350 Millionen Euro lassen sich der Bund und das Land Brandenburg den Aufbau einer Produktionsanlage für strombasierte Flugkraftstoffe (eSAF) kosten. Mitte Mai erhielten die beiden Unternehmen Zaffra und Enertrag den Fördermittelbescheid von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Das Projekt namens "Brandenburg eSAF" soll die größte Power-To-Liquid-Anlage Deutschlands im industriellen Maßstab werden, entstehen soll sie auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt.
Doch nun wird Zaffra, ein Joint Venture des dänischen Petrochemieunternehmens Topsoe und des südafrikanischen Chemie- und Energiekonzerns Sasol, abgewickelt. Das gaben die beiden Mutterunternehmen Topsoe und Sasol Ende Juni bekannt. Man beabsichtige, die Organisationsstruktur der Partnerschaft im Bereich nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) im Hinblick auf die nächste Phase der Marktentwicklung neu auszurichten. "Nach einer strategischen Überprüfung haben die Unternehmen beschlossen, die geordnete operative Abwicklung ihres Joint Ventures Zaffra vorzubereiten und gleichzeitig ihre langjährige, technologieorientierte Lizenzkooperation im Rahmen des 2019 eingerichteten 'Single Point Licensor'-Modells (SPL) fortzusetzen und auszubauen", so die beiden Unternehmen in einer Pressemitteilung.
Wie geht es mit Brandenburg eSAF weiter?
Was die Abwicklung von Zaffra für Brandenburg eSAF bedeutet, ist noch unklar. Beim deutschen Energietechnik-Unternehmen Enertrag geht man derzeit davon aus, dass entweder Topsoe oder Sasol den Part von Zaffra übernimmt. Die Timeline stehe, Planung und Engineering seien beauftragt und sollen wie geplant ihre Arbeit aufnehmen, so ein Unternehmenssprecher.
Der geplante Abwicklungsprozess werde diszipliniert, geordnet und unter Einhaltung aller Vorschriften durchgeführt, so Sasol und Topsoe in einer Pressemitteilung. "Sasol und Topsoe werden verantwortungsbewusst mit den Kunden, den Partnern in der Wertschöpfungskette, den Mitarbeitern und anderen relevanten Interessengruppen von Zaffra zusammenarbeiten, um wichtige Beziehungen zu wahren, Unsicherheiten abzubauen und die Kontinuität während der Übergangsphase zu gewährleisten."
Noch auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin hatte Zaffra mit dem in Hamburg ansässigen Energieunternehmen MB Energy eine Absichtserklärung unterzeichnet, um eine Kooperation zur Unterstützung der Kommerzialisierung von eSAF in Europa zu untersuchen. MB Energy sollte ein möglicher Abnehmer für das in Schwedt hergestellte eSAF werden.
Man arbeite aktuell am Konzeptentwurf, der Bau der eSAF-Anlage solle 2028 beginnen, die Produktion Ende 2030, so Eva-Maria Dichtl, die Geschäftsführerin von Brandenburg eSAF, auf der ILA. Zaffra sollte vor allem die vollelektrifizierte Synthesegas-Produktion mittels der eREACT-Technologie von Topsoe und die anschließende Niedertemperatur-Fischer-Tropsch-Synthese von Sasol einbringen, während Enertrag für die zur Wasserstoffelektrolyse nötigen erneuerbaren zuständig ist.





