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Staatsgeld für Ersatzteillager

Russland will Superjet-Service verbessern

Foto: Patrick Zwerger

Die russische Regierung will dem kränkelnden Suchoi Superjet-Programm mit einer kräftigen Geldspritze neues Leben einhauchen: Aus einem Fonds sollen vier Milliarden Rubel in den Aufbau eines Ersatzteillagers fließen. Und auch neue Kunden haben die Russen im Visier.

Schönzureden gibt es nichts: Bisher war 2019 für den Suchoi Superjet ein Seuchenjahr. Direkt zu Beginn verlor Suchoi den prestigeträchtigen Westeuropa-Kunden Cityjet aus Irland, der 15 Superjet bestellt und bereits sieben davon im Dienst hatte – teilweise im Wet Lease für SN Brussels Airlines. Ein kurz darauf ausgehandelter Deal mit der slowenischen Adria Airways endete im Streit und scheiterte. Am 5. Mai crashte ein Superjet der Aeroflot bei einer Notlandung in Moskau-Scheremetjewo und brannte aus, wobei 41 Menschen ums Leben kamen. Nur einen Tag später erklärte die russische Yamal Airlines, sie wolle ihre derzeit 15 Superjets schnellstmöglich loswerden und auch die noch ausstehenden zehn Maschinen nicht übernehmen. Und zuguterletzt ging in der vergangenen Woche der zweite große Westkunde, die in Finanznöten steckende Interjet aus Mexiko, auf Distanz zum Suchoi Superjet und kündigte an, ihre 22 Flugzeuge auszuflotten. Harte Zeiten also für das einstige Hoffnungsprojekt der russischen Zivilluftfahrt.

Foto: Patrick Zwerger
Auf der MAKS in Schukowski zeigte UAC den Superjet auch im Flug - mit neuartigen "Sabrelets" an den Flügelenden.

Vier Milliarden Rubel für Service-Support

Warum das Flugzeug bei vielen seiner Kunden in Misskredit geraten ist, liegt jedoch auf der Hand: Es fällt zu oft aus und steht dann zu lange still. Das Service-Netz für den Superjet ist löchrig wie ein Schweizer Käse, Ersatzteile sind nur mit großem Zeitaufwand zu bekommen. Interjet sah sich deshalb gezwungen, einen Teil der Flotte zu kannibalisieren und mehrere Superjets zu Ersatzteilspendern zu degradieren. Bei UAC und dem Triebwerkshersteller United Engine Corporation, der die SaM146-Turbofans des Superjet produziert, ist man sich des Problems längst bewusst – und versucht bereits seit geraumer Zeit gegenzusteuern. So fuhr UAC schon im vergangenen Jahr die Produktionsrate des Flugzeugs herunter, um sich stattdessen verstärkt auf den After-Sales-Support und eine Aufstockung des Ersatzteillagers zu konzentrieren. Diese Bemühungen werden nun auch vom russischen Staat direkt unterstützt: Wie Interfax am 3. September berichtete, ordnete Ministerpräsident Dimitri Medwedew an, aus einem Reservefonds vier Milliarden Rubel (etwa 55 Millionen Euro) bereitzustellen, um ein umfangreiches Ersatzteillager aufzubauen. Außerdem wolle man 64 „Service Bulletins“ ausarbeiten. Damit soll das globale Servicenetz für die Kunden auf Vordermann gebracht – und der Ruf des Superjet gerettet werden. Darüber, dass die Gelder tatsächlich in die richtigen Kanäle fließen, solle das russische Ministerium für Industrie und Handel wachen, schreibt Interfax weiter.

Foto: Patrick Zwerger
Yakutia scheint mit ihren Superjets zufrieden. Die Airline übernahm auf der MAKS ihr viertes Flugzeug - und zeichnete eine Soft-Order für zehn weitere Maschinen.

Neue Kundschaft für den Superjet

Unterdessen zeichnete sich für Russlands Regionaljet in den letzten Tagen tatsächlich der eine oder andere Silberstreif am Horizont ab: Auf dem Aviasalon MAKS in Moskau vom 27. August bis zum 1. September präsentierte UAC das Regionalflugzeug am Boden wie in der Luft. Im Laufe der Show konnte UAC für sein Sorgenkind auch neue Aufträge präsentieren: Yakutia Airlines erklärte schriftlich, zu ihren fünf bestellten bis zu zehn weitere Superjet zu übernehmen – per Leasing. Auch Azimuth Airlines, die ausschließlich auf den Superjet setzt, wird zwei weitere Flugzeuge leasen. Und mit der privaten usbekischen Qanot Sharq könnte gar ein ganz neuer Kunde in den Kreis der Superjet-Nutzer stoßen. Die Usbeken unterzeichneten auf der MAKS eine Absichtserklärung für drei Maschinen, ebenfalls via Leasing.

Foto: Aeroflot
Aeroflot betreibt derzeit 49 Suchoi Superjets und hat 100 weitere bestellt. Doch auch Russlands Flag Carrier hat mit technischen Problemen des Regionalfliegers zu kämpfen.

UAC gegen Aeroflot

Dass beim Hersteller United Aircraft Corporation (UAC), zu dem Suchoi gehört, trotzdem die Nerven blank liegen, demonstrierte Ende August Boris Aleshin, technischer Berater des UAC-Chefs Juri Sljussar. In einem Vortrag auf dem Eurasian Space Congress in Moskau warf Aleshin der Aeroflot vor, den Superjet im Zusammenhang mit dem Unglück vom 5. Mai absichtlich in Misskredit gebracht zu haben: Aeroflot habe von Beginn an suggeriert, das Flugzeug sei „Müll“ und für den Unfall alleinverantwortlich, ohne die weiteren Ermittlungen abzuwarten, zitiert Interfax den UAC-Berater. Bis die Unfallermittlung abgeschlossen sei, habe jedoch niemand das Recht, Anklage zu erheben. UAC habe schließlich auch nicht die Aeroflot-Crew oder das Ausbildungsniveau der Aeroflot-Piloten kritisiert – auch nicht „die Probleme, die Aeroflot selbst aufgrund unzulänglichen Managements verursachte.“ Die staatliche Aeroflot ist mit 150 bestellten Maschinen der mit Abstand größte Kunde für den Suchoi Superjet – und ebenfalls unzufrieden mit dessen Alltags-Performance. Der Superjet sei der „unzuverlässigste Flieger der Flotte“, zitierte die WELT im Mai einen internen Aeroflot-Bericht. Pünktlich zur MAKS in Schukowski schienen sich die Wogen allerdings wieder geglättet zu haben – zumindest nach außen: Neben dem vierten Superjet von Yakutia parkte im Static Display auch ein Exemplar in den Farben der Aeroflot.

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