Der Space Rider wird das erste wiederverwendbare Raumfahrzeug Europas. Er soll mit einer Vega-C-Rakete starten, als robotisches Labor bis zu zwei Monate unbemannt im niedrigen Erdorbit verweilen können und schließlich zur Erde zurückkehren. Allerdings wird der Space Rider nicht wie ein Flugzeug landen, sondern an einem Gleitschirm gezielt auf einer Landebahn niedergehen. Der Erstflug des Space Rider ist für 2028 geplant.

Der Space Rider soll bis zu 800 Kilogramm Nutzlasten mitnehmen können. Anwendungsfelder sind Forschung in der Mikorgraviation sowie In-Orbit-Demonstrationen von neuen Technologien in den Bereichen Erdbeobachtung, Telekommunikation und Robotik.
Da bislang nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur ESA kein im Betrieb befindliches Raumfahrzeug für diese Landetechnik entwickelt wurde, sind umfangreiche Tests nötig, darunter auch Abwurftests von einem Hubschrauber. Vereinfachte Modelle des Space Rider haben in den vergangenen zwei Jahren bereits Drop Tests aus niedrigeren Höhen absolviert. Nun wurde aber das erste originalgroße Modell fertiggestellt, das von einem Helikopter aus bis zu 3000 Metern Höhe über dem Testgelände Salto di Quirra in Sardinien abgeworfen werden soll. Mehrere solcher Tests sollen dieses Jahr durchgeführt werden.
Gigantischer Gleitschirm
Gebaut wurde das Testmodell im rumänischen Craiova vom Nationalen Institut für Luftfahrtforschung "Elie Carafoli". Beim italienischen Luftfahrtforschungszentrum CIRA in Capua wurde Mitte März die Avionik installiert. Dazu gehört der Computer, auf dem die Leit-, Navigations- und Steuerungssysteme laufen, die den riesigen Gleitschirm steuern und an die jeweiligen Wind- und Böenverhältnisse anpassen. Das CIRA ist nach Angaben der ESA zuständig für Design, Integration und Durchführung der Abwurftests. Hauptauftragnehmer des Space-Rider-Programms sind Avio und Thales Alenia Space (Italien).
Das Space-Rider-Wiedereintrittsmodul ist 4,6 Meter lang und verfügt über Landekufen. Das Fahrwerk ist beim Testmodell, anders als beim echten Space Rider, permanent ausgefahren. Für die Tests wurde der 27 x 10 Meter große Gleitschirm zusammengefaltet und eingebaut. Er ist rund zehn Mal so groß wie ein Gleitschirm für einen Menschen, muss aber auch die 2950 Kilogramm des Space Riders sanft zur Erde bringen.
Kritisches Fallschirm-Packen
Der Space Rider verfügt über mehrere Fallschirme, die nacheinander ausgelöst werden, um Geschwindigkeit abzubauen und sicher zu landen: einen runden Bremsfallschirm, der sich knapp unterhalb der Schallgeschwindigkeit öffnet und für die erste Bremsphase sorgt, sowie einen Pilotfallschirm, der in etwa fünf Kilometern Höhe den großen Gleitschirm auslöst. Der Gleitschirm wiederum soll für eine präzise Landung sorgen.
Das Falten und Integrieren Fallschirme dauerte nach Angaben der ESA drei Wochen. Dafür wurde eine eigens dafür entwickelte Maschine genutzt, die Fallschirme und Gleitschirm zusammenpackt und presst. Das richtige Packen ist essenziell – wenn die Entfaltung des Gleitschirms nicht funktioniert, fällt der Space Rider wie ein Stein zur Erde. Gesteuert wird der Gleitschirm von zwei Winden, die von der Avionik des Raumfahrzeugs kontrolliert werden.





