Der Fliegerhorst Graf Ignatiewo, eine halbe Autostunde von der mehr als 8000 Jahre alten Stadt Plowdiw entfernt, bietet Besuchern gegenwärtig ein spannendes Bild. Hier, auf der 3. Jagdfliegerbasis der bulgarischen Luftwaffe, vereinen sich Vergangenheit und Zukunft der Luftverteidigung des Landes auf besonders attraktive Weise.
In den provisorischen Sheltern auf der Flightline – Überbleibsel eines Gastspiels der niederländischen Luftwaffe – parken brandneue F-16V von Lockheed Martin und deutlich betagtere MiG-29 aus der UdSSR einträchtig nebeneinander. Die hochmodernen Block 70-F-16 sollen die MiGs in Graf Ignatiewo in den kommenden Jahren beerben. Die ersten Maschinen kamen im Frühjahr 2025 an, inzwischen sind es acht. Bis 2027 muss Lockheed Martin laut Vertrag acht weitere F-16 liefern.
Die Ausbildung bulgarischer Piloten auf dem neuen Muster läuft auf Hochtouren – beim Besuch der FLUG REVUE in Graf Ignatiewo waren zu diesem Zweck auch Instruktoren der US Air Force vor Ort aktiv. Doch noch sind die F-16V nicht einsatzfähig – und solange das so ist, bleibt die MiG-29 für Bulgarien unverzichtbar.
Noch sechs MiG-29 sind flugfähig
Besonders für die Techniker vor Ort ist das eine Herausforderung. Nicht nur weil die MiGs, ab 1989 aus der UdSSR geliefert, inzwischen mehr als 35 Dienstjahre hinter sich haben. Sondern vor allem, weil der Zugang zu Ersatzteilen seit 2022 mehr oder weniger versperrt ist. Nicht zuletzt deshalb sah sich Bulgariens Luftwaffe gezwungen, die MiG-29-Flotte zu kannibalisieren und einzelne Jets als Teilespender aus dem aktiven Dienst zu nehmen.
Das wirkt sich stark auf den Klarstand der Flotte aus. Galten 2018 immerhin noch 15 bulgarische MiG-29 als aktiv, fliegen heute nur noch sechs. Dieses Sextett allerdings hüten die Bodencrews von Graf Ignatiewo wie ihren Augapfel. "Die MiG ist meine große Liebe", gestand eine Technikerin vor Ort schon 2024 im Gespräch mit der FLUG REVUE. Und auch unter Bulgariens Kampfpiloten hat der Sowjet-Fighter immer noch eine große Fan-Basis – die sogar bis in höchste Regierungskreise reicht, steht mit Premierminister (und Ex-Präsident) Rumen Radev doch ein Mann an der Spitze des Landes, der die MiG-29 in Graf Ignatiewo einst selbst ausgiebig flog.

Auf dem Fliegerhorst Graf Ignatiewo nahe Plowdiw fliegen alte MiG-29 und neue F-16V der bulgarischen Luftwaffe gemeinsam.
MiG-29 stellen weiter die Alarmrotte
In der Hauptstadt Sofia plant man nach jüngstem Stand offiziell, die MiGs noch bis 2030 einsatzklar zu halten. Für einen solchen Beschluss sind entsprechende Sympathien der Entscheidungsträger sicherlich kein Schaden. Allerdings spricht aus dem Vorhaben trotzdem weniger Folklore als vielmehr operative Notwendigkeit – stellen die MiG-29 in Graf Ignatiewo doch unter anderem weiter die Alarmrotte der bulgarischen Luftwaffe, für die man ansonsten auf Amtshilfe durch NATO-Partner angewiesen wäre.

Die Wartung der letzten verbliebenen MiG-29 wird für die Techniker immer schwieriger. Vor allem für die Triebwerke fehlen Ersatzteile.
Hilfe vom NATO-Partner Polen
Mit bloßer Leidenschaft allein, so viel ist klar, können die Bulgaren ihre MiGs aber kaum bis 2030 über die Zielline retten. Auf der Suche nach Ersatzteilen, insbesondere für die wartungsintensiven Klimow RD-33-Turbofans, grast man aus diesem Grund regelmäßig alle politisch erreichbaren Quellen ab. So erhielt die bulgarische Luftwaffe in den vergangenen Jahren immer wieder Hilfe aus Polen, wo die MiG-29 ebenfalls noch fliegt. So fanden Triebwerke stillgelegter polnischer MiGs ihren Weg nach Graf Ignatiewo, und reparaturbedürftige RD-33 aus Bulgarien kamen zur Instandsetzung nach Polen.

Bei den bulgarischen MiGs handelt es sich um MiG-29A (Einsitzer, Foto) und MiG-29UB (Doppelsitzer), die ab 1989 fabrikneu aus der Sowjetunion geliefert wurden.
MiGs für Bulgarien statt für die Ukraine?
Die zögerliche bis ablehnende Haltung der polnischen Regierung, weitere MiG-29 an die Ukraine zu spenden, spielt den Bulgaren bei ihren weiteren Bemühungen in die Karten. Bei Gesprächen zwischen dem bulgarischen Verteidigungsminister Dimitar Stojanow und dem polnischen Außenminister Radosław Sikorski am Rande des jüngsten NATO-Gipfels in Ankara soll es Berichten zufolge auch darum gegangen sein, der bulgarischen Luftwaffe MiG-Ersatzteile und -triebwerke aus Polen zu beschaffen.

Wann die bulgarischen MiG-29 zum letzten Mal von der Flightline geschleppt werden, ist noch offen. Geplant ist der Weiterbetrieb im Idealfall bis 2030.
Totgesagte leben länger
In Anbetracht der Tatsache, dass es aus Sofia noch vor vier Jahren hieß, man könne den Betrieb der MiG-29 nicht über das Jahr 2023 hinaus aufrecht halten, ist es beinahe ein Wunder, dass die alten MiGs noch immer fliegen und nun gar bis 2030 Teil der Planung sind.
Doch die Regierung schloss zwischenzeitlich neue Wartungsverträge ab und stellte finanzielle Mittel in Höhe von 13 Millionen Lewa (6,65 Millionen Euro) für die Instandhaltung der MiGs bereit. Außerdem werden die Flugzeuge nicht besonders häufig geflogen und so gut es geht geschont. Nur rund 35 Stunden im Monat ist jeder MiG-29-Pilot in Graf Ignatiewo durchschnittlich in der Luft. Die Flugmissionen beschränken sich im Staffelalltag weitgehend auf die Luftraumüberwachung – doch auch bei internationalen Übungen, zuletzt bei "Thracian Blade" im Juni, kann man Bulgariens MiG-29 weiter in Aktion erleben.





