Aeroflot setzt auf die Jakowlew MS‑21‑310. Nicht ganz freiwillig, denn Alternativen gibt es keine auf dem Markt, schließlich kann Russlands Airline-Aushängeschild aus bekannten Gründen nicht einfach neue Airbus A320neo kaufen. Aber mit dem russischen Passagierjet, der noch immer in der Flugerprobung steckt, bleibt Aeroflot immerhin ihrer Tradition treu, aus dem Inland stammende Flugzeuge nur fabrikneu zu übernehmen. Das betonte zumindest Airline-Chef Sergej Alexandrowski im Rahmen der Vertragsunterzeichnung am 18. September auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo, bei der sogar Staatspräsident Wladimir Putin per Video zugeschaltet war.
Aeroflot wird die 90 MS-21-310 laut Vertrag vom russischen Unternehmen Aviakapital Service für 22 Jahre leasen – einschließlich Kundendienst und Simulatoren fürs Pilotentraining. Das staatliche Flugzeugbau-Konsortium UAC (OAK) zeichnet demnach für die komplette Flugzeugwartung verantwortlich.
Als Lieferdatum haben die Vertragsparteien, zu denen auch die Triebwerksbaugesellschaft UEC (ODK) gehört, den Zeitraum von 2029 bis 2032 festgelegt.
Zweite Bestellung von Aeroflot
Wie die 90 MS-21 in der Aeroflot-Gruppe aufgeteilt werden, zu der neben der Stamm-Airline auch die Töchter Rossija und Pobeda gehören, bleibt offiziell vorerst unklar. Aeroflot hatte bereits 2023 eine Festbestellung für 18 MS-21-310 unterzeichnet, von denen zumindest die ersten Exemplare bei Rossija unterkommen sollen. Insgesamt beläuft sich der Auftragsbestand seitens der Aeroflot-Gruppe damit auf nunmehr 108 Exemplare des russischen Hoffnungsträgers.
Die Flugzeuge aus dem ersten Los sollen bereits ab dem vierten Quartal 2027 in Dienst gehen. Ob das allerdings klappt, bleibt weiter unklar, denn die MS-21-310 steckt nach wie vor mitten in der Flugerprobung und die Fristen für die avisierte Musterzulassung hatten sich zuletzt weiter verschoben.

Wie viele von der Aeroflot-Gruppe bestellte MS-21-310 tatsächlich den Look der Mutter-Airline tragen werden, bleibt vorerst offen. Die ersten Maschinen gehen jedenfalls an die Tochter Rossija.
So plant Aeroflot mit der MS-21
Nach aktuellem Stand rechnet UAC damit, die Papiere für die mehr oder weniger komplett aus russischen Komponenten bestehende Version der ursprünglich stark von West-Zulieferern abhängigen MS-21-300 bis Mitte 2027 in den Händen zu halten.
Davon ausgehend kalkuliert Aeroflot derzeit mit der Übernahme von acht MS-21-310 bis Ende 2027, während die restlichen zehn Flugzeuge aus der ersten Order im Folgejahr aus dem Werk rollen sollen.
Im Linienbetrieb wird Aeroflot ihr neues Muster zunächst vor allem auf Kurzstrecken wie Moskau – Sankt Petersburg und Moskau – Nischni Nowgorod einsetzen. Die Piloten für die ersten MS-21 hat die Fluggesellschaft bereits ausgewählt. Die Ausbildung von fliegendem und technischem Personal soll im kommenden Jahr starten.

Interieur in spe: So sollen die Business Class-Sitze der MS-21-310 bei der Aeroflot-Gruppe aussehen.
Funktioniert die Lieferkette?
Der für die Folgebestellung festgelegte Lieferzeitraum wird indes nur dann annähernd zu halten sein, wenn es den Verantwortlichen in Russland gelingt, die "russifizierte" MS-21 nicht nur zur Serienreife zu bringen, sondern auch die Serienproduktion auf ein entsprechendes Maß hochzufahren.
Dafür wiederum benötigt es neben einer entsprechend ausgestatteten Endmontagelinie in Irkutsk vor allem eine belastbare Lieferkette, in die etwa 200 Unternehmen aus ganz Russland mit neu entwickelten Produkten involviert sind.





