Patrick Zwerger
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Die Boeing 757 soll zum Wasserbomber werden

Umbau bei ST Engineering Die Boeing 757 soll zum Wasserbomber werden

Es gibt eine ganze Reihe alter Airliner, die als Löschflugzeuge eine zweite Karriere starteten. Die Boeing 757 war bislang nicht darunter. Wenn es nach dem Willen von ST Engineering aus Singapur geht, soll sich das aber bald ändern. Start frei für das Projekt 757P2T!

ST Engineering kennt man in unseren Breiten vor allem für seine Frachterumbauten. Das Unternehmen aus Singapur ist zu 35 Prozent an den Elbe Flugzeugwerken in Dresden beteiligt und rüstet in Singapur unter anderem Airbus A320 und A321 von Passagierjets zu Transportflugzeugen um. Die ersten A321P2F ("Passenger to Freighter") sind bereits am Himmel unterwegs und verrichten ihren Dienst, mit der A320P2F feierte im Dezember vergangenen Jahres auch die kleine Schwester ihren Erstflug. Doch ST Engineering kann nicht nur Airbus-Jets in Frachter verwandeln, sondern erledigt selbiges über seine US-Tochter in Virgina bereits seit Mitte der 2000er-Jahre auch mit der Boeing 757-200. Gemeinsam mit dem Feuerwehrdienstleister Galactic Holdings aus den USA starten die Asiaten nun ein ganz neues Projekt – und auch in dem spielt die Standardversion der 757 die zentrale Rolle.

Patrick Zwerger
Die Boeing 757-200 wird als Airliner immer seltener. ST Engineering will den schlanken Jet nun zum Löschflugzeug umrüsten.

Sparsam und leistungsstark

ST Engineering und Galactic Holdings planen den weltweit ersten Boeing 757-Löschbomber. Als 757P2T ("Passenger to Tanker") soll der schlanke Zweistrahler, der als Airliner im Passagierdienst immer seltener wird, künftig beim Löschen von Waldbränden helfen. Von der Dash-8 über DC-9 und Jumbolinos bis hin zur DC-10 leisten einstige Passagierjets seit Jahren wertvolle Dienste auf diesem Gebiet. Die 757 war in dieser Riege bislang nicht vertreten. Dabei sei der Boeing-Jet im Einsatz deutlich weniger durstig als die meisten derzeit eingesetzten großen Löschflugzeuge, erklärte ST Engineering zum Start des P2T-Projekts auf der Singapore Airshow. Wenn in Virginia die erste fertige Wasserbomber-757 aus der Halle rollt, wird sie nach Angaben der Projektpartner "eine der leistungsfähigsten Plattformen für die Brandbekämpfung aus der Luft" sein.

Flugzeuge

Zwei Tanks und ein Dosiersystem

Herzstück des P2T-Umbaus sind zwei große Tanks in der Kabine, die jeweils 3.500 Gallonen Löschmittel fassen sollen. Umgerechnet sind das etwa 13.250 Liter, was dem Schmalrumpfjet eine Gesamt-Kapazität von knapp 26.500 Litern Löschwasser verleiht. Damit wäre die 757P2T nach der McDonnell Douglas DC-10-30 und der russischen Iljuschin Il-76 das drittgrößte aktive Löschflugzeug der Welt. Der einstige Primus dieser Riege, die Boeing 747 "Global Supertanker", ist nicht mehr im Feuerwehr-Geschäft aktiv, sondern fliegt seit einiger Zeit wieder reguläre Fracht für National Airlines aus Orlando.

Abgelassen wird das Löschwasser beim 757-Löschbomber laut ST Engineering über ein hochmodernes Dosiersystem, das dazu beitragen soll, die feuchte Fracht besonders präzise und genau dort abzuwerfen, wo sie am dringendsten benötigt wird. Das zumindest besagt die Theorie. Wie sich die Boeing 757P2T dann in der Praxis schlägt, soll sich im Lauf des Jahres 2024 zeigen. Für diesen Zeitraum planen ST Engineering und Galactic Holdings die Markteinführung der Maschine.

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