Seit sie vor rund zwei Jahrzehnten ihre letzten Tornado-Kampfjets an die Luftwaffe abgeben mussten, besitzen Deutschlands Marineflieger kein Waffensystem mehr, um Seeziele über Wasser auf größere Entfernung zu bekämpfen. Einem Bericht des Fachportals hartpunkt zufolge, der sich auf Angaben informierter Kreise beruft, könnte sich das jedoch bald ändern.
Demnach plant die Bundeswehr die Beschaffung der Joint Strike Missile (JSM) für die Boeing P-8A Poseidon des Marinefliegergeschwaders 3 in Nordholz. Dieser von Kongsberg aus Norwegen und dem US-Unternehmen Raytheon entwickelte Marschflugkörper würde die deutschen U-Boot-Jäger und Seefernaufklärer in die Lage versetzen, gezielt auch Schiffe sowie Landziele aufs Korn zu nehmen.
Die JSM ist eine Weiterentwicklung der land- und seegestützten norwegischen Naval Strike Missile und fliegt bis zu 560 Kilometer weit. Das Gesamtgewicht der vier Meter langen Rakete beträgt 416 Kilogramm, davon entfallen 120 Kilogramm auf den Sprengkopf. Laut Hersteller ist die JSM zudem mit Stealth-Eigenschaften ausgestattet und soll selbst hochmoderne Luftverteidigungssysteme überwinden können.

Deutschland erhielt bislang drei von acht fest bestellten P-8A Poseidon. Ob darüber hinaus noch weitere Jets geordert werden, bleibt vorerst offen.
F-35-Lenkwaffe für P-8A?
Die Bundeswehr hat die JSM bereits für die F-35A der Luftwaffe geordert. Der Kommandeur der Marineflieger, Kapitän zur See Broder Nielsen, hatte die Lenkwaffe laut hartpunkt bereits auf der Luftfahrtmesse in Farnborough im Juli als "valide Bewaffnungsoption" für die P-8A Poseidon bezeichnet.
Die P-8A steht seit Herbst 2025 offiziell bei der Marine im Dienst und löste in der U-Boot-Jagd und Seefernaufklärung die Lockheed P-3C Orion ab. Acht Poseidons hat Deutschland bislang fest bestellt. Spekulationen um einen möglichen Bedarf von vier weiteren Flugzeugen halten sich seit Längerem. Eine Folgebestellung gab es bislang allerdings nicht.

Die Seezielbekämpfung war bis 2005 die Domäne der Marineflieger-Tornados. Deren Anti-Schiffs-Lenkwaffe Kormoran besaß allerdings nur rund 30 Kilometer Reichweite.
Vom Starfighter zur Poseidon
Die auf der Boeing 737‑800 basierende Poseidon ist mit 39,47 Metern Länge, einer Spannweite von 37,64 Metern und einem maximalen Abfluggewicht von 85,1 Tonnen das größte Kampfflugzeug, das die Bundeswehr je einsetzte.
Die Seezielbekämpfung war bei den Marinefliegern bis 2005 die Domäne des Panavia Tornado, der zu diesem Zweck mit der deutschen Anti-Schiffs-Rakete AS.34 Kormoran ausgestattet war. Die Kormoran hatten die Tornados der Marinefliegergeschwader 1 und 2 ihrerseits vom Vorgängermuster F-104G Starfighter übernommen.
Mit der Auflösung der beiden Tornado-Geschwader 1993 (MFG 1) und 2005 (MFG 2) verloren die Marineflieger ihre Fähigkeit zur Schiffsbekämpfung.





