in Kooperation mit
Patrick Zwerger

„SSJ-New“ ab 2024?

Suchoi will den Superjet russischer machen

Der Suchoi Superjet ist Russlands erstes Verkehrsflugzeug, dessen Entwicklung erst nach dem Ende der Sowjetzeit begann. Ein Großteil der Komponenten des russischen Regionaljets stammt jedoch aus dem Ausland. Das soll sich nun bald ändern.

Für den einstigen Hoffnungsträger der russischen Luftfahrtindustrie läuft es alles andere als rund. Nur einen einzigen Superjet SSJ 100 verkaufte Hersteller Sukhoi Civil Aircraft in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres. Angedachte Deals mit Norwegian und Air Serbia blieben bislang ohne Abschluss. Und dass Russlands Flag-Carrier Aeroflot, mit 49 Stück schon jetzt größter Abnehmer des Superjet, 100 weitere Exemplare des Flugzeugs bestellt hat, ist weniger ein Ausdruck des Vertrauens, sondern vor allem politischen Zwängen geschuldet.

Großer Anteil ausländischer Komponenten

Bereits sicher geglaubte Exporte in den Iran scheiterten daran, dass zu viele Bauteile „made in USA“ in dem russischen Regionaljet verbaut sind. Überhaupt steckt in der Maschine bei genauerem Hinsehen sehr viel weniger Russland drin, als es zunächst den Anschein macht. Ein großer Teil der Komponenten stammt aus dem Ausland: Das Fahrwerk kommt von Safran (Frankreich), die Avionik von Thales (Frankreich), die Hydraulik von Parker (USA), die Kabine von Rockwell-Collins (USA), die Flugsteuerung von Liebherr (Deutschland), die APU von Honeywell (USA). Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen – auch die SaM 146-Triebwerke des Flugzeugs, die im Einsatz immer wieder Probleme machen, stammen nur teilweise aus Russland. Sie sind Ergebnis eines Joint-Ventures von Snecma (Safran) aus Frankreich und dem russischen Hersteller Saturn.

UAC
Seit Dezember 2017 testete Sukhoi Civil Aircraft den Superjet mit "Sabrelet"-Flügelenden. Die Tests wurden kürzlich abgeschlossen, die erste mit Sabrelets bestückte Maschine soll demnächst an Severstal Airlines ausgeliefert werden. Die Sabrelets sollen 3 Prozent Treibstoff sparen.



Russifizierte Superjet-Version

Nicht nur dem Kreml ist diese Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern schon lange ein Dorn im Auge. Seit geraumer Zeit gibt es deshalb Pläne, eine „russifizierte“ Version des Superjet an den Start zu bringen. Ziel sei es, den Anteil im Inland gefertigter Komponenten von derzeit rund 30 auf 50 bis 60 Prozent zu erhöhen, hieß es dazu aus dem russischen Industrie- und Handelsministerium. Gleichzeitig wolle man die Zuverlässigkeit des Flugzeugs verbessern und auch einen optimierten After-Sales-Support mit besserer Ersatzteilversorgung sicherstellen. An diesen beiden Punkten krankt der Regionalflieger bislang massiv, was dazu führte, dass in der Vergangenheit mehrere Kunden ihre Superjet-Flotten teilweise oder, wie die irische Cityjet, gar komplett abstellten.

Safran Landing Systems
Das Fahrwerk des Superjet SSJ 100 wird derzeit noch von Safran Landing Systems aus Frankreich gebaut. Spätestens 2024 soll es eine Superjet-Version mit Fahrwerk made in Russia geben.

„SSJ-New“ soll 2024 an den Start gehen

Die international als „SSJ-New“ bezeichnete Neuausgabe des Superjet soll unter anderem rein russische Triebwerke bekommen. Angedacht ist eine verkleinerte Ausgabe des PD14-Turbofans von Awiadwigatel, der für die Irkut MS-21 entwickelt wird. Bei Technodinamika entsteht derzeit auch ein neues, russisches Brandschutzsystem für den Superjet. Außerdem wurde die Technodinamika Holding, die zum Staatskonzern Rostec gehört, mit der Entwicklung eines in Russland hergstellten Fahrwerks für den SSJ-New beauftragt. Dies zumindest berichtet das Portal aviation21.ru. Die erste Konzeptphase sei vor Kurzem bei Aviaagregat in Samara abgeschlossen worden. Anfang 2021 soll das erste neue Fahrwerk für statische Tests an einem Superjet-Prototypen montiert werden. Danach sollen weitere Flugtests mit mehreren Prototypen folgen. Den Marktstart für die russifizierte Superjet-Variante plant Sukhoi Civil Aircraft derzeit für 2024. Damit verbunden ist die Hoffnung, dem zuletzt eher im Siechtum befindlichen Programm neues Leben einzuhauchen - nicht zuletzt in Gestalt von Exporten in Staaten wie Iran oder Nordkorea.

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