Russlands Super-Kampfjet mit Spezial-Bewaffnung gesichtet - Su-57 als Drohnenjäger

Suchoi Su-57 gegen ukrainische Drohnen?
Russlands Top-Kampfjet mit Spezial-Bewaffnung gesichtet

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.07.2026
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Ein russischer Teenager – blaue Jeans und helles Shirt – posiert vor dem Heck eines Kampfjets. Sein Gesicht ist unkenntlich gemacht – doch das, was da in seinem Rücken parkt, ist umso deutlicher erkennbar: Es ist eine Suchoi Su-57, hinter der sich der Junge für das Foto aufgestellt hat, das gerade seine Runde durch die sozialen Medien macht – weit über Russland hinaus.

Doch von Interesse für Analysten und Kommentatoren ist gar nicht das Kind. Sondern das, was das Bild erst auf den zweiten Blick erkennen lässt: die spezielle Bewaffnung der Su-57, die auf einem nicht bekannten Flugplatz in einem Shelter steht.

Als Kampfjet mit Stealth-Eigenschaften führt die Su-57 im Normalfall ihre Waffen in internen Waffenschächten mit. Gleichwohl kann Russlands modernster Kampfjet aber auch Bewaffnung an externen Rumpf- und Flügelstationen mitführen, wenn seine Einsatzmission das erfordert.

Exakt das scheint auf dem vorliegenden Bild der Fall zu sein. Die Su-57 im Hintergrund des Teenagers ist deutlich sichtbar mit Raketen unter beiden Tragflächen bestückt. Außerdem sticht unterm Rumpf auf der Backbordseite ein externer Behälter ins Auge – und (nicht nur) in Russland stellt man sich jetzt die Frage: Was hat es damit auf sich?

Zielbehälter unter der Su-57

Der russische Telegram-Blogger "Militär-Kurier" (Военный Осведомитель) schreibt zu dem Foto: "Su-57 mit einem untergehängten Behälter 101KS-N kühlt sich im Inneren eines Schutzhangars ab. An den Außenaufhängungen des Kampfflugzeugs sind Kurzstrecken-Luft-Luft-Raketen vom Typ R-74 zu erkennen, was insgesamt darauf hindeutet, dass das Flugzeug als Drohnenjäger eingesetzt wird."

Tatsächlich ist die Kombination aus extern montierten Kurzstreckenraketen und einem Behälter für die Zielerkennung und -verfolgung auffällig und wurde zumindest an einer Su-57 im Einsatz bislang noch nicht gesichtet. Zwar flog ein Su-57-Prototyp laut "Militär-Kurier" schon 2018 mit dem 101KS-N-Zielbehälter, dieser "kam jedoch bislang noch nicht in der Serienproduktion zum Einsatz", so der Telegram-Kanal.

Rüstzeug für den Anti-Drohnen-Kampf

"Militär-Kurier" führt in einem anderen Beitrag auf Telegram aus, der russische 101KS-N diene "der Erkennung, Identifizierung, Verfolgung und Zielerfassung verschiedener Objekte im Tageslicht- und Infrarotbereich." Ursprünglich für den Einsatz gegen Bodenziele entwickelt, kommen solche Targeting Pods – ganz dem aktuellen Trend folgend – inzwischen vermehrt bei der Bekämpfung anfliegender Drohnen und Marschflugkörper zum Zug.

Der 101KS-N ähnelt in seiner Auslegung dem AN/AAQ-33 Sniper aus den USA – der in jüngerer Zeit ebenfalls auch für die Abwehr gegnerischer Kamikaze-Drohnen zur Verwendung kam. So schoss im April eine F-16V aus Bahrain zwei angreifende Drohnen des Iran ab – mit AIM-9X Sidewinder und AIM-120 AMRAAM, die jeweils mithilfe des Sniper-Behälters ihr Ziel fanden.

Teure Raketen gegen Billigdrohnen

Inwiefern die russische Luftwaffe tatsächlich den Einsatz ihres besten Kampfjets für den Abwehrkampf gegen ukrainische Cruise-Missiles und UCAVs erwägt, oder ob einzelne Su-57 gar bereits am Himmel über Russland auf Drohnenjagd gehen, bleibt unklar.

Der Einsatz herkömmlicher Luft-Luft-Raketen gegen Kamikazedrohnen gilt gemeinhin als wenig effizient, weil die verschossenen Raketen deutlich teurer sind als die eliminierten Lowcost-Ziele. Im Westen setzt man daher verstärkt auf andere, kostengünstigere Systeme – allen voran auf das AGR-19 APKWS (Advanced Precision Kill Weapon System), das aus ungelenkten Hydra 70-Raketen kleine Lenkwaffen mit halbaktivem Lasersuchkopf macht. Für die Zielbeleuchtung sind ebenfalls Behälter wie der AN/AAQ-33 Sniper zuständig.

Russlands Super-Kampfjet Suchoi Su-57 in Aktion.
Patrick Zwerger

Neue Einsatzrolle oder Testballon?

Zwar sieht sich Russland seit einigen Wochen verstärkt ukrainischen Langstreckenangriffen ausgesetzt, die Rüstungsindustrie und Treibstoffversorgung immer wieder empfindlich treffen. Angesichts der nach wie vor sehr überschaubaren Flotte von maximal rund 30 Su-57 dürfte der Effekt des russischen Superfighters bei der Abwehr dieser Angriffe jedoch gering sein.

Wahrscheinlicher ist deshalb wohl, dass die Russen die auf dem Teenager-Bild gezeigte Waffenkonfiguration an der Su-57 eher für Testzwecke nutzen als dass eine reguläre Einsatzmaßnahme dahintersteckt. Dafür spricht auch, dass das Foto vermutlich auf dem Fliegerhorst Achtubinsk aufgenommen wurde, wo mit dem staatlichen Flugforschungszentrum "Waleri Tschkalow" die wichtigste Erprobungseinheit der russischen Luftwaffe residiert. Zumindest deutet die über der Su-57 erkennbare Hangarkonstruktion auf diesen Flugplatz hin.

Dass die Su-57 von Achtubinsk aus ihre Tests als Abfangjäger gegen echte gegnerische Luftziele fliegt, ist allerdings nicht ausgeschlossen – und angesichts der bisherigen Test- und Einsatzhistorie des Top-Fighters im Ukraine-Krieg sogar wahrscheinlich.