Nach dem FCAS-Aus: Paris hat einen Plan, Berlin hat noch keinen

Fighter der nächsten Generation
Paris hat einen Plan, Berlin hat keinen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.10.2026
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Paris hat einen Plan, Berlin hat keinen
Foto: Dassault Aviation

Seit Juni ist offiziell Schluss mit dem europäischen Kampfjet-Projekt FCAS, an dem Frankreich, Deutschland und seit 2019 auch Spanien arbeiteten.

Die beiden Hauptpartner Deutschland und Frankreich mussten daraufhin nach Alternativen suchen. Frankreich hat sich schnell entschieden und ein Programm entworfen. Inzwischen wurden sogar die ersten Zahlen vorgelegt.

FCAS war 2017 von Frankreich und Deutschland auf den Weg gebracht worden. Das System sollte einen Jet der nächsten Generation mit Begleitdrohnen und einer geschützten digitalen Vernetzung verbinden.

Nachdem sich allerdings Dassault Aviation und Airbus Defence and Space nach langem Streit zu bestimmten Projektinhalten nicht einigen konnten, baut Frankreich inzwischen allein ein Flugzeug mit dem Namen Avion de Combat du Futur (ACF), das den gemeinsam geplanten Next Generation Fighter ersetzt.

Im kommenden Jahr soll eine neue Demonstrationsphase beginnen, in der der Prototyp entworfen, gebaut und erstmals geflogen wird. Die eigentliche Entwicklung folgt ab 2029.

Paris will die bereits geleisteten Arbeiten zu Jet, Drohnen, Tarnkappentechnik, Datenvernetzung und Gefechts-Cloud weiter nutzen, damit nicht komplett neu begonnen werden muss.

Sogar die Finanzierung ist beziffert. Das französische Verteidigungsministerium plant, die Mittel für das Programm von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 2,74 Milliarden Euro im Jahr 2027 zu erhöhen, sofern das Parlament zustimmt.

Das Geld ist für Studien zur Tarnkappentechnik, für das Zusammenspiel von bemannten und unbemannten Flugzeugen sowie für ein neues, in Frankreich entwickeltes Triebwerk vorgesehen.

Deutschland sucht noch

Das Nachrichtenportal POLITICO Europe berichtete am 21. Oktober exklusiv über Unterlagen des deutschen Verteidigungsministeriums.

Demnach sollen Fachleute des Hauses der Bundesregierung empfehlen, gemeinsam mit Schweden und Spanien ein neues Kampfflugzeug auf den Weg zu bringen, statt dem britisch-italienisch-japanischen Programm GCAP beizutreten.

Wie die Einschätzung vom Verteidigungsminister und anderen Entscheidungsträgern gesehen wird, ist allerdings unklar.

Zur Begründung der Entscheidung führt das Papier mehrere Punkte an. GCAP sei auf Einsatzprofile zugeschnitten, die nicht zu dem passen, was die Bundeswehr braucht. Denn die Bundeswehr will Flugzeuge primär für Missionen über dem europäischen Festland.

Zudem hätten deutsche Unternehmen in einem bereits laufenden Vorhaben kaum Aussicht auf einen größeren Anteil an Entwicklung und Fertigung.

Dagegen sieht das Ministerium bei Deutschland, Schweden und Spanien ähnliche militärische Anforderungen und vergleichbare Ausgangspositionen. Es spricht sich außerdem für ein gemeinsames Unternehmen von Airbus und Saab aus und schlägt vor, den schwedischen Gripen E als Übergangslösung zu nutzen, bis ein neues Flugzeug zur Verfügung steht.

Die britische Regierung wirbt unterdessen aktiv. Premierminister Andy Burnham sprach eine deutsche Beteiligung an GCAP am 8. Oktober bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin an. Beide verabredeten, Gespräche dazu aufzunehmen. Kanada war dem Programm zuletzt als Beobachter beigetreten.

Die Industrie zeigt sich offen, stellt aber Bedingungen. Ein Airbus-Sprecher erklärte, das Unternehmen sei grundsätzlich zur Zusammenarbeit bereit, wenn die deutsche und die spanische Industrie bei Entwicklung, Fertigung und Betrieb eine wesentliche und gleichrangige Rolle bekämen.