Amur-SPG/Sojus-7: Entwurf für neue russische Raketenfamilie ist fertig

Amur-SPG/Sojus-7
Russland arbeitet an Hardware für Methanrakete

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.08.2026
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Foto: Roskosmos

Nachdem in diesem Jahr endlich die Sojus-5 ihren Erstflug erfolgreich gemeistert hat, ist in Russland schon die nächste Raketenfamilie auf dem Weg.

Das russische Raumfahrtunternehmen RKZ "Progress" hat die Entwurfsphase für seine neue Trägerrakete der mittleren Klasse, die Amur-SPG, nach eigenen Angaben vollständig abgeschlossen.

Man arbeite nun konkret an der Hardware, wie der amtierende Generaldirektor des Unternehmens, Leonid Michailenko, mitteilte. 2031 soll die Rakete das erste Mal fliegen. Damit bleiben gut fünf Jahre zum Bau eines Prototyps und zum Durchführen aller nötigen Tests.

Neue Startanlage geplant

Die Rakete soll künftig vom Kosmodrom Wostotschny in der Oblast Amur starten. Für die neue Rakete soll dort ein eigener, "einfacher" Startkomplex entstehen. Auf aufwendige bauliche Elemente wie Seitenstützen, Wartungstürme oder unterirdische Anlagen, wie beim Startkomplex für die Angara-Familie, wird verzichtet.

Bereits im Juni hatte der russische Erste Vizepremierminister Denis Manturow angekündigt, dass zwei weitere sogenannte Wurftests mit experimentellen Modellen der Amur-SPG durchgeführt werden sollen. Diese Tests betreffen insbesondere die wiederverwendbare erste Stufe der Rakete.

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TsENKI JSC

Auch der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Bakanow, äußerte sich zuletzt zu dem Projekt. Auf der Plenarsitzung des ersten russischen Raumfahrtforums berichtete er, dass mit der Planung eines eigenen Startkomplexes für die Amur-SPG in Wostotschny begonnen worden sei.

Projekt läuft seit 2020

Vor sechs Jahren schlossen Roskosmos und RKZ "Progress" einen Vertrag über die Ausarbeitung eines Vorentwurfs für ein Raketensystem, der eine methanbetriebene, wiederverwendbare erste Stufe vorsah.

Das Vorhaben geht auf ein internes Projekt des damaligen "ZSKB-Progress" aus dem Jahr 2013 zurück, das zunächst unter dem Namen Sojus-5 firmierte – eine zweistufige Trägerrakete mit Flüssigerdgas als Treibstoffkomponente. 2017 musste das Unternehmen den Namen für ein anderes Projekt – die heutige Sojus-5 – abtreten und benannte die Methanrakete daraufhin in Sojus-7 um.

Seit 2020 heißt die Rakete offiziell Amur-SPG. SPG steht für die russische Abkürzung für verflüssigtes Erdgas (Schischenny prirodny gas).

Alle neuen russischen Raketenfamilien, wie Angara und Amur, sind nach den größten Flüssen des Landes benannt – deswegen heißt die jetzige Sojus-5 eigentlich Irtysch.

Methanantrieb und Wiederverwendbarkeit

Angetrieben werden soll sie von fünf Methantriebwerken RD-0169A auf der ersten Stufe sowie einem einzelnen RD-0169-Triebwerk auf der zweiten Stufe. Beide nutzen verflüssigtes Erdgas als Brennstoff und flüssigen Sauerstoff als Oxidator.

Als Nutzlast auf eine niedrige Erdumlaufbahn werden bis zu 12,5 Tonnen angegeben. Eine Steigerung auf bis zu 17 Tonnen soll laut Roskosmos perspektivisch möglich sein. Die erste Stufe könnte künftig auch als Seitenbooster für die geplante Schwerlastrakete Jenissei dienen.

Nach dem Abtrennen soll sie durch ein zweites Zünden ihres Zentraltriebwerks abgebremst werden, zu einer Landeplattform navigieren und dort auf ausfahrbaren Landebeinen sanft aufsetzen.

Der Rücktransport der gelandeten Stufe zum Kosmodrom soll wahlweise per Schwerlasthubschrauber Mi-26 oder auf der Schiene erfolgen. Nach Angaben verantwortlicher Ingenieure soll die erste Stufe ursprünglich für mindestens zehn, perspektivisch sogar bis zu 50 Wiederverwendungen ausgelegt werden.