Rolls-Royce macht mit dem F130 für die Boeing B-52H der US Air Force Fortschritte. Der Turbofan hat erfolgreich Höhen- und Betriebsfähigkeitstests im Arnold Engineering Development Complex (AEDC) der US Air Force in Tullahoma, Tennessee, absolviert, wie der britische Triebwerkshersteller am Dienstag mitteilte.
Bei den Höhentests musste das Triebwerk anhaltende Leistung demonstrieren, wie es bei strategischen Missionen über lange Dauer und in großer Höhe nötig ist. Für die Betriebsfähigkeitstests wurden vor dem Lufteinlass Gitterstrukturen platziert, um turbulente Luftströmungen zu imitieren und die Stabilität des Triebwerks unter Stress zu bestätigen. Zudem hat Rolls-Royce in Zusammenarbeit mit Boeing Tests mit dem Integrated Drive Generator (IDG) durchgeführt, um eine stabile und zuverlässige Stromversorgung in allen Missionsszenarien sicherzustellen.
"Während dieser Triebwerkstestkampagne mit dem F130 haben wir wichtige Daten darüber gesammelt, wie dieses Triebwerk unter sämtlichen Flugbedingungen funktioniert. Der Abschluss der Testreihe in der erstklassigen Einrichtung des AEDC gibt uns Vertrauen in das Triebwerk und die zugehörigen Systeme, während wir mit der Modifizierung des Testflugzeugs fortfahren und die Flugtests vorbereiten", so Lt. Col. Timothy Cleaver, USAF Program Manager, B-52 Commercial Engine Replacement Program.
Bald wieder Tests in der Doppelgondel
Als Nächstes wird sich das Programm nach Angaben von Rolls-Royce in Richtung weiterer Systemintegration bewegen, geplant sind dabei auch weitere Tests mit der für die B-52 typischen Zwillingsanordnung der Triebwerke in "Dual Pods" auf einem Teststand des NASA Stennis Space Center in Mississippi.
Vor drei Jahren fanden in Stennis bereits Versuche mit Triebwerken in Doppelgondeln statt. Die damaligen "Rapid Twin Pod Tests" spielten laut Rolls-Royce eine wichtige Rolle, um die analytischen Vorhersagen zu bestätigen und das Risiko der Integration der acht F130-Triebwerek in die B-52H zu minimieren. Zudem hat Rolls-Royce die ersten Phasen von Bodenläufen auf Meereshöhe in einem aufbereiteten Teststand in Indianapolis absolviert. Dabei wurden die ersten Software-Releases für das F130 untersucht und Leistungsdaten des Triebwerks erhoben.
Triebwerk mit deutschen Wurzeln
Das F130 basiert auf dem Business-Jet-Triebwerk BR725, das Rolls-Royce Deutschland in Dahlewitz entwickelt und gebaut hat. Es kam in den Gulfstream-Jets G650 und G650ER zum Einsatz. Die F130-Triebwerke für die B-52 werden im Rolls-Royce-Werk in Indianapolis, Indiana montiert und getestet. Dafür investiert der britische Triebwerkshersteller rund eine Milliarde US-Dollar in seinen größten US-amerikanischen Standort. Ende 2024 hat Rolls-Royce die kritische Entwurfsüberprüfung für das F130 abgeschlossen.
Die US Air Force hat Rolls-Royce im September 2021 mit der Neumotorisierung der B-52H beauftragt. Der Auftrag hat einen Wert von 2,604 Milliarden US-Dollar und umfasst 608 Triebwerke sowie rund 40 Ersatztriebwerke, die dazugehörige Ausrüstung und die Lieferung technischer Dokumentationen, die für die Betreuung der Triebwerke notwendig sind. Durch den Ersatz der alten TF33 durch moderne Triebwerke soll die Bomberflotte 30 weitere Jahre, bis mindestens 2050, im Einsatz bleiben. Die modernisierten Bomber werden dann von B-52H in B-52J umbenannt. Für die Neumotorisierung hatten sich damals auch GE Aviation und Pratt & Whitney mit dem CF34-10E, dem Passport 20 und dem PW815GA beworben.





