Grounding nach Bruchlandung
Alle B-2A-Stealth-Bomber haben Flugverbot

Die US Air Force muss bis auf Weiteres ohne ihre Nurflügler-Flotte klarkommen. Weil eine Northrop B-2A Spirit am 10. Dezember eine Bruchlandung hinlegte und Feuer fing, müssen alle anderen Stealth-Bomber zur Inspektion. Es war nicht der erste Unfall dieser Art.

SPIRIT VIGILANCE Elephant Walk
Foto: USAF

Noch vor einem Monat strotzten sie auf der Whiteman Air Force Base im US-Bundesstaat Missouri vor Selbstbewusstsein. Whiteman ist seit Anfang der 90er-Jahre die Heimat aller im Einsatz stehenden Stealth-Nurflügler vom Typ Northrop B-2A Spirit. Nur 21 Exemplare des sündhaft teuren Atombombers wurden jemals produziert. Mindestens acht davon nahmen im November an der Übung "Spirit Vigilance 22" teil – und posierten am Abschlusstag gemeinsam über die Runway rollend für die Kameras. Der "Elephant Walk" der Stealth-Bomber sollte unterstreichen: mit der B-2 ist jederzeit zu rechnen. "Wir zeigen unseren Gegnern und uns selbst, wie gut wir performen können", kommentierte Captain Richard Collier, Leiter der Wartungsabteilung in Whiteman, zum Ausklang von "Spirit Vigilance".

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Bruchlandung und Brand

Seit dem 10. Dezember aber haben Collier und seine Kameraden vom 509th Bomb Wing, dem die B-2A zugeordnet sind, andere Sorgen. An diesem Tag nämlich erlitt einer der Nurflügler laut Air Force-Angaben während eines Trainingsfluges in der Luft eine "Fehlfunktion" und musste notlanden. Dabei fing die B-2A Feuer und wurde stark beschädigt – ob sie je wieder fliegen wird, scheint mehr als fraglich. Die Piloten des Bombers blieben unversehrt, die Landebahn des Fliegerhorsts musste jedoch geschlossen werden. Der Flugbetrieb vor Ort ruht bis mindestens 31. Dezember. Unfallermittler nahmen sich währenddessen der havarierten B-2A an. Erste Untersuchungsergebnisse deuten mutmaßlich auf ein technisches Problem hin, das auch alle anderen Stealth-Bomber betreffen könnte: Jedenfalls erging nun als direkte Konsequenz aus dem Zwischenfall seitens des US Air Force Global Strike Command (AFGSC) ein temporäres Flugverbot für sämtliche B-2A der US Air Force.

USAF
Noch im November 2022 traten die B-2A der USAF in Whiteman zum "Elaphant Walk" an - nun haben sie Flugverbot.

Grounding statt Abschreckung

Damit büßt die US-Luftwaffe bis auf Weiteres einen gewichtigen Teil ihrer strategischen Bomberflotte ein. Auch für die alljährliche "Rose Parade" am 2. Januar 2023 in Kalifornien, bei der ein B-2A-Überflug eigentlich zur Tradition gehört, müssen die Nurflügler dieses Mal passen. Ihren Part übernehmen B-1B Lancer von der Ellsworth Air Force Base in South Dakota.

Die im September 2021 verunfallte B-2A "Spirit of Georgia" liegt nach ihrer Bruchlandung neben der Runway. Beim jüngsten Zwischenfall kam noch ein Feuer hinzu. (Foto: USAF)

Zweiter Zwischenfall

Für den 509th Bomb Wing ist der wahrscheinliche Totalverlust der am 10. Dezember bruchgelandeten Maschine bereits der zweite Zwischenfall dieser Art seit dem 14. September 2021. Damals meldete die Crew der B-2A "Spirit of Georgia" während eines Übungsfluges ebenfalls eine Fehlfunktion und entschied sich zur außerplanmäßigen Rückkehr nach Whiteman. Bei der anschließenden Sicherheitslandung kollabierte das linke Hauptfahrwerk – wie Ermittlungen später ergaben, infolge eines Hydraulikfehlers. Der seinerzeit ermittelte Sachschaden an dem Flugzeug bezifferte sich auf mindestens 10,1 Millionen US-Dollar.

Der Schaden an dem in den jüngsten Zwischenfall involvierten Stealth-Bomber dürfte wegen des Feuers an Bord noch deutlich umfangreicher sein – und das aus Sicherheitsgründen angeordnete Grounding setzt dem noch im November so sorgsam und offensiv gepflegten Image der B-2A als strategische Abschreckunsgwaffe einen empfindlichen Kontrapunkt. Vor diesem Hintergrund dürfte die US Air Force dem für 2023 anberaumten Erstflug des designierten Nachfolgemusters B-21 Raider noch sehnlicher entgegenblicken als ohnehin schon.