Türkischer Tarnkappenjäger: Kampfjet Kaan offiziell bestellt

Türkischer Tarnkappenjäger
Ankara zeichnet Beschaffungsvertrag für Kampfjet Kaan

ArtikeldatumVeröffentlicht am 07.05.2026
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Die Türkei beschafft den neuen heimischen Kaan-Tarnkappenjet – jetzt auch offiziell. Das staatliche Beschaffungsamt SSB und der Luft- und Raumfahrtkonzern TAI (Turkish Aerospace Industries) unterzeichneten einen offiziellen Vertrag über die Beschaffung des Kampfflugzeugs Kaan auf der türkischen SAHA-Rüstungsmesse. Um wie viele Jets es genau geht, ist noch nicht bekannt.

SSB-Präsident Haluk Görün, TAI-Verwaltungsratsvorsitzender Ömer Cihad Vardan sowie TAI-Generaldirektor Mehmet Demiroğlu setzten gemeinsam ihre Namen unter das Dokument. Görün betonte dabei den Stellenwert eigenständiger Rüstungsentwicklung.

Der Kaan-Kampfjet ist konzipiert, um den Anforderungen moderner Luftkämpfe gerecht zu werden. Der Stealth-Jet soll eine geringe Radarsignatur aufweisen, besitzt interne Waffenschächte und moderne, einheimische Sensorik und soll sowohl im Luft-Luft- als auch im Luft-Boden-Einsatz zum Zuge kommen.

Das Flugzeug ist mit vollständig mit türkischen Systemen ausgestattet – darunter AESA-Radar, elektrooptisches Zielsystem und Infrarotzielsystem. Die Dienstgipfelhöhe wird mit rund 13.700 Metern angegeben.

Zwei Jahre nach dem Erstflug

Die Flugtestphase begann im Februar 2024, als der Kaan-Prototyp P0 seinen Erstflug absolvierte und dabei eine Höhe von rund 2.400 Metern erreichte. Ein zweiter Testflug folgte wenige Monate später mit leicht gesteigerter Gipfelhöhe. Angeblich soll der Prototyp inzwischen knapp zehnmal in der Luft gewesen sein, wofür es aber keine offizielle Bestätigung gibt.

Geplant ist die Indienststellung in den 2030er-Jahren, wo der Kaan schrittweise die derzeit noch im Einsatz befindlichen Lockheed Martin F-16 ergänzen und perspektivisch zumindest zum Teil ersetzen soll. Die türkische F-16-Flotte ist mit über 230 Jets die zweitgrößte der NATO. Nur die US Air Force fliegt mehr Maschinen des Typs.

Türkischer Kampfjet Kaan beim Triebwerkstest mit Nachbrenner
TAI (TUSAS)

Zum zweiten Jahrestag des Erstflugs vor drei Monaten rollte der Konzern Ende Februar gleich drei Flugzeuge gleichzeitig aus dem Hangar. Neben dem bekannten ersten Prototyp P0 zeigte TAI auch den weitgehend fertiggestellten P1 und den erst teilweise montierten P2. Letzterer ist als sogenannter "Iron Bird" ausschließlich für Bodentests vorgesehen. P1 hingegen soll so bald wie möglich erstmals fliegen.

Am neuen Exemplar sind deutlich mehr Sensoren verbaut als beim Vorgänger. Unter dem Rumpf trägt P1 das elektrooptische Zielsystem Toygun des türkischen Rüstungsunternehmens Aselsan, während auch der Nasensensor für das Infrarotzielsystem Karat bereits bestückt scheint. Beim ersten Prototyp blieben beide Positionen noch leer.

Äußerlich hat das Flugzeug gegenüber dem Erstling spürbare Veränderungen erfahren. Die Hinterkanten der Höhenruder sind nun abgewinkelt statt gerade, der Rumpfrücken zwischen den Triebwerken wirkt voluminöser, und die seitlichen Lufteinlässe setzen weiter hinten und etwas höher an als zuvor.

Mehr Unabhängigkeit, mehr Export

Die Türkei will mit dem Kaan die Abhängigkeit von ausländischen Waffensystemen langfristig verringern und gleichzeitig mit eigenen Entwicklungen auf dem internationalen Rüstungsmarkt neue Kunden gewinnen.

Mit dem heimisch entwickelten Hürjet, dem ersten eigenen Strahltrainer des Landes, hat die Türkei bereits erste Exporterfolge erzielt. Auf dem Drohnenmarkt ist die Türkei schon seit Jahren einer der größten Exporteure weltweit.