ESA/S. Corvaja

Russland stoppt Sojus-Starts in Kourou

Krieg in der Ukraine Russland stoppt Sojus-Starts in Kourou

Roskosmos setzt die Kooperation mit Europa bei Sojus-Flügen von Französisch-Guayana aus.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat am Samstag angekündigt, dass als Reaktion auf die EU-Sanktionen gegen Russland die Zusammenarbeit mit europäischen Partner bei der Organisation von Raketenstarts vom Weltraumbahnhof Kourou aus eingestellt wird. Das in Französisch-Guayana stationierte russische Personal, 87 Mitarbeiter, würde abgezogen. Durch die russisch-europäische Zusammenarbeit hatte Arianespace seit 2011 die Möglichkeit, ihr Trägerraketen-Portfolio um die mittelschwere Sojus ST-B zu ergänzen.

Diese Maßnahme wird unter anderem zu Verzögerungen beim Start von zwei Galileo-Satelliten führen, der für April geplant war. Thierry Breton, EU-Kommissar für Raumfahrt, sagte in einem Statement am Samstag: "Ich bestätige, das diese Entscheidung keine Konsequenzen auf die Kontinuität und Qualität von Galileo- und Copernicus-Dienstan hat. Die Entscheidung beeinträchtigt auch nicht die weitere Entwicklung dieser Infrastrukturen." Weitere Sojus-Starts mit Nutzlasten europäischer Institutionen waren für 2023 geplant: die EarthCARE- und Euclid-Missionen der ESA und der CSO-3-Aufklärungssatellit der französischen Regierung.

Am Montag hatte es ein Krisentreffen der ESA und ihrer 22 Mitgliedsstaaten gegeben. Danach wurde mitgeteilt, dass man für jede europäische Nutzlast unter ESA-Verantwortung eine passende Alternative prüfe, vor allem auf der Basis der derzeit im Einsatz befindlichen Trägerraketen Ariane 5 und Vega sowie der künftigen System Ariane 6 und Vega-C.

Was passiert mit ExoMars?

Europa arbeitet mit Russland auch bei weiteren Raumfahrt-Projekten zusammen, darunter die Mars-Mission ExoMars, die eigentlich im Herbst starten soll. ESA-Direkter Josef Aschbacher hatte noch am Freitag getwittert: "Ungeachtet des aktuellen Konflikts bleibt die zivile Weltraumkooperation eine Brücke. Die ESA arbeitet weiterhin an allen ihren Programmen, einschließlich der ISS- und ExoMars-Startkampagne, um den Verpflichtungen gegenüber den Mitgliedstaaten und Partnern nachzukommen. Wir beobachten weiterhin die Entwicklung der Situation." Nach dem Krisentreffen der ESA hieß es jedoch, dass ein Start von ExoMars aufgrund der Sanktionen und des Gesamtkontexts in diesem Jahr höchst unwahrscheinlich sei.

Als Antwort auf US-Sanktionen hatte Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin bereits am Donnerstag vor möglichen Konsequenzen für die Raumfahrt gewarnt. Vielleicht wisse US-Präsident Biden nicht, wer für die Korrekturen der Umlaufbahn der Internationalen Raumstation ISS zuständig sei. "Wenn Sie die Zusammenarbeit mit uns blockieren, wer wird die ISS vor einem Absturz auf das Gebiet der USA oder Europa schützen?", drohte er auf Twitter.

Auslaufmodell RD-180

Bei früheren Krisen zwischen Russland und dem Westen war versucht worden, die internationale Kooperation bei der ISS außen vor zu lassen. Dennoch haben die USA, nicht zuletzt seit der Annexion der Krim 2014, Entwicklungen in die Wege geleitet, um sich von Russland in Sachen Raumfahrt unabhängiger zu machen: mit eigenen Raumschiffen, die Astronauten zur ISS bringen sowie neuentwickelten Raketentriebwerken.

Die Atlas-5-Rakete von ULA (Joint Venture von Boeing und Lockheed Martin) fliegt mit russischen RD-180-Triebwerken von NPO Energomash. Alle nötigen RD-180 für die letzten 25 Missionen seien sicher gelagert im Werk in Decatur, Alabama, ließ ULA verlauten. Ersetzt werden soll die Atlas 5 von der Vulcan-Centaur-Trägerrakete, deren erste Stufe zwei BE-4-Triebwerken von Blue Origin verwendet. Sie soll 2022 erstmals starten.

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