Motoren für 700 Millionen Euro
Russland will den heimischen Triebwerksbau ankurbeln

Die russische Regierung pumpt weitere 700 Millionen Euro in den Bau neuer, einheimischer Flugzeugtriebwerke. Damit soll die Produktion von Turbofans aus Russland rasch an Fahrt gewinnen.

Russland will den heimischen Triebwerksbau ankurbeln
Foto: Patrick Zwerger

Russlands ziviler Luftverkehr braucht einheimische Flugzeuge. Viele Flugzeuge. Der Plan der russischen Regierung sieht bis Ende 2030 den Bau von nicht weniger als 1.036 neuen Jet- und Turboprop-Airlinern vor. Ob die im Land verteilten Flugzeugwerke eine solche Anzahl im genannten Zeitraum überhaupt ausspucken können, muss sich zeigen. Programme zur Aufstockung von Personal und zur Modernisierung der Fabriken sind bereits gestartet. Gelöst werden muss zudem das Problem der Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten. "Importsubstitution" heißt hier das Zauberwort.

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Neue Motoren braucht das Land

Doch neue Flugzeuge nutzen bekanntlich wenig, wenn es parallel dazu nicht genügend Motoren gibt, die sie antreiben. Deshalb forciert Russland neben dem Flugzeugbau auch die Produktion neuer Triebwerke. Zu diesem Zweck hat die Regierung nun ein neues Subventionspaket in Höhe von 44 Milliarden Rubel (700 Millionen Euro) verabschiedet, mit dem sie bis Ende 2024 die Herstellung von insgesamt 84 neuen Turbofans sowie einer nicht genannten Zahl von Turboprop-Motoren finanziert.

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Mit dem Awiadwigatel PD-14 hat Russland die Grundlage für eine ganze Familie neuer Turbofan-Triebwerke gelegt.

PD-14, PD-8 und PD-35

Zu den derart geförderten Fabrikaten zählt natürlich das Awiadwigatel PD-14, das nach dem sanktionsbedingten Wegfall des Pratt & Whitney-Getriebefans PW1400G künftig die alleinige Antriebsoption für den neuen Airliner Irkut MS-21 darstellt. Mit dem von der Regierung bereitgestellten Geld sollen 14 Exemplare des bereits im Serienbau angekommenen Triebwerks bezahlt werden. Vom kleineren PD-14-Derivat PD-8, das sich derzeit noch in der Entwicklung befindet, will der Kreml gar 50 Stück finanzieren. Das PD-8 ist für die "russifizierte" Version des Suchoi Superjet vorgesehen und außerdem als Antrieb des Löschflugzeugs Berijew Be-200 im Gespräch, das aktuell noch mit D-436-Motoren ukrainischer Herkunft unterwegs ist.

Die PD-14-Familie wird schließlich komplettiert und gekrönt vom Widebody-Turbofan PD-35. Der soll einmal den russisch-chinesischen Langstreckenjet CRAIC CR929 antreiben, existiert bislang aber allenfalls am Computer. Mit der Finanzspritze der Regierung soll die Entwicklung soweit angeschoben werden, dass bis Ende 2024 ein Prototyp des PD-35 zur Verfügung steht.

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Mit dem PD-8 will Russland den Suchoi Superjet und die Berijew Be-200 remotorisieren. Das Triebwerk steht wohl kurz vor dem ersten Flug.

Ein alter Bekannter

Die staatliche Förderung umfasst ferner den Bau von 20 Awiadwigatel PS-90A, die unter anderem als Antrieb der schon etwas angestaubten Tupolew Tu-214 fungieren. Das PS-90A stammt noch aus der Spätphase der UdSSR. Die Basisversion erhielt 1992 ihre Zulassung. Neben der Tu-214 treibt es auch die vierstrahlige Iljuschin Il-96 sowie die neueste Variante des Frachter-Urgesteins Iljuschin Il-76 an.

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