Mit der Breezer Sport hat Breezer Aircraft aus Bredstedt in Norddeutschland ein schnittiges UL etabliert. Doch der Markt der Ultraleichtflugzeuge ist gesättigt, und dazu noch hart umkämpft. Wie also kann es gelingen, auf der Basis des Erreichten neue Märkte zu erschließen?
Diese Frage stellte sich das Management von Breezer Aircraft um Geschäftsführer Henning Boysen – und fand die Antwort 2025 in der Kooperation mit Drohnenbauer Avilus aus Ismaning. Aus diesem "perfect fit", wie Breezer-CTO Henning Boysen es ausdrückt, entstand auf Grundlage der Breezer Sport eine Aufklärungs- Kampf- und Überwachungsdrohne, die den größeren, aber auch sehr viel teureren Pendants wie Heron TP oder Global Hawk Konkurrenz machen soll. Eine "steuerzahlerfreundliche Alternative" mit vergleichbaren Fähigkeiten, wie Boysen es formuliert.
Die unbemannte Militär-Breezer hört auf den Namen Bussard und feiert bei der aktuellen Auflage der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen ihre Publikumspremiere. Geflogen ist der graue Greifvogel noch nicht. Aber das soll sich bald ändern. "Wir sind schon ziemlich weit", zeigt sich Breezer-Mann Boysen optimistisch.

Der Breezer Bussard basiert auf dem UL Breezer Sport, das in Bredstedt derzeit im Manufakturbetrieb gefertigt wird.
Sprit für bis zu 14 Stunden Flug
Die Breezer Sport ist laut Boysen, nicht zuletzt dank ihres maximalen Abfluggewichts von 600 Kilogramm, als Plattform für militärische Zwecke vielseitig nutzbar. Die Grundstruktur aus Aluminium erlaube rasche Modifikationen, das Grund-Design sei ausgiebig erprobt und habe sich bewährt.
Der gemeinsam mit Avilus entwickelte Bussard soll bis zu 800 Kilogramm Startmasse erreichen – für bemannte ULs definierte Gewichtsbeschränkungen entfallen.
Statt des Cockpits verbaut Breezer in der neuen Drohne unter anderem einen zusätzlichen Rumpftank, der 130 Liter Fassungsvermögen besitzt. Zusammen mit den beiden aus der Breezer Sport übernommenen 60-Liter-Flügeltanks kann der Bussard damit, im Vergleich mit dem UL-Muster, mehr als die doppelte Menge Sprit aufnehmen (250 statt 120 Liter). Das soll, je nach Missionsprofil, für eine Flugdauer von bis zu 14 Stunden reichen. Die Nutzlast beträgt 150 Kilogramm.

Als Antrieb des Bussard dient zunächst ein Rotax 916 iS mit 160 PS, aber auch eine Turbinenversion will Breezer anbieten.
Rotax-Motor mit 160 PS, Turbine als Option
Für den Antrieb sorgt im Bussard-Erstling, wie in der Ultraleicht-Topversion, ein Rotax 916 iS-Kolbenmotor mit 160 PS. Ein Upgrade auf Turboprop hat Breezer zwar im Auge, doch auch mit dem Rotax erwarten die Bredstedter hervorragende Flugleistungen, mit 290 km/h Höchstgeschwindigkeit, Steigraten von 1900 Fuß (580 Meter) pro Minute und Dienstgipfelhöhen von bis zu 30.000 Fuß (9144 Meter).
"Damit wären wir nicht so weit weg von Heron TP oder Global Hawk", betont Henning Boysen. Fürs Erste hat der Breezer Bussard allerdings "nur" 25.000 Fuß (7600 Meter) im offiziellen Datenblatt stehen.

Eines der zentralen Systeme des Bussard ist das PrecISR-Radar von Hensoldt mit AESA-Technologie und 370 Kilometer Reichweite.
Alles "made in Germany"
Besonderen Wert legt Breezer darauf, dass alle Komponenten des Bussard aus Deutschland stammen – nicht nur die Zelle und der Motor, sondern vor allem auch Radartechnik, Missionsausrüstung und Sensorik. So liefert Hensoldt das PrecISR 1000-Radar, das in einem zylindrischen Behälter unter dem Rumpf residiert und bis zu 370 Kilometer weit reicht. Ebenfalls von Hensoldt kommt der elektrooptische Sensor Argos 15 mit Infrarotkamera.
Die Navigation erfolgt kombiniert mittels Satellitenunterstützung und INS (Trägheitsnavigation), um möglichst wenig anfällig für gegnerische Störversuche zu bleiben. Herzstück des Bussard ist das Avioniksystem Rascore Air von Avilus.
Für den Selbstschutz hat Breezer Infrarotsensoren und Flares an Bord.

Flares und Infrarotsensoren sind als Selbstschutzsysteme eingeplant.
Highend-Drohne in MiG-21-Größe
Neben der technologischen Unabhängigkeit vom Ausland sieht Breezer vor allem die kompakten Dimensionen, die vergleichsweise einfache Ausführung und die überschaubare Kostenstruktur des Bussard als entscheidende Pluspunkte. Die Drohne sei schlichtweg "ein ehrliches Produkt" für Aufklärung, Überwachung und Luftnahunterstützung, so Breezer-CTO Boysen.
"Wir montieren Highend-Sensoren auf eine kleine, günstige, bewährte Plattform", führt Boysen weiter aus. Das gesamte Bussard-System inklusive Bodeneinheit passe in einen einzigen 20-Fuß-Container. "Im Einsatz lässt sich unser Bussard in einem kleinen Hangar in MiG-21-Größe verstauen. Das System ist flexibel nutzbar, braucht wenig Wartung und keine großen Teams, was es besonders effizient und vielseitig macht."
Dass der Breezer Bussard, im Vergleich zur Heron TP und anderen großen Drohnen keine 30 Stunden Einsatzdauer erreicht, sieht der Breezer-Manager nicht als Problem an – im Gegenteil. "30 Stunden Flugdauer sind gar nicht notwendig, weil unser Produkt so viel günstiger ist, dass man einfach viel größere Stückzahlen kaufen kann."

Mit nicht ganz acht Metern Spannweite benötigt der Bussard keine großen Hangars und ist auch sonst auf wenig Infrastruktur am Boden angewiesen.
Rolltests und Flugversuche
Ganz so weit ist Breezer mit seinem unbemannten Greifvogel noch nicht. In Kürze stehen laut Hersteller erst einmal Rollversuche an, bevor dann – möglichst rasch – der Erstflug folgen soll. Das Ziel für die nächsten Monate haben Henning Boysen und seine Kollegen aber klar vor Augen: "Wir wollen schnell in die Luft!"





