Die F-16-Flotte der ukrainischen Luftwaffe hat nach eigenen Angaben seit Beginn ihres Einsatzes rund 4.700 russische Kampfdrohnen und Marschflugkörper ausgeschaltet. Allein im Oktober kam der Verband demnach auf 1.100 solcher Abfangeinsätze.
Diese Zahlen nannte der Kommandeur der Einheit, der unter dem Rufzeichen "Phantom" auftritt, bei einer Fachkonferenz in München. Das Portal FlightGlobal berichtete darüber.
Günstige Drohnenabwehr
Den Löwenanteil der Abschüsse erzielen die Piloten laut diesen Schilderungen mit der Bordkanone. Teure Lenkwaffen wie die AIM-120 und die AIM-9 sind knapp und kommen deshalb nur im Notfall zum Einsatz. Das Vorgehen sei denkbar einfach, erklärte der Kommandeur: von hinten an die Drohne heranfliegen, in Schussweite gehen, feuern.
Die Einsätze finden häufig in Höhen zwischen 8.500 und 10.000 Metern statt, so "Phantom". Rund 85 Prozent aller abgefangenen Drohnen gehen laut dem Kommandeur auf sein Geschwader zurück.
Für andere Staaten ist das Beispiel von Interesse. Viele westliche Luftwaffen suchen nach Wegen, Drohnen günstig zu bekämpfen, ohne ihre begrenzten Raketenvorräte aufzubrauchen.
Die Lage in der Luft nannte Phantom "schwierig, aber stabil". Da Russland an der Front kaum Fortschritte mache, treffe es verstärkt zivile Infrastruktur und die Bevölkerung. Die älteren Jets der Luftwaffe, MiG-29, Su-27 und wenige Su-24, fliegen gemäß dem F-16-Kommandanten Bodenangriffe mit westlichen Präzisionswaffen und Radarabwehrraketen vom Typ AGM-88. Auch die F-16 übernehmen wohl solche Aufgaben und schützen zugleich als Jäger die älteren Maschinen.
Wie viele F-16 derzeit fliegen, hält Kiew geheim. Geliefert oder zugesagt wurden die Flugzeuge von Belgien, Dänemark, den Niederlanden und Norwegen. Die Piloten werden an einer eigenen Schule in Rumänien ausgebildet.
F-16-Flotte unter Druck
Neue westliche Muster stellen die Ukraine vor allem logistisch vor Probleme, sagte Phantom. Die Instandhaltung der F-16 sei die größte Hürde. Die Luftwaffe hat der Regierung empfohlen, künftig auf zwei westliche Mehrzweckjets zu setzen: die F-16 und die Saab Gripen, für die mit Schweden bereits ein Vertrag besteht. Die ukrainische Regierung hat zudem Interesse an der Dassault Rafale bekundet.
Gleichzeitig steht die Flotte unter erheblichem Druck. Mehr als die Hälfte der gelieferten F-16 war zuletzt wegen Wartungsstaus nicht einsatzbereit. Auch Lockheed Martin will deshalb bald bei der Wartung der Flugzeuge unterstützen.
Der stellvertretende Luftwaffenchef Jurij Tscherewaschenko bestätigte Anfang Oktober vor einem Untersuchungsausschuss des Parlaments, der Dauereinsatz sei extrem belastend, der Verschleiß enorm und die verbleibende Lebensdauer der Maschinen begrenzt.





