Die TWS-2MS ist eine Rarität am Himmel, denn von der Antonow An-2 mit Turboprop-Upgrade gibt es bis jetzt nur 29 Stück. Das liegt vor allem daran, dass der zuständige Hersteller Rosaviaprom für die Umrüstung ein Triebwerk aus den USA heranzog, das die Russen seit 2022 sanktionsbedingt nicht mehr beschaffen können. Statt des altbewährten ASch-62-Neunzylinder-Sternmotors von Schwezow, der die klassische An-2 antreibt, arbeitet in der TWS-2MS ein Honeywell TPE331-Turboprop aus den USA, kombiniert mit einem US-Fünfblattpropeller aus dem Hause Hartzell.
Einige TWS-2MS sind in Russland aber nach wie vor am Start und fliegen munter durch die Gegend – Sanktionen hin oder her. Der Gouverneur der Region Tomsk in Westsibirien, Wladimir Masur, hieß jüngst in seinem Zuständigkeitsgebiet ein ganz besonderes Exemplar der Turbo-Antonow willkommen: In der Stadt Kolpaschewo ist ab sofort eine TWS-2MS als Rettungsflugzeug stationiert, das Kranke und Verletzte auf schnellstem Weg ins Regionalkrankenhaus Tomsk fliegen soll.
"Das Flugzeug ist mit dem medizinischen Modul MMA-1 ausgestattet, und es sind Plätze für begleitendes medizinisches Personal vorgesehen", schreibt die für die Vermarktung der TWS-2MS zuständige Vertriebsgesellschaft PMI Aero auf Telegram.

Die TWS-2MS trägt ein rotes Kreuz am Rumpf, was sie als Rettungsflugzeug ausweist.
Robust, flexibel, reichweitenstark
Wie PMI Aero weiter ausführt, eigne sich die geräumige Kabine des "fliegenden Traktors" An-2 ideal für den Ambulanzbetrieb. Der Patient werde auf einer Trage fixiert, während das medizinische Personal während des Fluges dauerhaft im Stehen arbeiten könne. Die große, breite Frachttür des Flugzeugs ermögliche zudem ein einfaches Verladen des Patienten.
Dank Turboprop-Antrieb besitzt die TWS-2MS laut Datenblatt eine Reichweite von 1000 Kilometern. Das ermögliche es, "das regionale Zentrum ohne Zwischenlandung zum Auftanken zu erreichen", so PMI Aero. Laut Gouverneur Masur soll das in Flugzeug von Kolpaschewo aus zunächst "für medizinische Flüge innerhalb der Region nach Kargasok, Parabel und Tomsk" zum Einsatz kommen. Eine Ausweitung des Einsatzgebiets ist offenbar in Planung.
Bei Bedarf könne das gesamte medizinische Modul in kurzer Zeit aus der Kabine ausgebaut werden, wodurch sich die gelieferte Maschine auch für andere Zwecke verwenden lasse. Der Grundpreis des Moduls MMA-1 beträgt laut PMI Aero knapp 5,3 Millionen Rubel. Das sind derzeit etwa 60.000 Euro.

Dank großer Seitentür und Kabine mit Stehhöhe bietet die TWS-2MS beste Voraussetzungen für den Ambulanzbetrieb.
Flugzeug ist 46 Jahre alt
Die zum Rettungsflugzeug aufgerüstete TWS-2MS trägt das Kennzeichen RA-71210 und wurde Anfang April zusammen mit dem MMA-1-Modul an die Regionalregierung übergeben. Gebaut wurde die Maschine bereits 1982, als "normale" An-2, bei PZL Mielec in Polen. Dort entstanden bis weit in die 1980er Jahre neue An-2 in Lizenzproduktion, von denen heute noch einige im kommerziellen russischen Kurzstreckenverkehr aktiv sind.
Turboprop-Umbau bis 2023
Die RA-71210 rollte seinerzeit mit der Seriennummer 1G200-53 aus der Fabrik, wie die Datenbank russianplanes.net dokumentiert. Der Umbau zur TWS-2MS startete demnach im Jahr 2021. Am 23. Juni 2023 absolvierte der Doppeldecker seinen ersten Flug mit neuem Motor und gehört seither zur Flotte von SibAeroCraft aus Tomsk, die die RA-7120 auch künftig im Ambulanzdienst für die Regionalregierung weiterbetreibt. Zur Flotte von SibAeroCraft zählen mit der RA-40815 (Baujahr 1977) und der RA-81635 (Baujahr 1984) noch zwei weitere TWS-2MS. Ein viertes Exemplar ist bestellt.





