Dass manche Passagierflugzeuge schon in jungen Jahren verschrottet werden, kommt immer wieder vor. Speziell Maschinen früher Produktionslose – die sogenannten "terrible teens" – sind davon betroffen, bringen sie doch manchmal Kinderkrankheiten mit, die erst bei später produzierten Exemplaren (mehr oder minder) auskuriert sind.
Dass ein fertig gebautes Flugzeug beim Zerleger endet, noch bevor es überhaupt je abhob, hat aber selbst unter "terrible teens" Seltenheitswert. Bei Boeing erwischte es in diesem Zuge eine 777-9 für Emirates – die siebte produzierte 777-9 insgesamt. Der Riesen-Twin mit der Seriennummer 61950 (WH007) war bereits im Sommer 2019 aus der Fertigung gerollt, stand sich im Anschluss bei Boeing in Everett aber jahrelang die Fahrwerksbeine in den Bauch – ohne Triebwerke, dafür mit vorbemalten Flügelenden, die den Golf-Carrier Emirates als designierten Betreiber verrieten.
In Emirates-Diensten hätte die 777-9 das Kennzeichen A6-EZT erhalten. Doch dazu kommt es nicht: Wie unter anderem das Portal "The Air Current" berichtete, hat Boeing die WH007 im vergangenen Jahr in aller Stille verschrottet.

Eine für Lufthansa bestimmte Boeing 777-9 startet in Everett zum Erstflug. Solch ein Bild wird es von der Emirates-Schwestermaschine mit dem geplanten Kennzeichen A6-EVT nicht geben.
"Nach Recycling-Standards" zerlegt
Boeing-Vorstandsmitglied Stephanie Pope, Chefin der Verkehrsflugzeugsparte Boeing Commercial Airplanes, bestätigte das "Schlachtfest" der jungfräulichen 777-9 am Sonntag im Vorfeld der Farnborough Airshow in London. Gegenüber Medienvertretern sagte sie, das Flugzeug sei nach "den Recycling-Standards der Industrie zerlegt" worden.
Die Entscheidung hierzu sei "vor einiger Zeit" gefallen und bereits in Boeings Finanzbericht eingeflossen, zitiert die Zeitung Seattle Times die Boeing-Managerin. Somit müsse der Konzern keine zusätzlichen Kosten für das verschrottete Flugzeug offenlegen.
Boeing muss 30 777-9 umbauen
Schon seit Längerem ist bekannt, dass Boeing an insgesamt rund 30 bereits produzierten 777-9 umfassende technische Modifikationen vornehmen muss, bevor sie – nach erfolgter Musterzulassung – an die entsprechenden Kunden übergeben werden können. Im April 2026 verriet Boeing-Chef Kelly Ortberg, man habe ein Team gebildet, das sich speziell mit der sogenannten "Change Incorporation" bei den auf Halde produzierten Großraumjets befasse.
Konkret geht es bei den Maßnahmen um technische Änderungen, die sich im Zuge des Zulassungsverfahrens und durch Änderungen der Konfigurationsstandards ergaben. Dieser Modifikationsprozess sei "ein Großprojekt" und werde "mehrere Jahre" dauern, sagte Ortberg damals.
Zumindest für die designierte A6-EVT führte die "Change Incorporation" allerdings zu einem jähen Ende. Ob darüber hinaus noch weitere bereits gebaute Boeing 777-9 zur Verschrottung anstehen, blieb vorerst unklar.





