Ein 30 Meter langer roter Teppich, das Orchester der US Air Force, 21 Salut-Schüsse – und US-Kampfjets, die per Überflug von oben grüßten. Das war das Empfangskomitee für Chinas Staatschef Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan, als sie am 23. September mit ihrer Boeing 747-8I in Air China-Lackierung zu einem dreitägigen Staatsbesuch auf der Joint Base Andrews nahe Washington D.C. landeten.
Natürlich hießen US-Präsident Trump und First Lady Melania den hohen Besuch aus dem Reich der Mitte vor Ort persönlich willkommen. Immerhin markierte die Ankunft von Xi Jinping den ersten Besuch eines chinesischen Präsidenten auf US-Territorium seit mehr als einem Jahrzehnt. Und selbstredend sahen sich die Gastgeber genötigt, vor dem hohen Gast ordentlich Eindruck zu machen.
Zur Krönung schickte die US Air Force, während die Kapelle am Boden die Nationalhymne der USA zum Besten gab, auch noch zwei Rockwell B-1B Lancer vom 7th Bomb Wing aus Dyess (Texas) vorbei.
Xi Jinping schien die eindrückliche "Show of Force" allerdings eher kalt zu lassen – mit stoisch-gleichgültigem Grinsen nahm er die Bemühungen der Gastgeber zur Kenntnis.
Trump: "Das war wirklich laut!"
US-Amtskollege Trump bewies im Vergleich dazu ein eher empfindsames Gehör – und zuckte mit verzerrtem Gesicht plötzlich zusammen, als die beiden B-1B mit gezündeten Nachbrennern über seinen Kopf hinweg donnerten.
"Das war wirklich laut", raunte er in Richtung seines Amtskollegen, als er seine Contenance zurückerlangt hatte – und vergaß dabei für einen Moment sogar, dem Finale der Hymne zu lauschen.
Machtdemonstration macht Eindruck – bei Trump
Der Überflug der Lancer-Bomber kam offenbar auch für Trump überraschend, und war im Vorfeld tatsächlich nicht offiziell angekündigt worden.
Beobachter werteten das Erscheinen der Schwenkflügler im Nachgang als klares Machtzeichen gegenüber China."Das unerwartete Auftauchen der B-1B war wahrscheinlich ein Versuch, diplomatische Höflichkeit mit einer Demonstration der militärischen Stärke der USA im Vorfeld der Gipfelgespräche zu verbinden", urteilte beispielsweise die Webseite "Eurasian Times". Schließlich seien B-1B in den vergangenen Jahren immer wieder im indopazifischen Luftraum an Missionen beteiligt gewesen, die seitens der Chinesen als Provokationen wahrgenommen wurden.
Ganz abgesehen davon hinterlässt die überschallschnelle B-1B, zumindest akustisch, mit ihren vier General Electric F101-GE-102-Triebweken samt Nachbrennern von allen drei US-Langstreckenbombermustern den bleibendsten Eindruck. Vielleicht weniger beim in dieser Hinsicht offensichtlich abgebrühten Xi Jinping, aber auf alle Fälle bei seinem US-Kollegen Donald Trump.
Kurze Geschichte der B-1B Lancer
Die Lancer, im Air Force-Jargon auch "Bone" genannt (abgeleitet von "B-One") zählt seit rund vier Jahrzehnten zum Repertoire der strategischen Bomberflotte der USA. Die erste B-1B flog am 18. Oktober 1984 in Palmdale. Schon im Juni 1985 begannen die Lieferungen an das Strategic Air Command. Die Einsatzbereitschaft wurde im Oktober 1986 erreicht. Die letzte B-1B rollte am 20. Januar 1988 aus der Montagehalle.
Der scheinbar kurze Zeitrahmen trügt jedoch ein wenig, denn die Einführung der B-1B war mit erheblichen Problemen insbesondere beim elektronischen Selbstschutzsystem und bei den Triebwerken verbunden, was lange Zeit zu niedrigen Klarstandsraten führte.

Bei der Operation "Epic Fury" im Frühjahr 2026 flogen B-1B von Fairford aus zahlreiche Angrifsswellen auf den Iran.
Hauptrolle bei "Epic Fury"
Nachdem der Kalte Krieg beendet war, widmete die Air Force ihre B-1B vom Atombomber zum konventionellen Kampfflugzeug um. Als solches bleibt die Lancer auch heute noch ein wichtiger Teil der US-Bomberflotte, unter Beweis gestellt zuletzt im Rahmen der Operation "Epic Fury" gegen den Iran, bei der mehrere B-1B vom britischen Stützpunkt Fairford aus massive Angriffe flogen.
Derzeit liegt das Hauptaugenmerk der Einsatzkräfte darauf, die verbliebene Flotte der Schwenkflügler bis zur Verfügbarkeit der neuen Northrop Grumman B-21 Raider effektiv und sicher in Dienst zu halten. Unter anderem werden die Pläne digitalisiert und Ermüdungsversuche sollen eventuelle Schwachstellen aufdecken.





