Über 200 neue Eurofighter will das gleichnamige Kampfjet-Konsortium in den kommenden Jahren noch an den Mann bringen – die jüngsten Orders aus Deutschland (20 neue Jets), Italien (24), Spanien (25) und der Türkei (ebenfalls 20) nicht eingeschlossen. Das geht aus einer Präsentation von Eurofighter-Chefingenieur Cristiano Montrucchio bei der Defence iQ International Fighter Conference hervor, die seit Mittwoch die Runde macht.
Die entsprechende Folie schlüsselt zunächst die bereits produzierten Bestandsflugzeuge auf, deren Zahl mit 619 Exemplaren angegeben wird – verteilt auf insgesamt zehn Nutzer (Testmaschinen eingeschlossen). Die Bestandsflotte hat laut Eurofighter-Mann Montrucchio im Januar 2026 die magische Marke von einer Million Flugstunden geknackt.
Zu den 619 gebauten Jets rechnet die Präsentation 61 Eurofighter für Deutschland, Spanien und Kuwait hinzu, die sich derzeit in Produktion befinden oder deren Bau bevorsteht. Dazu zählen 38 Tranche 4-Jets für das Quadriga-Programm der Bundeswehr, 20 Halcón I-Eurofighter für Spanien sowie drei noch zur Lieferung ausstehende Maschinen der Tranche 3A für Kuwait.
89 weitere Eurofighter (siehe oben) werden unter "recently ordered" geführt.
Wer soll 200 Eurofighter kaufen?
So weit, so klar. Spannend aber wird es beim Ausblick auf erhoffte Zusatzaufträge für den Eurofighter. Hier peilt das Konsortium nämlich "200+" Exemplare an – davon ausgehend, dass der Eurofighter Typhoon bis mindestens 2060 im Einsatz bleibt.
Woher die entsprechenden Bestellungen konkret kommen sollen, bleibt mehrheitlich im Dunkeln. 150 Eurofighter sind unter "other opportunities" subsumiert – vermerkt mit dem Zusatz "including core", was darauf schließen lässt, dass man weiter auf Bestellungen der vier Ursprungsländer des Flugzeugs hofft, mit denen die entsprechenden Luftstreitkräfte jeweils ältere Exemplare ablösen könnten.
Gesondert aufgeführt werden darüber hinaus 24 Eurofighter für die Türkei, 54 für Saudi-Arabien sowie 36 Stück für Österreich.

Österreich sucht einen Nachfolger für seine Eurofighter der Tranche 1 - aber ob man sich erneut für Eurofighter entscheidet, ist längst nicht entschieden.
Neue Eurofighter für Österreich
Ob gerade diese Geschäfte zustande kommen, ist jedoch fraglich. Die Türkei interessierte sich zuletzt, über ihre 20 fix bestellten Jets hinaus, vor allem für aufgefrischte Eurofighter vom Gebrauchtmarkt. Namentlich hatte man dabei Maschinen aus Katar im Auge. Eine Folgeorder für neue Eurofighter schien eher nicht im Raum zu stehen. Verhandlungen mit Saudi-Arabien ergaben bislang keinen Durchbruch, auch wenn die Golfnation, die derzeit 72 Eurofighter ihr Eigen nennt, schon vor längerer Zeit Bedarf angemeldet hat.
Besonders optimistisch wirkt die Nennung Österreichs als möglichem Abnehmer für 36 neue Eurofighter. Zwar erhielt Österreichs Bundesheer ab 2007 insgesamt 15 Jets der frühen Tranche 1 für die Luftraumüberwachung und möchte diese perspektivisch tatsächlich durch bis zu 36 neue Kampfflugzeuge ersetzen.
Von einer Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Muster ist man in Wien jedoch noch weit entfernt, und neben dem Eurofighter sind bei den Österreichern auch noch Saab Gripen E/F, Dassault Rafale, Lockheed Martin F-35A sowie – mit Außenseiterchancen – KAI KF-21 Boramae, TAI Kaan und Boeing F-15EX Eagle II im Rennen. Beobachter erwarten, dass es bis mindestens 2028 dauern wird, bis sich ein Wunschkandidat herauskristallisiert.
Ob die konkrete Nennung Österreichs in der Präsentation daraus entspringt, dass Gespräche womöglich weiter fortgeschritten sind als angenommen, bleibt offen.

Die Türkei erhält vorerst 20 Eurofighter, die bei BAE in Warton endmontiert werden. Einen erweiterten Bedarf wollte die Türkei bislang eher mit Gebrauchtflugzeugen decken.
Weitere Interessenten
Zu den Kunden der unter "Sonstige" geführten 150 Eurofighter könnten derweil Nationen wie Bangladesch, Polen oder Portugal gehören, die in der Vergangenheit allesamt – mehr oder weniger konkret – Interesse an dem Kampfjet "made in Europe" zur Sprache brachten. Auch die Philippinen zählen mutmaßlich zu diesem Kreis hinzu. Hier steht ein Angebot für 32 Jets der Tranche 5 im Raum, das Leonardo aus Italien im August für die philippinische Luftwaffe schnürte.

Portugal braucht Ersatz für seine alten F-16AM/BM. Das Rennen der vier Kandidaten Eurofighter, Rafale, Gripen E und F-35A ist auch dort noch nicht entschieden.
Fertigungsrate im Steigflug
Wie viele der angestrebten gut 200 Eurofighter das Konsortium letztlich verkauft bekommt, muss sich demzufolge erst noch zeigen. Bis auf Weiteres ist die Produktion bei den Industriepartnern Airbus Defence & Space, BAE Systems und Leonardo aber ohnehin gesichert. Laut Chefingenieur Montrucchio wird die Fertigungsrate der Endmontagelinien für den Eurofighter sogar erhöht. "Im vergangenen Jahr haben wir die Grundlage für diese Steigerung der Lieferrate geschaffen, sodass wir in der Lage sind, mehr Jets in kürzerer Zeit zu produzieren", zitiert ihn das Fachportal Flight Global.
Dies habe bereits zu einer Steigerung der jährlichen Kapazität von 14 auf über 20 Flugzeuge geführt. Finales Ziel sind nach Montrucchios Angaben bis zu 30 neue Eurofighter pro Jahr.





