Chinas Pläne für den Mond: Auf der Suche nach Wasser

Auf der Suche nach Wasser
Chinas Pläne für den Mond

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.05.2026
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Landeplatz von Chang'e-6 auf der Rückseite des Mondes.
Foto: CNSA/CLEP

China macht es internationalen Beobachtern nicht so einfach wie die USA, wenn es darum geht, die geplanten Mondmissionen zu überblicken. Die NASA verfolgt in Teilen das Werbeprogramm des ersten Wettlaufs ins All mit der Sowjetunion: ambitionierte Ziele und noch ambitioniertere Zeitpläne.

Ambitionierte Ziele hat auch China, allerdings wird dafür international weniger die Werbetrommel gerührt. Innerhalb des Landes wird die Langfristigkeit der Raumfahrtbemühungen hervorgehoben und weniger auf schnell erreichbare Etappenziele abgestellt.

Erfolgreiche Aufholjagd

Trotzdem sollen bis 2030 die ersten Menschen aus China auf dem Mond landen – ganz ähnlich wie es die NASA plant. Bis dahin ist noch einiges zu tun, aber Peking hat in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass in kurzer Zeit viel geschafft werden kann.

Nach dem Ende des Wettlaufs ins All gab es für die aufstrebende Supermacht eine große Lücke zu schließen. Vor 23 Jahren war zum ersten Mal ein Chinese im Weltraum. Yang Liweis Raumflug dauerte knapp 21 Stunden, bis er wieder in der Inneren Mongolei landete. Seitdem wurden die Fähigkeiten kontinuierlich ausgebaut.

2008 gab es den ersten chinesischen Raumspaziergang und einige Jahre später das erste Rendezvous im All. Seit 2021 betreibt China die permanent bemannte Raumstation Tiangong. Die USA hatten 2011 Chinas Teilnahme an der Internationalen Raumstation blockiert.

Parallel zu diesen Durchbrüchen baute die China Manned Space Agency (CMSA), die in China das bemannte Raumfahrtprogramm verwaltet, das Mondprogramm aus. Das chinesische Mondforschungsprogramm heißt Chang'e, benannt nach der chinesischen Mondgöttin.

Für Chang’e-1 umkreiste 2007 erstmals ein chinesischer Orbiter den Mond. 2009 landete China zum ersten Mal auf dem Erdtrabanten. Damit war die Lücke zu den USA und der Sowjetunion innerhalb weniger Jahre fast geschlossen. Mit Chang'e-4 erreichte das Mondprogramm sogar einen internationalen Meilenstein, als zum ersten Mal ein Raumfahrzeug auf der Mondrückseite landete. Bisher hat das nur China geschafft.

Im Dezember 2020 brachte Chang’e‑5 knapp 1,8 Kilogramm Mondgesteinsproben zurück zur Erde. Mit Chang'e-6 folgten weitere Proben von der Mondrückseite.

Auf zum Südpol

Noch in diesem Jahr soll Chang'e-7 den Südpol des Mondes erkunden. Die Schwerlastrakete Langer Marsch 5 soll wie bei früheren Missionen von Wenchang aus starten und eine Sonde zum Mond bringen. Im August soll es losgehen, wenn alles nach Plan läuft. An Bord befinden sich ein Orbiter, Lander und ein Rover sowie Instrumente aus sieben Ländern; auch aus den USA und Russland.

Die Trägerrakete Langer Marsch-7 hebt vom Satellitenstartzentrum Wenchang ab.
CMS

Nach der Ankunft im Mondorbit wird Chang'e-7 nicht sofort landen. Rund 90 Tage lang wird die Sonde in einer polaren Umlaufbahn verbleiben, um die Zielregion zu kartieren. Kameras und Radar des Orbiters fotografieren bei jedem Überflug die Umgebung. Erst wenn die Bedingungen als sicher eingestuft werden, trennt sich der Lander vom Orbiter und landet.

Chang'e-7 soll Wassereis nachweisen, das Wissenschaftler in der Shackleton-Region in erheblichen Mengen vermuten. Der Missionstakt ist eng, denn schon 2028 soll Chang'e-8 folgen. Diese Mission soll prüfen, mit welchen Technologien sich die Ressourcen des Mondes nutzen lassen.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen direkt in die Planung bemannter chinesischer Mondlandungen einfließen, die ab spätestens 2030 folgen sollen. Langfristig ist das Ziel, permanente Standorte auf dem Erdtrabanten zu etablieren, die wirtschaftlich und wissenschaftlich genutzt werden.