Die russische Carbon-Antonow - TWS-2DTS soll auferstehen

TWS-2DTS aus Kohlefaser
Russland plant die Auferstehung der Carbon-An-2

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.08.2026
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Im Rückblick waren es vor allem zwei Kriterien, die eines der innovativsten Flugzeugprojekte Russlands vor nunmehr sechs Jahren zu Fall brachten. SibNIA, das Sibirische Forschungsinstitut für Luftfahrt, hatte mit der TWS-2DTS eine "Enkelin" der Antonow An-2 aus Kohlefaser und mit Turboprop-Antrieb als neues Passagier- und Frachtflugzeug für Kurzstrecken ins Spiel gebracht. Moderne Avionik inklusive Glascockpit, moderne Werkstoffe und ein moderner Antrieb – in Gestalt des Honeywell TPE331 aus den USA – sollten die Zukunft der russischen Regionalluftfahrt im spärlich ausgebauten Hinterland verkörpern.

Tatsächlich hätte die TWS-2DTS, deren Design sich unverkennbar an die Silhouette der legendären An-2 anlehnte, technisch allemal das Zeug gehabt, den "fliegenden Traktor", der bis heute in Russland im Einsatz ist, für die kommenden Jahrzehnte zu beerben. Mehrere Kaufabsichten lagen bereits vor, mit dem Flugzeugwerk Ulan-Ude war auch ein Montagestandort definiert.

Sanktionen auf Carbon-Importe und der Mangel, Kohlefaser-Komponenten für die Luftfahrt alternativ selbst herzustellen, schoben dem Projekt jedoch einen Riegel vor. Dazu kam der US-Motor, für den es ebenfalls kein standesgemäßes Pendant aus Russland gab.

SibNIA

Das "Baikal-Flugzeug" LMS-901

Folgerichtig zog die Politik der TWS-2DTS 2020 den Stecker – und favorisierte fortan den Entwurf LMS-901 "Baikal", eine Ganzmetall-Konstruktion alter Schule, die Ende Januar 2022 zunächst allerdings ebenfalls mit US-Turboprop (dem H80 von GE) abhob.

Inzwischen fliegt die LMS-901 mit russischem Antrieb und nutzt das bis zu 870 PS starke WK-800 von Klimow. Doch trotzdem stockt die Flugerprobung. Der Schulterdecker musste gründlich überarbeitet werden und wird unter anderem deshalb deutlich teurer als geplant – zudem kommt er auch sehr viel später auf den Markt. Regionale Politiker bezeichneten die LMS-901 frustriert als "Fehlkonstruktion" und kolportierten zeitweise sogar, das Programm werde beerdigt.

Dem ist offensichtlich nicht so, das für die LMS-901 verantwortliche Flugzeugwerk Ural (UZGA) in Jekaterinburg arbeitet weiter intensiv an dem Entwurf. Allerdings hat die russische Regierung in Moskau auch die TWS-2DTS wieder entdeckt – und ist allem Anschein nach gewillt, dem seit sechs Jahren auf Eis liegenden SibNIA-Projekt wieder Leben einzuhauchen.

Comeback der TWS-2DTS ist jetzt möglich

Denn inzwischen haben sich in Russland die Dinge geändert. In den vergangenen Jahren hat die russische Luftfahrtindustrie ihre Kompetenzen und Kapazitäten bei der Herstellung von Verbundwerkstoffen stark ausgebaut. So kommen die zuvor aus dem Ausland importierten Materialien für die Kohlefaser-Tragflächen des Passagierjets MS-21 inzwischen komplett aus einheimischer Produktion. Offenbar sieht man sich auf dem Gebiet ausreichend aufgestellt, um auch Carbon-Strukturen für den Serienbau eines Kleinflugzeugs à la TWS-2DTS zu fertigen.

Auf dem Bereich der Avionik ist man in Russland ebenfalls unabhängiger geworden. Und mit dem neuen Triebwerk WK-1600S, das laut Entwicklungsvertrag zwischen 1100 und 1450 PS liefern soll, hat Klimow wohl auch einen passenden Motor in der Pipeline – der das letzte fehlende Puzzlestück sein könnte, um die TWS-2DTS doch noch zur Serienreife zu bringen.

Die Kamow Ka-62 hat ihre russische Zulassung erhalten.
Russian Helicopters

Neues Triebwerk von Klimow

Das WK-1600S basiert auf dem Hubschrauber-Triebwerk WK-1600W, das die Kamow Ka-62 antreibt. Das Ministerium für Industrie und Handel sieht den neuen Motor nach eigenen Angaben als beste Option für eine Remotorisierung der Bestandsflotte aktiver An-2 – und betont in diesem Zuge ausdrücklich, dass das WK-1600S "in der An-2, der TWS-2DTS und anderen Kleinflugzeugen" zum Zuge kommen soll. Die "Interoperabilität mit dem Flugzeugtyp TWS-2DTS" müsse gewährleistet sein, heißt es im Vertragsdokument, das bereits im vergangenen Jahr verabschiedet wurde.

Russian Helicopters

Der Fahrplan für die "Carbon-An-2"

Allerdings wird es bis zur Serienreife des WK-1600W noch etwas dauern. Derzeit befindet sich Klimow Berichten zufolge noch in eher grundlegenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten und will im laufenden Jahr den ersten Prototyp auf einem Prüfstand am Boden testen. Für 2027 ist der Bau zweier weiterer Prototypen vorgesehen, die dann auch an einem fliegenden Prüfstand in der Luft erprobt werden sollen. Auch Langzeit-Lauftests sind für 2027 geplant.

Da die Übereinstimmung mit dem Hubschraubertriebwerk WK-1600W bis zu 65 Prozent betragen soll, rechnet Klimow nach eigener Auskunft damit, im Idealfall Ende 2027 eine Musterzulassung für das WK-1600W zu erhalten.

So könnte die "Carbon-An-2" TWS-2DTS nach Jahren des Stillstands mittelfristig wirklich ein Revival erleben.