Auf rund 15.000 Fuß war vor gut einem Monat in einer Boeing 737-800 der Billigairline Ryanair ein Fenster gebrochen. Ein Fluggast wurde teilweise durch das Fenster nach außen gezogen.
Grund dafür war ein Schaufelbruch und ein anschließender Trümmeraustritt am Triebwerk, durch den das Fenster beschädigt wurde. Nun gibt es neue Erkenntnisse aus einem vorläufigen Bericht der US-amerikanischen Flugunfalluntersuchungsbehörde NTSB.
Im beschädigten Triebwerk der 737-800 wurden Vogelreste und Federn entdeckt. Wie die Behörde weiter mitteilt, war dasselbe Triebwerk in den zwölf Monaten mutmaßlich bereits von vier weiteren Vogelschlägen getroffen wurden. Bei zweien davon habe man ebenfalls Vogelreste gefunden.
Schaufelbruch kurz nach dem Start
Den Ermittlungen zufolge brach kurz nach dem Abflug von Thessaloniki am 10. Juli eine Schaufel im rechten Triebwerk der Maschine. Trümmerteile schlugen daraufhin in den Rumpf und das Höhenleitwerk ein. Ein Teil traf und zertrümmerte ein Fenster in Reihe 11, wodurch die Kabine schlagartig an Druck verlor.
Der neben dem geborstenen Fenster sitzende Passagier wurde dabei teilweise ins Freie gesogen, ehe ihn Mitreisende zurück in die Kabine ziehen konnten. Er erlitt Verletzungen an Hals und Schulter sowie Hautabschürfungen durch die Reibung.
Die betroffene Maschine mit dem Kennzeichen 9H-QEU wird von der Ryanair-Tochter Malta Air im Auftrag der Mutter-Airline betrieben und war auf dem Weg vom Flughafen Thessaloniki ins bayerische Memmingen.
Zunächst begann das Triebwerk offenbar zu vibrieren, begleitet von einem lauten Knall. Kabinenpersonal berichtete von starken, anhaltenden Vibrationen sowie leichtem Rauch beziehungsweise Nebel in der Kabine, bevor sich die Sauerstoffmasken automatisch lösten.
Frühere Inspektionen fanden keine Schäden
Das NTSB bestätigte, dass sich in Bauteilen des Triebwerks Nummer zwei tatsächlich Überreste von Vögeln fanden. Bei den Wartungskontrollen nach den vier vorangegangenen mutmaßlichen Vogelschlägen war keinerlei Beschädigung festgestellt worden. Auch Ultraschallprüfungen der Triebwerksschaufeln hatten keine Auffälligkeiten ergeben.
Als Konsequenz eines früheren Unfalls, bei dem eine Passagierin ums Leben kam, hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA drei Lufttüchtigkeitsanweisungen für alle 737 "Next-Gen"-Maschinen, also die Varianten -600, -700, -800, und -900, erlassen. Darin schreibt die FAA bauliche Änderungen vor, die verhindern sollen, dass bei einem Schaufelbruch Trümmer aus Triebwerkseinlauf und -verkleidung das Flugzeug treffen.
Die betroffene Ryanair-Maschine hatte diese umfangreichen Nachrüstungen zum Unfallzeitpunkt noch nicht erhalten. Fluggesellschaften haben dafür Zeit bis Juli 2028.





