Nach einen missglückten bemannten Testflug zur Internationalen Raumstation ISS Mitte 2024 arbeiten Boeing und die NASA daran, die technischen Probleme der CST-100-Starliner-Kapsel auszumerzen. Und die NASA will die Zusammenarbeit mit Boeing beim Starliner sogar ausbauen. Das gab die US-Raumfahrtbehörde am 28. September bekannt.
Die NASA übt ihre Optionen für einen fünften und sechsten Flug mit der Boeing-Kapsel CST-100 Starliner aus und will gemeinsam mit Boeing und der United Launch Alliance (ULA) daran arbeiten, den Starliner für Flüge mit der Vulcan-Trägerrakete zu zertifizieren. Der Starliner wurde für Starts mit der Atlas 5 entwickelt. Von dieser Trägerrakete gibt es jedoch nur noch sechs Exemplare, die alle für Starliner-Missionen reserviert sind.
Um den Starliner auf die Wiederaufnahme bemannter Flüge vorzubereiten, kündigte die NASA eine Vertragsänderung in Höhe von 359 Millionen US-Dollar an ihrem bestehenden Vertrag mit Boeing im Rahmen des Programms "Commercial Crew Transportation Capability" (CCtCap) an. Der Starliner ist seit dem ersten bemannten Testflug (Crewed Flight Test, CFT) zur ISS, von der er wegen Sicherheitsbedenken ohne Astronauten zurückkehrte, nicht mehr geflogen. Damals gab es unter anderem Probleme mit dem Antrieb. Bereits bei zwei vorherigen unbemannten Testflügen hatte es technische Schwierigkeiten gegeben.
Zusätzliche Arbeiten für bemannte Flüge
Boeing hat nach eigenen Angaben 19 von 21 Anomalien des CFT abgearbeitet. Die restlichen beiden Probleme sollen noch im Oktober gelöst werden. Allerdings würden einige der ergriffenen Maßnahmen einen Testflug erfordern. Die unbemannte Mission Starliner-1 soll im Dezember 2026 oder Januar 2027 starten. Die Kapsel, die dort zum Einsatz kommt, verfügt über einige Änderungen an den Schubdüsen des Reaktionskontrollsystems (RCS), wie beispielsweise Schilde zur Verhinderung von Überhitzung.
John Mulholland, Vice President und Commercial-Crew-Programm-Manager bei Boeing, sagte bei einer Pressekonferenz, die NASA und Boeing hätten sich darauf geeinigt, zusätzliche Arbeiten durchzuführen, die eine Vertragsänderung erforderlich machten. Dazu gehören der Austausch von Ventilen in den Triebwerken des Starliner-Crewmoduls sowie die Neukonstruktion eines Ventils, das in den Triebwerken des Reaktionskontrollsystems zum Einsatz kommt. Um die Zuverlässigkeit und die Sicherheitsmargen der Kapsel zu erhöhen, erhält es zudem neue Batterien, verstärkte Nähte an den Fallschirmen sowie einen neuen Datenrekorder.
Diese zusätzlichen Arbeiten seien nötig, bevor der Starliner für bemannte Flüge zugelassen wird, so die NASA. Der erste bemannte Flug, Starliner-2, ist entsprechend nicht vor 2028 geplant.
SpaceX will Crew Dragon ausmustern
"Die NASA setzt sich seit Beginn des Commercial Crew-Programms dafür ein, über mehrere Optionen für den Transport der Besatzung zu verfügen. Wir haben eng mit Boeing zusammengearbeitet, um die bei früheren Starliner-Flügen festgestellten Probleme zu beheben, und wir beabsichtigen, dieses Raumfahrzeug wieder in den Flugbetrieb zu bringen, um die Internationale Raumstation und künftige kommerzielle Ziele zu unterstützen", so der NASA-Administrator Jared Isaacman.
Im Februar hatte die NASA den Bericht eines unabhängigen Programmuntersuchungsteams zum verhunzten CFT veröffentlicht. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, dass nicht nur technische Probleme zu dem mittlerweile als "Type A Mishap" eingeordneten Zwischenfall geführt haben, sondern auch organisatorische Mängel.
Die NASA-Unterstützung für den Boeing Starliner kommt nicht von ungefähr. SpaceX plant Medienberichten zufolge, Flüge mit der Falcon 9 und der Crew-Dragon-Kapsel in den kommenden Jahren einzustellen. Zwar hat die NASA SpaceX am 18. September mit drei weiteren ISS-Missionen beauftragt (Flüge bis einschließlich der Mission "Crew-17"). Allerdings räumt die Raumfahrtbehörde ein, dass sie sich auf eine Zukunft ohne Dragon-Kapsel vorbereiten müsse.





