Zum ersten Mal zeigen Filmaufnahmen aus China eine ausdrücklich für den Exportmarkt bestimmte Shenyang J-35A. Der als J-35AE bezeichnete Stealth-Fighter ist in einem auf X kursierenden Videoschnipsel parkend im Hangar zu sehen. Mehrere Standbildaufnahmen, die wohl vom selben, zum 1. Mai ausgestrahlten Video des chinesischen Fernsehsenders CCTV stammen, dokumentieren, wie die J-35AE per Schlepper aus ihrer Behausung gezogen wird.
Das Flugzeug trägt eine hellgraue Lackierung und die Kennung 0001 am Lufteinlauf, am Bug prangt der Schriftzug des staatlichen Flugzeugbau-Konsortiums AVIC in lateinischen Buchstaben. Es dürfte sich demzufolge um den ersten Prototyp der J-35A-Exportversion handeln – zumindest deuten die Indizien darauf hin.
Gerüchten zufolge soll die J-35AE ihren Jungfernflug bereits vor geraumer Zeit absolviert haben – nämlich im November 2024, kurz vor der Luftfahrtmesse Airshow China in Zhuhai, bei der die "normale", für die einheimische Luftwaffe bestimmte J-35A ihre Publikumspremiere gab.
Insbesondere pakistanische Social Media-Kanäle sprühen angesichts der neuen Bilder aus China nun vor Euphorie – spekulieren sie doch, die gezeigte J-35AE könne ja eigentlich nur für Pakistan bestimmt sein.

AVIC-Schriftzug am Bug und 0001-Kennung am Lufteinlauf: Chinas Fernsehen zeigte am 1. Mai die erste für den Export bestimmte Shenyang J-35AE.
Chinas muslimischer Verbündeter
Tatsächlich gilt das muslimisch geprägte Pakistan als enger Verbündeter Chinas, und als treuer Abnehmer chinesischer Rüstungstechnik. So setzt die pakistanische Luftwaffe unter anderem den China-Kampfjet Chengdu J-10C ein. Pakistans Flugzeugbauer PAC hat außerdem zusammen mit der chinesischen Luftfahrtindustrie die JF-17 Thunder entwickelt, einen vergleichsweise günstigen Fighter, der in der neuesten Variante Block III mit einem modernen AESA-Radar gebaut wird.
Für beide Muster können die Pakistanis auf chinesische Lenkwaffen zurückgreifen. Mit der Langstrecken-Luft-Luft-Rakete PL-15E holten pakistanische Jets im vergangenen Jahr mindestens eine, womöglich sogar drei, indische Dassault Rafale vom Himmel.

Pakistan fliegt bereits die chinesische J-10C und entwickelte gemeinsam mit China die JF-17 Thunder (Foto). Beide sind standardmäßig mit chinesischen Lenkwaffen bestückt.
Pakistan und die J-35AE
Pakistanische Offizielle erklärten überdies vor knapp einem Jahr, sie hätten ein offizielles Angebot aus China erhalten, die Exportversion der J-35A zu kaufen. Berichten zufolge ging es um 30 bis 40 Maschinen. Ebenfalls wurde im vergangenen Jahr berichtet, dass pakistanische Piloten bereits zur Umschulung auf die J-35A in China weilen würden. Die Informationen wurden allerdings weder bestätigt noch von irgendeiner Seite dementiert.
Schon zuvor hatte Pakistan als ernsthafter Interessent für Chinas zweites Stealth-Muster nach der größeren Chengdu J-20 gegolten. Letztere möchte China ausdrücklich nicht für den Export freigeben.

Wer wird erster Abnehmer des Export-Stealth-Kampfjets aus China? Noch ist vieles unklar. Womöglich bleibt die erste J-35AE auch als Demonstrator bei AVIC...
VAE als weiterer J-35AE-Kandidat
Ob die in dem CCTV-Video zu sehende J-35AE tatsächlich für Pakistan bestimmt ist, ob sie überhaupt direkt an einen Kunden geht, oder ob es sich lediglich um den ersten Prototyp der Exportversion handelt, bleibt nebulös. Offizielle Angaben dazu gibt es aus China keine. Vereinzelt waren im Netz auch Stimmen zu vernehmen, die die Vereinigten Arabischen Emirate als möglichen Erstkunden für die J-35AE ins Spiel brachten.
In jüngerer Vergangenheit hatten darüber hinaus Ägypten und Saudi-Arabien Interesse an der J-35AE bekundet – was wiederum zu beunruhigten Äußerungen israelischer Beobachter geführt hatte, die durch den Stealth-Jet "made in China" die regionale Vormachtstellung ihres Landes in Gefahr sahen. Saudi-Arabien wiederum besitzt seit September 2025 ein Verteidigungsabkommen mit Pakistan – und könnte gegebenenfalls als Teil-Finanzier einer pakistanischen J-35AE-Beschaffung fungieren.

Die Shenyang J-35A zeigte sich erstmals im November 2024 in Zhuhai vor Publikum. Mit der J-35 (ohne A) existiert auch eine trägergestützte Variante.
Araber noch nicht bereit für China?
Der Militäranalyst Liang Guoliang aus Hongkong sagte gegenüber der South China Morning Post, das auf CCTV gezeigte Flugzeug sei seiner Ansicht nach tatsächlich das "fertige Produkt" J-35AE und "bereit für den Export". Er legte sich ebenfalls auf Pakistan als ersten Abnehmer fest.
Mögliche andere Interessenten, primär aus dem arabischen Raum, seien laut Guoliang gedanklich noch nicht so weit, neue Kampfflugzeuge in China zu bestellen. Der Umdenkprozess, sich weniger abhängig von der Großmacht USA zu machen, habe sich durch die Eindrücke des Iran-Krieges zwar auf der arabischen Halbinsel weiter verfestigt. Konsequenzen daraus seien allerdings erst in einiger Zeit zu erwarten.





