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Die erste Irkut MS-21 im Airline-Kleid hat US-Triebwerke

Rossija-Jet mit Schönheitsfehler
Die erste MS-21 im Airline-Kleid hat US-Triebwerke

Russlands Flugzeugbau-Holding UAC zeigt die erste Irkut MS-21 im Farbkleid der Erstkundin Rossija Airlines. Rossija will damit Fluglehrer für die MS-21 ausbilden. Doch der frisch lackierte Jet hat einen Makel: er fliegt mit Pratt & Whitney-Getriebefans.

Die erste MS-21 im Airline-Kleid hat US-Triebwerke
Foto: Rossija Airlines

Nein, ein fertiges Serienexemplar ist das noch nicht: Die Aeroflot-Tochter Rossija ist zwar Launch Customer für die Irkut MS-21, aber bis sie tatsächlich ein serienreifes Flugzeug erhält, ziehen noch mindestens zwei Jahre ins Land. Im Dezember 2024 sollen die ersten sechs MS-21-310 aus der Massenproduktion an Rossija überstellt werden. So sieht es der neue Zeitplan für den russischen Airliner vor, der wegen westlicher Sanktionen gegen Russland stark gedehnt werden musste – steht man doch vor der großen Herausforderung, Bauteile und Systeme westlicher Zulieferer gegen heimische Analoga auszutauschen. Dieser Prozess läuft seit geraumer Zeit auf Hochtouren. Projektname: MS-21-310rus.

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Gut lackiert ist halb gewonnen: Hier erhält die dritte MS-21 gerade ihr neues Kleid. Künftig fliegt sie in Rossija-Farben.

Der dritte Prototyp

Das Flugzeug, das im Lackierhangar von UAC gerade das rot-graue Farbkleid von Rossija erhielt, ist keine MS-21-310rus. Im Gegenteil: Bei der Maschine, sie trägt das Kennzeichen 73054, handelt es sich um den dritten (fliegenden) Prototypen der MS-21 – und der besitzt noch nicht einmal Motoren aus Russland. Stattdessen ist er seit seiner Fertigstellung im März 2019 mit PW1400-Getriebefans des US-Branchenriesen Pratt & Whitney unterwegs, genau wie die Testflugzeuge Nummer zwei und vier. Der erste Prototyp des Mittelstreckenjets war bis vor Kurzem ebenfalls mit den US-Triebwerken ausgerüstet, besitzt seit September diesen Jahres jedoch die russischen PD-14-Pendants von Awiadwigatel. Im Programm zur Russifizierung der MS-21 ist er vorrangig für Bodentests gesetzt.

Schulflugzeug für Rossija-Ausbilder

Warum aber lackieren die Russen einen ihrer Prototypen überhaupt in Airline-Farben, wenn er am Ende doch sowieso nie kommerziell für diese Airline fliegen wird? Die Antwort ist einfach: Die 73054 soll ab dem kommenden Jahr als fliegendes Klassenzimmer für angehende MS-21-Fluglehrer herhalten. Rossija möchte so möglichst viele Crews bereits im Vorfeld auf das neue Muster einweisen, damit der Eintritt in den Liniendienst zumindest auf der personellen Ebene reibungslos verläuft.

Die erste MS-21 in Rossija-Farben wird nie kommerziell für Rossija fliegen - erfüllt aber trotzdem eine wichtige Aufgabe.

Rossija und UAC

In der kommenden Woche wird das frisch lackierte Flugzeug zurück an seiner Testbasis Schukowski erwartet. Ein Rossija-Sprecher kündigte an, dass auch noch zwei weitere Testmaschinen das Farbkleid seiner Fluggesellschaft erhalten sollen. Die Umlackierung symbolisiert die enge Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Erstbetreiber. Bereits im Sommer 2021 hatten die Partner eine gemeinsame Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die den Linienbetrieb der MS-21 vorbereiten soll. Sie umfasst neben der Schulung von Besatzungen auch den Aufbau von Wartungszentren an mehreren russischen Airports, die Rossija künftig mit der MS-21 ansteuern möchte.

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