GCAP macht Fortschritte – und Kanada wird Beobachter

Britisch-italienisch-japanischer Kampfjet
GCAP macht Fortschritte – und Kanada wird Beobachter

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.07.2026
Als Favorit speichern

Kurz vor der Luftfahrtmesse in Farnborough hat Edgewing, das Konsortium aus BAE Systems, Leonardo und Japan Aircraft Industrial Enhancement Co. Ltd., seinen zweiten Auftrag von der trinationalen GCAP-Agentur erhalten. Er hat einen Wert von 4,6 Mrd. Pfund (ca. 5,4 Euro) und finanziert das "Global Combat Air Programme" bis Dezember 2027. In dieser Konzeptprüfungsphase wird der Grundstein für die anschließende detaillierte Designphase gelegt.

Die im britischen Reading ansässige Firma Edgewing baut nun zunächst in Nagoya (Japan), Warton (Großbritannien) und Turin (Italien) neue Standorte auf, um Entwicklung und Produktion des neuen Kampfjets voranzutreiben. Der GCAP-Fighter soll ab 2035 die in Italien und Großbritannien fliegenden Eurofighter sowie die japanischen Mitsubishi F-2 ersetzen. "Wir schließen derzeit den Aufbau des Unternehmens ab und seit der Einrichtung der Zentrale nehmen wir nun die weltweiten Standorte in Betrieb […] und schaffen so eine physische Infrastruktur mit Tausenden von Ingenieuren", sagte Marco Zoff, CEO von Edgewing, bei einer Pressekonferenz am 20. Juli in Farnborough.

Die drei Standorte sollen über ein geheimes und geschütztes Kommunikationsnetzwerk verbunden werden. Auch Flugzeugteile sollen künftig an allen drei Orten hergestellt werden. Wo der Kampfjet einmal endmontiert wird, werde man in den kommenden Monaten entscheiden, so Zoff.

Wie teuer wird GCAP?

Über die zu erwartenden Gesamtkosten des Programms machten weder Zoff noch Masami Oka, Chef der GCAP-Agentur, die von den Regierungen Großbritanniens, Italiens und Japans 2024 gegründet wurde, Angaben. Es sei noch zu früh in der Entwicklung. Mit genaueren Zahlen könne man am Ende der Konzeptprüfungsphase rechnen. Die drei beteiligten Länder haben sich jedoch dazu verpflichtet, alle denselben Anteil zum Programm beizutragen.

Während der Farnborough International Airshow trat Kanada dem Programm als Beobachternation bei. "Der Beobachterstatus wird Kanada einen besseren Einblick in GCAP verschaffen und die Möglichkeit bieten, sein Verständnis für die Leitungsstrukturen, die Fähigkeiten und den industriellen Rahmen des Programms sowie für die damit verbundenen Sicherheitsanforderungen und weiteren Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu vertiefen", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der vier Regierungen. Kanada ist das erste Land mit Beobachterstatus, finanzielle oder industrielle Beteiligung geht damit nicht einher.

Jede Entscheidung über neue Teilnehmer – sei es als vollwertige Partner, als Beobachter oder in einer anderen Funktion – sei eine geopolitische Angelegenheit, die von den drei Regierungen zu bewerten sei, so Zoff am Vortag. Man werde sich an die Vorgaben der Regierungen halten. Wenn diese entschieden, weitere Partner an Bord zu nehmen, sei das definitionsgemäß ein "Netto-Vorteil", sagte Zoff, ohne näher darauf einzugehen. Allerdings würde die Aufnahme eines neuen, vollwertigen Partners und eine neue industrielle Arbeitsteilung das Programm wohl deutlich verzögern.

Könnte Deutschland bei GCAP mitmachen?

Lorenzo Mariani, CEO und General Manager von Leonardo, hat sich erneut offen für einen Beitritt Deutschlands zu GCAP gezeigt. Deutschland sei aufgrund seiner Expertise, seinem wachsenden Verteidigungsbudget und der Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Großbritannien und Italien beim Eurofighter ein passender Partner, sagte er gegenüber Medien. Für eine Beteiligung einer weiteren Nation an GCAP setzte Mariani jedoch eine Deadline: Es müsse bis Ende 2026 oder spätestens innerhalb eines Jahres passieren. Auch Saudi Arabien gilt als möglicher Kandidat für GCAP.

Andrew Howard, General Manager von GCAP Electronics Evolution, einem Konsortium aus ELT Group, Leonardo und Mitsubishi Electric, sagte gegenüber der FLUG REVUE, dass es bezüglich eines Beitritts weiterer Länder Bedenken wegen des straffen Zeitplans von GCAP und auch wegen einer Neuaufteilung der Arbeiten gebe. "Es ist zwar denkbar, aber der Zeitpunkt ist ungünstig", so Howards.

Das Aus des deutsch-französischen Kampfjets im "Future Combat Air System"-Programm (FCAS) kommentierten Zoff und Oka nicht. Auf die Frage, wie man Fehler anderer Kampfjetprojekte vermeiden wolle, verwies er jedoch auf zwei grundlegende Strukturprinzipien bei GCAP: die gleichberechtigte Partnerschaft zwischen den drei Nationen und die Rolle von Edwing als einzigem Hauptauftragnehmer, der im Namen aller drei industriellen Anteilseigner handle. Dadurch würde der direkte Wettbewerb zwischen den nationalen Industrien verhindert und keine Doppelarbeit geleistet.