Russische Business Class im russischen Passagierjet: So sitzt man in der MS-21

Russische Business Class
So sitzt man in Russlands neuem Passagierjet MS-21

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.04.2026
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Auf dem Papier hat die russische Jakowlew MS-21 alle Chancen, zum komfortabelsten Flugzeug ihrer Klasse zu werden. Das liegt vor allem am Rumpfdurchmesser, der mit 160 Zoll (406 Zentimeter) deutlich über dem der West-Bestseller Airbus A320 (155 Zoll, 394 Zentimeter) und Boeing 737 (148 Zoll, 376 Zentimeter) liegt. So soll es untrer anderem möglich sein, dass Passagiere im Flug ohne quälende Verrenkungen am Servicewagen des Kabinenpersonals vorbei zur Toilette laufen können – beträgt die Breite des Mittelgangs in der MS-21-310 doch 56 Zentimeter und damit bis zu zehn Zentimeter mehr als bei den "Platzhirschen" aus Europa und den USA. Auch das Ein- und Aussteigen soll sich dadurch beschleunigen.

Die Sitzbreite in der Economy Class der MS-21-310 beziffert Russlands Flugzeugbau-Konsortium UAC (OAK) mit 17,7 Zoll (45 Zentimeter), in der Business Class soll selbige 21 Zoll (53,3 Zentimeter) betragen. Hergestellt werden die Sitze vom Hersteller Aviation Interiors LLC aus Uljanowsk. Das Unternehmen fertigt auch das Gestühl der russischen Regional-Airliner Superjet SJ-100 und Iljuschin Il-114-300. Die Sitze für Letztere erhielten im März von der staatlichen Luftfahrtbehörde Rosawiazija grünes Licht für die Serienproduktion.

Russischer Business Class-Sitz

Ihren Segen gab Rosawiazija nun auch für die BA20 genannten Business Class-Sitze der MS-21-310, wie UAC auf seinem Telegram-Kanal bekanntgab. Die Sitzbreite von 21 Zoll habe man als ideal für "Komfort auf höchstem Niveau" errechnet, die sowohl stämmige Herren als auch zierliche Damen zufriedenstellen soll. Die Lehne am BA20-Sitz lasse sich zudem um bis zu 60 Grad verstellen – vorausgesetzt, der Sitzabstand in der Kabine lässt das zu. Das konkrete Kabinen-Layout sei jedoch Sache der Fluggesellschaft, ergänzt UAC.

Serienmäßig vorgesehen ist Platz für ein Inflight-Entertainment-System, außerdem eine breite Mittelkonsole zwischen den Sitzen, auf der paarweise reisende Fluggäste ihre Gläser abstellen können. Dieses Feature habe man auf besonderen Wunsch eines Kunden verbaut, schreibt UAC weiter.

Sitzprobe im Business Class-Sitz der MS-21-310 aus Russland.
UAC (OAK)

Crashtest mit 16 g

Die Business Class-Sitze für die MS-21-310 entstehen bei Aviation Interiors als Zweiermodule und wiegen laut Hersteller pro Modul zwischen 58 und 75 Kilogramm, je nach individueller Auslegung. Jede Einheit soll aus über 1000 Einzelteilen bestehen, von denen die Russen nach eigenen Angaben viele komplett neu entwickeln mussten, weil sie sie zuvor von westlichen Lieferanten bezogen hatten, auf die sie seit Frühjahr 2022 keinen Zugriff mehr haben.

Bei Crashtests im Rahmen der Zertifizierung haben sich die Sitze nach Angaben von Aviation Interiors auch in puncto Sicherheit bewährt. Dort mussten sie, gemäß der international gültigen Richtlinien, unter anderem zeigen, dass sie im Notfall einem Lastvielfachen von bis zu 16 g standhalten, ohne auseinanderzubrechen.

UAC (OAK)

Serienbau in Vorbereitung

Mit der Zulassung der BA20-Sitze durch die russische Luftfahrtbehörde ist rechtlich gesehen der Weg frei zur Serienproduktion. Laut UAC bereitet Aviation Interiors die Massenproduktion in Uljanowsk derzeit vor und "fertigt bereits Pilotserien für die ersten Flugzeuge, die in Kürze an die Kunden ausgeliefert werden."

Wobei der Passus "in Kürze" bei der MS-21-310 ein dehnbarer Begriff ist. Das Muster befindet sich noch mitten in der Flugerprobung, vor 2027 wird vermutlich kein Exemplar an eine kommerzielle Airline gehen.