Südkoreas Kampfjet-Meisterstück geht offiziell in Dienst – bei einer Einheit, die einst F-4E Phantom II flog. Die brandneue KF-21 Boramae mit der Hecknummer 25-001 traf am 22. September, von ihrem Entstehungsort Sacheon kommend, auf dem Fliegerhorst Yecheon ein. Dort wird der Doppelsitzer, der als erste KF-21 überhaupt die kompletten Markierungen der südkoreanischen Luftwaffe trägt, der 156. Fighter Squadron des 16. Fighter Wing zugeteilt.
Die Staffel, 1988 aufgestellt, war bis 2012 mit dem Kampfjet-Klassiker Phantom II ausgestattet und wurde anschließend aufgelöst. Zum 1. Juni dieses Jahres ließen die südkoreanischen Streitkräfte die 156. Fighter Squadron wieder auferstehen – als designierte KF-21-Einheit.
Am Steuer der Boramae 25-001 saß beim Überführungsflug mit Major Han Jae-seok ein regulärer Einsatzpilot der Luftwaffe. Die bereits auf dem neuen Muster geschulten südkoreanischen Kampfpiloten haben ihrerseits selbst die Ausbilderberechtigung für die KF-21 erhalten und werden laut Plan der Nukleus einer Pilotenriege sein, die zum ersten Mal in der Geschichte des Landes ein reinrassiges einheimisches Kampfflugzeugmuster fliegen.
Vier Jahre bis zur Indienststellung
Bis die Boramae bei den Einsatzkräften zu einem relevanten Faktor wird, dauert es zwar noch ein bisschen. Dennoch ist das Tempo, mit dem Südkorea sein ehrgeiziges Fighter-Programm zur Serienreife gebracht hat, durchaus eindrücklich.
Vom Jungfernflug des ersten Prototyps am 19. Juli 2022 bis zur Auslieferung des ersten Serienflugzeugs vergingen nur rund vier Jahre. Entsprechend stolz ist man im Land auf das – mit Schützenhilfe von Lockheed Martin entwickelte – Eigengewächs.
General Sohn Seok-lak, der Stabschef der südkoreanischen Luftwaffe, nahm die Boramae 25-001 bei ihrer Ankunft in Yacheon persönlich in Empfang und gab gegenüber südkoreanischen Medien zum Ausdruck, er empfinde "großen Stolz und immense Verantwortung" beim Gedanken daran, die KF-21 in Betrieb zu nehmen. Der Jet habe in seiner Entwicklung "zahlreiche Herausforderungen und Schwierigkeiten überstanden", könne nun aber offiziell seinen Dienst aufnehmen. "Arbeiten wir zusammen, damit die KF-21 schnell ihren Platz als wichtigste Waffe zum Schutz Koreas einnehmen kann", so der Luftwaffenchef.

Die erste KF-21 Boramae für die südkoreanische Luftwaffe hatte im März 2026 ihren Erstflug absolviert.
Erst der Anfang der Entwicklung
Südkorea hat vorerst 20 KF-21 der Basisversion Block I bestellt und plant perspektivisch insgesamt mit 40 Block I-Exemplaren, deren Auslieferung bis Ende 2028 im Kalender steht. Danach sind bis Ende 2032 weitere 80 KF-21 der verbesserten Block II-Ausführung geplant, die unter anderem erweiterte Luft-Boden-Kampffähigkeiten besitzen sollen.
Sowohl Block I als auch Block II weisen zwar gewisse Tarnkappeneigenschaften auf, besitzen jedoch keine internen Waffenschächte und gelten damit gemeinhin nicht als vollwertige Kampfjets der fünften Generation. Erst mit einer noch in Entwicklung befindlichen Block III-Ausführung soll sich dies ändern.

Insgesamt sechs KF-21-Prototypen - vier Einsitzer und zwei Doppelsitzer - bestritten die Flugerprobung. Dabei verbrachten sie mehr als 2000 Stunden am Himmel.
"Super-Boramae" in Planung
Für diese zukünftige "Super-Boramae" stehen zudem eine radarabsorbierende Beschichtung, Sensorfusion sowie ein einheimisches Triebwerk im Lastenheft. Bis auf Weiteres wird die KF-21 von zwei General Electric F414-GE-400K angetrieben. Für den Fortschritt des als KTF-16000 bezeichneten Nachbrenner-Turbofans "made in Korea" zeichnet die staatliche Beschaffungsbehörde DAPA (Defense Acquisition Program Administration) verantwortlich.
Allerdings dürfte die KF-21 Block III erst Anfang der 2040er Jahre auf den Markt kommen.





