Themis-Demonstrator: Europas wiederverwendbare Raketenstufe nähert sich dem ersten Hüpfer

Erfolgreiche Generalprobe
Europas wiederverwendbare Raketenstufe nähert sich dem ersten Hüpfer

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.07.2026
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Europas wiederverwendbare Raketenstufe nähert sich dem ersten Hüpfer
Foto: Mattias Forsberg/SSC Space

Im Raumfahrtzentrum Esrange in Schweden wurde die Startchronologie des Themis-Demonstrators für eine wiederverwendbare Raketenstufe erfolgreich simuliert. Diese als Wet Dress Rehearsal bezeichnete Generalprobe vor einem Raketenstart fand bereits am 23. Juli statt, wie ArianeGroup am 30. Juli mitteilte. Dabei werden die Vorbereitungen bis kurz vor dem eigentlichen Abheben simuliert. Ein Wet Dress Rehearsal ist ein wichtiger Meilenstein vor dem ersten sogenannten "Hop Test", bei dem die Themis-Stufe auf eine niedrige Höhe von bis zu 100 Meter aufsteigen und in einem 20 x 20 Meter großen Feld wieder landen soll.

Der Wet Dress Rehearsal diente nach Angaben des deutsch-französischen Raumfahrtunternehmens dazu, die Arbeitsschritte für den Start unter kryogenen Bedingungen durchzuspielen. "Dazu gehören die Konditionierung des Demonstrators und seiner Startrampe sowie die Passivierung des Systems, die nach der auf den Flug folgenden Bergung vorgenommen wird", so ArianeGroup in einer Pressemitteilung. Nach der Landung sollen Roboter Leitungen an die Stufe anschließen, um übrigen Treibstoff abzupumpen, um die Gefahr für Stufe und Landeplatz zu minimieren.

Simulation mit flüssigem Stickstoff

Der Themis-Prototyp kam Ende Juni 2025 in Esrange an. Der 28 Meter hohe Demonstrator hat einen Durchmesser von 3,5 Metern und wurde von ArianeGroup in Les Mureax entwickelt und gebaut. Als Antrieb der experimentellen Raketenstufe kommt ein wiederverwendbares Prometheus-Triebwerk von ArianeGroup zum Einsatz. Prometheus ist in der Schubklasse von 120 Tonnen (rund 1177 kN und damit stärker als das aktuelle Vulcain-2.1-Haupttriebwerk der Ariane 6) angesiedelt, kann mehrfach gezündet werden und ist drosselbar. Das Triebwerk wird mit flüssigem Methan und flüssigem Sauerstoff betrieben. Es soll die Hauptstufen künftiger europäischer Schwerlastraketen antreiben.

Für den simulierten Start von Themis nutzte ArianeGroup jedoch nicht flüssigen Sauerstoff und flüssiges Methan als Treibstoff. Stattdessen floss flüssiger Stickstoff durch die Kryoleitungen und in die Tanks. Dadurch habe man während des Tests kryogene Temperatur- und Druckbedingungen von bis zu -200 Grad Celsius simulieren können. Der Wet Dress Rehearsal dauerte einen ganzen Tag und umfasste den Countdown sowie die Maßnahmen zur Sicherung des Startplatzes nach dem simulierten Start.

Wann findet der erste Hüpfer statt?

Man habe mit diesem Test grundlegende Daten für die Fortsetzung des SALTO-Projekts (reuSable strAtegic space Launcher Technologies & Operations) und der dazugehörigen Testkampagne sammeln können, so ArianeGroup. "Die Teams arbeiten nun an der Festlegung eines Zeitfensters für den nächsten Test", heißt es in der Pressemitteilung. Wann der erste Hop-Test zu erwarten ist, sagte ArianeGroup nicht.

SALTO wird von ArianeGroup koordiniert und mit 25 Partnern aus zwölf EU-Ländern durchgeführt. Ziel ist es, einen Hop-Test mit dem Themis-Demonstrator durchzuführen, aber auch Technologien für künftige wiederverwendbare Trägerraketen weiterzuentwickeln und zu validieren. SALTO wird von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizonte Europa finanziell gefördert.

Die ersten Hop-Tests finden im Esrange Space Center in Schweden statt. Eine zweite Testkampagne ist nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Kiruna, Schweden geplant. Von dort aus soll Themis höher fliegen – auf bis zu 20 Kilometer – und währenddessen auch das Prometheus-Triebwerk aus- und anschalten.