten kann Goose den Piloten vorab warnen. Die mittelfristig denkbare Einbindung auch in die Cockpits größerer Flugzeuge ist aber noch von der Anerkennung der Luftfahrtbehörden abhängig. Dieser Abstimmungsprozess läuft aber bereits an. Bisher zieht sich Goose nur Daten aus dem Bordsystem, um sie für sich mitzunutzen, es speist aber keine eigenen Daten ein.

ILA 2022

Wirklich interessant werden die künftigen Entwicklungsstufen, bei denen die Original-Software der Flugzeughersteller direkt ins System geladen werden soll, damit diesem "offizielle" Daten vorliegen. Das batteriegepufferte System arbeitet zweieinhalb Stunden lang ohne Bordstrom weiter, falls dieser ausfallen sollte. Das aktuelle VFR-System soll in diesem Jahr auf der größten US-Luftfahrtmesse der Amateurflugzeugbauervereinigung EAA in Oshkosh vorgestellt werden. Es kostet, samt einer separaten GPS- und ADSB-Empfangsanlage, ab 2500 Euro. Der Nutzer kann die Checklisten nach eigenen Bedürfnissen und auf das jeweilige Flugzeug und dessen Rüstzustand abstimmen.

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FLUGREVUE 01 / 2023

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