Russland testet sein Raumschiff der neuen Generation

Next-Gen-Raumschiff
Russland testet Raumschiff der neuen Generation

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.11.2026
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Die „Progress MS-35“ rückt ihrem Start immer näher.
Foto: Roskosmos

Wie immer bei Raumfahrtentwicklungen sind die Entwickler eher dünnlippig, denn Zeitpläne verschieben sich bekanntermaßen oft. Allerdings scheint ein neues Raumschiff derzeit Gestalt anzunehmen. Der Raumfahrer und Testkosmonaut Mark Serow sagte der Nachrichtenagentur TASS, das Entwicklerteam sei in die Phase der autonomen komplexen Erprobung eingetreten. Das Schiff nähere sich damit der Vorbereitung auf die Flugtests.

"Wir haben bereits ein Schiff, das gerade zusammengebaut wird: seine Modelle, seine experimentellen Anlagen", so Serow. Er selbst und seine Kollegen arbeiten vor allem an Ergonomie: Wie arbeitet die Besatzung an Bord? Welche Abläufe muss ein Mensch in diesem Schiff beherrschen? Wie sehen Mensch-Maschine-Schnittstelle und Anordnung der Arbeitsplätze aus? Diese Arbeit sei bereits geleistet, sagte er. Nun gehe es in die nächste Etappe, die er als "ernsthaft" bezeichnet.

Terminankündigungen gibt es keine, jedenfalls vorerst. Die Arbeit laufe planmäßig, betonte Serow, doch bevor konkrete Kennzahlen erreicht seien, wollten die Entwickler weder Ergebnisse noch einzelne Etappen öffentlich machen.

Raumschiff für Mondumrundung

Mehr verriet er über den Zweck. Das Schiff sei ein Expeditionsschiff, ausgelegt für Flüge mit der zweiten kosmischen Geschwindigkeit, also der Fluchtgeschwindigkeit aus dem Gravitationsfeld der Erde. Entwickelt wurde es im Rahmen der Vorbereitung des russischen Mondprogramms. Genannt wurden konkret eine Mondumrundung und Flüge zu Asteroiden.

Für Erdumlaufbahnen sei das Schiff eigentlich nicht gedacht, sagte Serow. Die Flugtests sollen trotzdem im Orbit stattfinden.

Serow arbeitete 2011 bereits beim Raumfahrtkonzern RKK Energija an der ergonomischen Erprobung des Raumschiffs "Federazija". Es wurde später in "Orjol" umbenannt. 2019 wechselte er zu S7 Space und kehrte danach zu Energija zurück.

Welche Raketen künftig fliegen sollen

Ein solches Raumschiff braucht passende Träger, und in Russland sind mehrere Projekte in Arbeit – auch wenn noch nicht feststeht mit welcher Trägerrakete das noch namenlose neue Raumschiff gestartet werden soll.

Die neue Mittelklasserakete Sojus-5, intern teilweise Irtysch genannt, hat in diesem Jahr ihren Erstflug absolviert. Als Nächstes ist die Amur-SPG an der Reihe. Der Hersteller RKZ "Progress" hat die Entwurfsphase nach eigenen Angaben abgeschlossen und arbeitet jetzt an der Hardware.

Erster Teststart der Sojus-5, Ende April 2026.
Roskosmos

Die Rakete fliegt mit verflüssigtem Erdgas, also im Kern mit Methan, und soll 2031 erstmals starten. Ihre erste Stufe soll landen und mindestens zehnmal, langfristig bis zu 50-mal wiederverwendet werden.

Gestartet werden soll die Amur in Wostotschny, wo ein eigener, einfach gehaltener Startkomplex entsteht, ohne Wartungstürme und unterirdische Anlagen wie bei der Angara. Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow sagte, die Planung habe begonnen. Die erste Stufe könnte später auch als Seitenbooster für die geplante Schwerlastrakete Jenissei dienen.