Wie Russland den Suchoi Superjet russifiziert Patrick Zwerger
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Made in Russia: Wie Russland den Suchoi Superjet russifiziert

Alles „made in Russia“ Wie Russland den Suchoi Superjet russifiziert

Russland will den Superjet russischer machen – und damit weniger anfällig für Sanktionen. Komponenten aus dem Ausland werden durch russische Pendants ersetzt. Größter Kostenpunkt ist ein Triebwerk, das nur aus russischen Teilen besteht: das PD-8. Doch das reicht nicht.

Russlands Flugzeugbau-Holding United Aircraft Corporation (UAC) treibt die Entwicklung des Superjet-New voran. Diese Neuauflage des Suchoi Superjet soll vor allem eines sein: russisch. Bislang nämlich ist der zweistrahlige Regionaljet eine sehr internationale Angelegenheit: Das Fahrwerk kommt von Safran (Frankreich), die Avionik von Thales (Frankreich), die Hydraulik von Parker (USA), die Kabine von Rockwell-Collins (USA), die Flugsteuerung von Liebherr (Deutschland), die APU von Honeywell (USA). Insgesamt soll der Anteil ausländischer Komponenten bei rund 60 Prozent liegen. Auch die SaM 146-Triebwerke des Flugzeugs, die im Einsatz immer wieder Probleme machen, stammen nur teilweise aus Russland. Sie sind Ergebnis eines Joint-Ventures von Snecma (Safran) aus Frankreich und dem russischen Hersteller Saturn.

Sukhoi Civil Aircraft
Suchoi Superjets in der Serienfertigung: Rund 60 Prozent der Komponenten des Flugzeugs stammen aus dem Ausland. Das soll sich ändern.

Ein Milliardenprojekt

Aus heutiger Zeit mag diese internationale Zusammenarbeit fast befremdlich erscheinen – die Wurzeln des Superjet jedoch liegen in einer Zeit, als die Zusammenarbeit zwischen russischen Unternehmen und Firmen aus dem Westen noch problemlos möglich war. Das ist lange her, denn Sanktionen gegen Russland erschweren die Kooperation bereits seit mehreren Jahren. Die Abhängigkeit vom guten Willen des Westens fällt Russlands Luftfahrtindustrie spätestens jetzt, nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs, mit voller Wucht auf die Füße. Die Programme zur Import-Substitution haben deshalb jetzt absolute Priorität und sollen rasant beschleunigt werden – sind sie aktuell doch durch die Bank noch nicht weit genug.

Die bisherige Superjet-Generation ist stark auf ausländische Zulieferer angewiesen. Das soll sich ändern.

Made in Russia

Für den Superjet heißt das, dass unter anderem Klimaanlage, Bremsen, Stromversorgung, Wasserversorgung und Abfallentsorgungssysteme sowie das Sauerstoffsystem der Besatzung, diverse Sensoren, Fahrwerk, Passagiersitze, Wärme- und Schalldämmung ersetzt werden müssen. Für die meisten Bereiche sind bereits seit einiger zeit russische Ersatzprodukte in Entwicklung oder Erprobung. Um alle ausländischen Superjet-Komponenten durch Teile made in Russia zu ersetzen, veranschlagte UAC im Herbst 2020 einen Kostenrahmen vom 120 bis 130 Milliarden Rubel (1,34 bis 1,45 Milliarden Euro).

Alle Augen auf den Antrieb

Mehr als die Hälfte davon fällt laut einem Bericht der Tageszeitung Vedemosti auf die Entwicklung eines maßgeschneiderten Triebwerks, das die ungeliebten SaM 146 ersetzen soll. Verantwortlich für dieses Triebwerk, es trägt die Bezeichnung PD-8, ist die United Engine Corporation (UEC), die ebenso wie UAC zur Staatsgesellschaft Rostec gehört. Das PD-8, so der Anspruch, soll vollständig aus russischen Teilen bestehen. Es wird im Wesentlichen eine kleinere Variante des PD-14 sein, das für die Irkut MS-21 vorgesehen ist.

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Grundlage für das neue PD-8 ist das größere PD-14, das als Antrieb für die Irkut MS-21 vorgesehen ist.

Russland gibt jetzt Gas

United Aircraft Corporation (UAC) plant den Erstflug des "Superjet New" mit dem PD-8 "Anfang nächsten Jahres, sagte UAC-Generaldirektor Juri Sljusar jetzt dem Sender "Rossiya24". "Der erste Flug wird im ersten Quartal des nächsten Jahres stattfinden, 2023 wird der Superjet mit dem neuen PD-8-Triebwerk auf Herz und Nieren getestet". Zuvor allerdings muss das neue Triebwerk für sich allein noch zahlreiche Tests bestehen. Bis dato existiert noch nicht einmal ein vollständig zusammengebautes Exemplar, das bisherige Testprogramm betraf lediglich getrennte Komponenten. So absolvierte Anfang des Jahres das Kerntriebwerk des PD-8, bestehend aus Hochdruckverdichter, Brennkammer und Hochdruckturbine, die ersten Zulassungstests auf dem Prüfstand.

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Die Berijew Be-200 fliegt noch immer mit ukrainischen Triebwerken. Auch diese sollen durch das neue PD-8 ebenfalls ersetzt werden.

Parallel arbeitet UAC am Produktionshochlauf. Ausgehend von einer Anfangsrate von 20 "Superjet New" pro Jahr werde die Produktion mittelfristig auf jährlich 30 bis 40 Einheiten steigen, sagte Sljusar. Für das PD-8-Triebwerk gibt es neben der Verwendung im Superjet weiteren Bedarf: In Russland überlegt man, das Amphibium Berijew Be-200 ebenfalls mit dem neuen Turbofan auszurüsten. Bislang fliegt die Be-200 noch immer mit ukrainischen Iwtschenko-Triebwerken.

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