Lange bevor der Entwurfsingenieur eines Werkes erste Skizzen anfertigte, wurden die Bedarfsanforderungen des Auftraggebers erstellt. Den Planungskonferenzen des Technischen Amtes (LC) folgten umgehend die Pflichtenhefte, nach denen sich die Industrie zu richten hatte. Daraus konnte die beauftragte Entwicklungsfirma entnehmen, zu welchem Motor sie eine Zelle entwerfen sollte. Dem Konstruktionsbüro wurde exakt vorgeschrieben, welche genormten Niete, Bleche, Hölzer und Drähte zugeteilt wurden. Den Herren Direktoren wurde zu guter Letzt auch ein Entwicklungszeitplan vorgegeben, der in den Betrieben vor Ort von einem staatlichen Bauaufsichtsführer kontrolliert wurde.
Klare Gliederung der Zuständigkeiten
Entsprach ein Flugzeugmuster den Anforderungen des Technischen Amtes und der Erprobungsstelle, wurde der Serienbau angeordnet. LC teilte die Rüstungsbetriebe zunächst in drei Hauptgruppen ein: Entwicklungsfirmen, Nachbaufirmen und Reparaturbetriebe. Die Haushaltslage bestimmte die Stückzahl der Fertigung. Exakte Lieferpläne gaben das Tempo der Taktstraßen vor. Damit einher gingen vom Reichsluftfahrtministerium zugeteilte Werknummernblöcke, die jede einzelne der weit über 100 000 bis April 1945 gebauten Zellen identifizierte. Im Verlauf des Krieges wurden die Lieferpläne immer wieder über den Haufen geworfen und teilweise nach unten korrigiert, um für die Reichsverteidigung erhöhte Stückzahlen der Jäger Bf 109 und Fw 190 zu ermöglichen.
Schwierige Faktenlage
Das Chaos der letzten Kriegsmonate und verloren gegangene Dokumente machen es in vielen Fällen unmöglich, genaue Zahlen zu ermitteln. Die hier genannten Daten addieren sich aus nachweisbaren Werknummern der V-Muster, Luftwaffenübernahmen, Exporten und Produktionsverlusten durch Bombenangriffe.

Arado Ar 96
2700 Exemplare
Die Arado Ar 96 wurde ab 1936 als Schulflugzeug für die Luftwaffe entwickelt. Der zweisitzige Ganzmetall-Tiefdecker besaß eine geschlossene Kabine und ein Einziehfahrwerk.
Zum Einsatz kam die Ar 96 unter anderem bei Flugzeugführer- und Jagdfliegerschulen. Sie diente der Schulung im Nacht-, Kunst- und Blindflug sowie dem Schießtraining. Vor allem die stärkere B-Serie mit dem Argus As 410 setzte sich durch. Neben Arado wurde das Muster auch bei AGO und Avia gefertigt und blieb bis zum Kriegsende für die Ausbildung im Einsatz.

Grunau Baby
4104 Exemplare
Das Grunau Baby wurde 1931 von Edmund Schneider im schlesischen Grunau als Schulflugzeug entwickelt. Die am häufigsten gebaute Ausführung war das Baby IIb.
Das Segelflugzeug war eines der Basismuster bei der Ausbildung im Nationalsozialistischen Fliegerkorps. Seine einfache Handhabung und robuste Konstruktion machten es für die Grundausbildung geeignet. Da es zudem für den Lizenzbau vorgesehen war, verbreitete sich das Grunau Baby weit über Deutschland hinaus.

Junkers Ju 52
5300 Exemplare
Die Junkers Ju 52 war ursprünglich als ziviles Transportflugzeug entwickelt worden. Ab Mitte der 1930er Jahre baute Junkers die dreimotorige Maschine jedoch auch für die Luftwaffe und rüstete sie mit Maschinengewehren und Bombenmagazinen aus. Ihren ersten militärischen Einsatz absolvierte sie im Spanischen Bürgerkrieg bei der Legion Condor.
Als die neuen Bomber Ju 88, Do 17 und He 111 zur Verfügung standen, wurde die Ju 52 wieder hauptsächlich als Transportflugzeug genutzt. Ihre einfache und robuste Konstruktion kam ihr dabei zugute. Bis Juli 1944 blieb das Muster in Produktion.

Junkers Ju 87
5950 Exemplare
Die Junkers Ju 87 wurde als Sturzkampfbomber entwickelt und flog 1935 erstmals. Ihre robuste Konstruktion war auf die hohen Belastungen beim Sturzangriff ausgelegt. Markant waren die geknickten Tragflächen, die dem Piloten eine bessere Sicht ermöglichten und zugleich kurze Fahrwerksbeine erlaubten.
Sturzflugbremsen begrenzten die Geschwindigkeit im Angriff, während eine Abfangautomatik das Flugzeug nach dem Bombenabwurf wieder aus dem Sturzflug führte. Später kam die Ju 87 auch als Schlachtflugzeug zum Einsatz, unter anderem gegen Panzer.

Messerschmitt Bf 110
6350 Exemplare
Die Messerschmitt Bf 110 entstand als schwer bewaffneter Langstreckenjäger, der Bomberverbände schützen sollte. Am 12. Mai 1936 absolvierte der zweimotorige Zerstörer seinen Erstflug. In der Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums setzte sich der Entwurf gegen die Focke-Wulf Fw 57 und die Henschel Hs 124 durch.
Im Luftkampf gegen leichtere Jäger zeigte die Bf 110 jedoch deutliche Schwächen. Dafür ließ sich das Flugzeug an zahlreiche andere Aufgaben anpassen und kam unter anderem als Jagdbomber, Aufklärer und vor allem als Nachtjäger zum Einsatz. Gerade diese Vielseitigkeit machte sie für die Luftwaffe unverzichtbar. Da die vorgesehenen Nachfolger Me 210 und Me 410 sie nicht vollständig ersetzen konnten, blieb sie bis Kriegsende in Produktion.

Heinkel He 111
7600 Exemplare
Die Heinkel He 111 entstand Anfang der 1930er Jahre zunächst unter dem Deckmantel eines Flugzeugs, das sich sowohl militärisch als auch im zivilen Luftverkehr einsetzen ließ. Tatsächlich spielte die Verwendung als Verkehrsflugzeug später jedoch nur eine Nebenrolle.
Die Konstruktion stammte von den Brüdern Siegfried und Walter Günter und orientierte sich an der Heinkel He 70. Am 17. November 1934 absolvierte der erste unbewaffnete Prototyp seinen Erstflug. Die frühen Ausführungen litten noch unter den schwachen BMW-VI-Motoren. Erst mit stärkeren Daimler-Benz-Triebwerken erreichte die B-Version deutlich bessere Flugleistungen und ging Ende 1936 in die Großserienfertigung.
Später wurde der Junkers Jumo 211 zum Standardmotor. Zugleich ersetzte Heinkel den aufwendig zu fertigenden elliptischen Flügel durch eine einfachere trapezförmige Tragfläche. Die He 111 entwickelte sich zum wichtigsten Bomber der Luftwaffe in der Vorkriegszeit und bildete zugleich die Grundlage für den Ausbau der Heinkel-Werke zu einem der größten deutschen Rüstungsbetriebe. Ihre Produktion lief bis in den Herbst 1944.

Schulgleiter SG 38
8754 Exemplare
Der 1936 entwickelte SG 38 wurde ab 1938 in großen Stückzahlen für die Anfängerschulung gebaut. Seine einfache und preiswerte Konstruktion machte ihn zum Standardgleiter in der Nachwuchsausbildung für die Luftwaffe.
Zum Einsatz kam er an den Flieger-Technischen Vorschulen und den Technischen Vorschulen der Luftwaffe sowie später in den Ausbildungsheimen der Flieger-HJ. Dort sammelten zahlreiche Flugschüler auf dem offenen Gleiter ihre ersten praktischen Flugerfahrungen.

Junkers Ju 88
15500 Exemplare
Mit rund 15 500 gebauten Exemplaren erreicht die Junkers Ju 88 den dritten Platz. Ursprünglich als mittlerer Horizontalbomber konzipiert, absolvierte sie im Dezember 1936 ihren Erstflug. Noch vor Beginn der Serienfertigung ab 1938 wurde der Entwurf umfassend überarbeitet und auch für den Sturzflug angepasst.
Im Laufe des Krieges übernahm die zweimotorige Ju 88 immer neue Aufgaben. Sie kam nicht nur als Bomber zum Einsatz, sondern auch als Fernaufklärer, Torpedoflugzeug und Nachtjäger. Damit gehörte sie zu den vielseitigsten Flugzeugmustern der Luftwaffe.

Focke-Wulf Fw 190
21450 Exemplare
Rund 21 450 Exemplare der Focke-Wulf Fw 190 wurden bis zum Kriegsende gebaut. Der von Rudolf Blaser unter Chefkonstrukteur Kurt Tank entwickelte Ganzmetall-Jäger entstand als Ergänzung zur Messerschmitt Bf 109. Nur zehn Monate nach Beginn der Arbeiten hob die Konstruktion am 1. Juni 1939 mit Cheftestpilot Hans Sander erstmals ab.
Der zunächst verwendete BMW-139-Doppelsternmotor neigte jedoch zur Überhitzung. Ab dem fünften Prototyp kam deshalb der 160 Kilogramm schwerere BMW 801 zum Einsatz. Um die guten Flugeigenschaften zu erhalten, wurde zugleich die Spannweite vergrößert. Der luftgekühlte Sternmotor galt als robust und weniger anfällig für Beschussschäden.
Im Einsatz überzeugte die Fw 190 nicht nur als wendiger Jäger. Mit stärkeren Motoren und unterschiedlicher Bewaffnung entstanden zahlreiche Varianten für den Einsatz als Jagdbomber und Aufklärer. Erprobt wurde sie sogar als Torpedobomber. Die spätere D-9 erhielt den Junkers Jumo 213 A und bot damit auch in größeren Höhen bessere Leistungen. Produziert wurde die Fw 190 neben Focke-Wulf auch bei Fieseler, AGO und Arado.

Messerschmitt Bf 109
34500 Exemplare
Mit rund 34 500 gebauten Exemplaren ist die Messerschmitt Bf 109 das meistproduzierte Flugzeug der Luftwaffe und zugleich das meistgebaute Jagdflugzeug der Welt. Das von Robert Lusser und Willy Messerschmitt bei den Bayerischen Flugzeugwerken (ab Juli 1938 Messerschmitt AG) entwickelte Flugzeug entstand ab 1934 als moderner Ersatz für die damals noch eingesetzten Doppeldecker.
Man setzte auf eine möglichst kleine und leichte Zelle, in der ein leistungsstarker Motor Platz finden sollte. Am 28. Mai 1935 hob der erste Prototyp ab, zunächst noch mit einem britischen Rolls-Royce Kestrel, weil die vorgesehenen deutschen Triebwerke nicht rechtzeitig verfügbar waren.
Den entscheidenden Schritt brachte später der Daimler-Benz DB 601. Seine Einspritzanlage erlaubte Manöver mit negativer Beschleunigung, bei denen Jagdflugzeuge mit Vergasermotoren ins Hintertreffen gerieten. Gleichzeitig stieg die Höchstgeschwindigkeit deutlich. Von der E über die F bis zur G wurde die Bf 109 immer weiter angepasst und verbessert. Die Produktion lief verteilt über zahlreiche Werke, während das Muster vom Kriegsbeginn bis 1945 an nahezu allen Fronten im Einsatz stand.





