Brasilien setzt voll auf die Saab Super Gripen – und baut sie bei Embraer im eigenen Land sogar selbst. Damit steht der Luftwaffe des größten Landes Südamerikas eines der modernsten Kampfflugzeugmuster weltweit zur Verfügung. Mit der Integration der europäischen Luft-Luft-Lenkwaffe Meteor setzen die Brasilianer nun die nächste Duftmarke: Erstmals feuerte eine Gripen E der Força Aérea Brasileira (FAB) in einem offiziellen Test die "Fire and Forget"-Rakete ab, die Ziele in mindestens 100, inoffiziell bis zu 200 Kilometern Entfernung treffen kann.
Laut Angaben der FAB erfolgte der Testabschuss am Donnerstag, dem 27. November. Die beteiligten Saab Gripen E waren demnach vom Fliegerhorst Natal ganz im Osten des Landes aus gestartet. Als "Opfer" für die Meteor diente eine Mirach 100/5-Zieldrohne, die "die Flugprofile eines Kampfjets simulierte und Manöver bei hoher Geschwindigkeit und Höhe vollführte, um die Treffgenauigkeit der Rakete zu messen", schreibt die brasilianische Luftwaffe auf ihrer Webseite. Damit habe man ein "äußerst anspruchsvolles Szenario" geschaffen, sowohl für die Rakete als auch für das Flugzeug.

"Fire and forget": So sah der erste Meteor-Abschuss durch eine brasilianische Saab Gripen E aus der Cockpit-Perspektive aus.
Alleinstellungsmerkmal in Lateinamerika
An dem Versuchsszenario arbeiteten laut offiziellen Angaben auch Vertreter des Raketenherstellers MBDA mit. Außerdem waren Mitarbeiter des Instituts für operative Anwendungen, einer Organisation der brasilianischen Luftwaffe, involviert.
Major Aviator Gregor Gaspar von der 1º Grupo de Defesa Aérea, die die beteiligte Super-Gripen-Rotte stellte, fasste im Nachgang die Mission zusammen: "Die für den Einsatz der Meteor-Waffen gewählten Profile wurden von einem Team hochqualifizierter und spezialisierter Piloten und Techniker ausgewählt, um das Maximum aus dieser technischen Übung herauszuholen und die für den Einsatz von Langstreckenwaffen (...) insbesondere durch die F-39E Gripen entwickelte Doktrin zu festigen."
Dass die FAB künftig auf die europäische Langstrecken-Lenkwaffe zurückgreifen könne, erweitere und festige Brasiliens Abschreckungsfähigkeiten. "Konkret bedeutet dies, dass das Land seine Luftverteidigungsfähigkeiten auf Weltklasseniveau ausbaut", heißt es auf der Webseite der Brasilianer weiter. In der Tat verfügt aktuell außer Brasilien kein anderes Land in Lateinamerika über eine vergleichbar potente Luft-Luft-Lenkwaffe wie die Meteor.
Die Luft-Luft-Rakete MBDA Meteor
Die MBDA Meteor gilt derzeit weltweit als eine der stärksten und besten Langstrecken-Luft-Luft-Raketen. Die speziell für Ziele außer Sichtweite (BVR, beyond visual range) entwickelte Rakete mit aktivem Radarsuchkopf fliegt mit Geschwindigkeiten um Mach 4 Richtung Ziel. Dabei nutzt sie einen Staustrahlantrieb (Ramjet), der Sauerstoff aus der Umgebungsluft nutzt. Somit kann die Lenkwaffe mehr Treibstoff transportieren – ohne zusätzlichen Oxidator -, wodurch sich die Reichweite entsprechend erhöht.
"Der Ramjet hat außerdem den großen Vorteil, dass die Meteor auch im Endanflug noch genug Leistung hat, um ein manövrierendes Ziel effektiv zu bekämpfen", ließ sich der deutsche Major der Luftwaffe Michael Kruse vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 im Jahr 2021 anlässlich der ersten Meteor-Tests mit dem Eurofighter zitieren. Neben Eurofighter und Saab Gripen setzt auch die Dassault Rafale die MBDA-Rakete ein. Die Integration in die Lockheed Martin F-35 läuft. Für den Kampfjet KF-21 Boramae aus Südkorea ist die Meteor ebenfalls als Standardwaffe vorgesehen.
Die "No-Escape Zone", also der Bereich, aus dem es für ein anvisiertes Ziel trotz Warnung und eingeleiteter Gegenmaßnahmen (so gut wie) kein Entrinnen gibt, beträgt bei der Meteor rund 60 Kilometer.





