Ein MiG-21-Doppelsitzer als restaurierter Warbird. Nicht irgendwo in den USA, nein. Sondern in Europa – genauer gesagt in Polen. Das ist das Ziel, das sich die MiG-Enthusiasten von Fubar Aviation Ltd. vorgenommen haben. In ihrem Hangar auf dem polnischen Regionalflughafen Flughafen Olsztyn-Mazury hießen sie jüngst aus diesem Grund einen spektakulären Neuzugang willkommen – in Gestalt einer teilzerlegten MiG-21UM "Mongol-B" in den verblassten, abgeblätterten Farben der polnischen Luftwaffe.
"Nächstes Flugzeug für die Flotte von Fubar Aviation", kommentierte die Vereinigung am Wochenende in einem Beitrag auf Facebook. "Die MiG-21UM mit der Bordnummer 9311" sei bereits in Olsztyn-Mazury eingetroffen. "Mehr Informationen folgen bald. EDIT: Ja, sie wird fliegen!"
Spätestens bei diesem letzten Zusatz dürfte mancher Facebook-Nutzer mit Luftfahrt-Leidenschaft vor Freude fast den Sonntagskuchen von der Gabel geschleudert haben – wäre das doch die vielleicht größte europäische Airshow-Sensation der letzten Jahre. Eine fliegende MiG-21 gibt es in Europa nämlich seit Ende 2024 nicht mehr, als die kroatische Luftwaffe ihre letzten MiGs in den Ruhestand schickte. Und eine privat betriebene MiG-21, so etwas kennt man hierzulande höchstens aus den USA.

Das Team von Fubar Aviation feiert die Ankunft seiner spektakulären Neuerwerbung - und will die MiG-21UM wieder in flugfähigen Zustand restaurieren.
MiG-15, MiG-17 – und jetzt die MiG-21
Die Wahrscheinlichkeit, dass die polnische "Mongol-B" bald wirklich wieder abhebt, ist tatsächlich hoch. Denn die Mannschaft von Fubar Aviation hat in der Vergangenheit des Öfteren bewiesen, dass ausrangierte Kampfjet-Klassiker bei ihr in besten Händen sind. Seit Jahren treten die Polen mit zwei restaurierten Lim-2 (polnische Lizenzbauten der MiG-15) international auf Flugshows auf. Seit dieser Saison bereichert mit einer frisch wieder aufgebauten Lim-5 (MiG-17) der nächste sowjetische Ex-Fighter die Flotte. Bereits hier betrat Fubar Aviation Neuland – existiert ansonsten in Europa doch keine zweite flugfähige MiG-17.
Die Mach 2 schnelle MiG-21 ist zwar im Vergleich dazu noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Doch die Chancen stehen gut, dass das erfahrene Team, gespickt mit zahlreichen Veteranen der polnischen Luftwaffe, auch dieses neue "Winterprojekt" zum Erfolg führen wird.

Bei Fubar Aviation kennt man sich aus mit alten MiGs. Die MiG-21UM (rechts) markiert dennoch das bislang größte und herausforderndste Projekt für die Polen.
Um diese MiG-21 geht es
Bei der Doppelsitzer-Version MiG-21UM (NATO-Code "Mongol-B") handelt es sich um eine ab Werk als Trainer produzierte Vertreterin des wohl berühmtesten Ostblock-Kampfjets aus dem Kalten Krieg. Die Maschine mit der Kennung 9311 wurde am 28. Juli 1980 an die polnische Luftwaffe ausgeliefert. Sie trägt die Seriennummer 516999311. Ihre Karriere startete die MiG beim 26. Jagdfliegerregiment in Zegrze Pomorskie, später flog sie in Łask bei der 10. Taktischen Fliegerstaffel (10. Eskadra Lotnictwa Taktycznego, ELT).
Etwa um das Jahr 2000 herum erhielt sie ein neues, in unterschiedlichen Grautönen gehaltenes, Tarnschema, das den ansonsten bei den polnischen MiGs vorherrschenden blanken Metall-Look ersetzte. Das Ende ihrer aktiven Dienstzeit erlebte die 9311 schließlich in Posen auf der 31. Baza Lotnictwa Taktycznego (31. Taktischer Luftstützpunkt). Dort wurde sie – wie alle anderen verbliebenen MiG-21 in Polen – zum Jahresende 2003 ausgemustert.





