Über vier Jahre sind Aeroflot und alle anderen russischen Airlines nun schon vom direkten Draht zu den Flugzeugbauern Airbus und Boeing getrennt. Dennoch ist ein großer Teil der aus dem Westen stammenden Jets nach wie vor täglich im Dienst, und das bislang ohne einen schweren Zwischenfall oder gar Totalverlust.
Da einheimische Alternativen zu den West-Mustern weiter auf sich warten lassen, bleiben die russischen Carrier auf die Bestandsflotten angewiesen – und zumindest Aeroflot plant offiziell, auch nach 2030 im großen Stil mit Airbus A320, Boeing 737 und Co. zu fliegen.
Die Mehrheit der westlichen Flugzeuge, "zumindest die Schmalrumpfflotte", werde "im Prinzip auch 2030 und 2035 im Einsatz bleiben", unterstrich Andrej Napolnow, Leiter Investor Relations bei der Aeroflot-Gruppe, laut Interfax in einem Business-Webinar der russischen Sberbank.
Napolnow führte aus, dass Aeroflot angesichts des Durchschnittsalters der betreffenden Flugzeugflotte von 11 Jahren "über große Ressourcenreserven" verfüge. Allerdings wandte der Manager auch ein, "je weiter wir gehen, desto größer ist das Risiko, einige Flugzeuge außer Dienst zu stellen."

Die Aeroflot-Tochter Rossija setzt aktuell zwölf Boeing 737-800 (Foto) sowie zwei 737-900ER ein. Außerdem fliegt Rossija nach wie vor mit der Boeing 747-400 (derzeit drei aktiv).
Zehnjahresplan: 50 Prozent West-Flugzeuge
Die aktuelle Strategie der Aeroflot-Gruppe, zu der neben der Stamm-Airline auch die Töchter Rossija und Pobeda gehören, sieht laut Konzernchef Sergei Aleksandrowski vor, binnen zehn Jahren eine Flotte zu betreiben, die zu gleichen Teilen aus russischen und westlichen Flugzeugen besteht.
Derzeit besitzt die Gruppe nach eigenen Angaben 59 Großraumflugzeuge der Typen Airbus A330 und A350 sowie Boeing 747-400 und 777-300. Davon ist gemäß Daten aus Tracking-Portalen wie Flightradar24 etwa die Hälfte aktiv (darunter sechs von sieben A350-900).
Für die Kurz- und Mittelstrecke haben alle drei Konzern-Airlines zusammen 212 Standardrumpf-Airliner von Airbus und Boeing sowie 78 in Russland gefertigte Superjet 100 der ersten Generation (mit West-Komponenten) im Repertoire. Darüber hinaus least Aeroflot vier weiter A330 samt besatzung von der russischen I-Fly aus Moskau.

34 Airbus A321 finden sich gegenwärtig im Aktivbestand von Aeroflot. Dazu kommen 50 A320ceo und drei A320neo.
Einsatz "so lange wie möglich"
Die intern veranschlagte Nutzungsdauer für die einzelnen Typen variiert laut Investor-Relations-Chef Napolnow stark. Derzeit werde beispielsweise die Frage diskutiert, die im Joint-Venture mit Safran produzierten SaM-146-Triebwerke der Superjets perspektivisch durch rein russische PD-8 zu ersetzen. Hinsichtlich der im Bestand befindlichen A320/A321 und 737 verfüge die Gruppe allerdings über "enorme Ressourcen", so Napolnow.
Durch den langjährigen Einsatz mit den genannten Mustern habe Aeroflot außerdem einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut. "Wir wissen, wie diese Flugzeuge gewartet werden, und planen, sie so lange wie möglich im Einsatz zu halten."





