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Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon

Der Bestseller unter den Kampfjets

Foto: USAF

Mit über 4500 Flugzeugen ist die Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon der mit Abstand meistgebaute Kampfjet der letzten vier Jahrzehnte. Modernisierungsprogramme halten die Flotte fit.

Der Jom-Kippur-Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn war gerade vorbei und über US-Präsident Nixon braute sich ein Amtsenthebungsverfahren zusammen, als General Dynamics am 13. Dezember 1973 in Fort Worth seinen neuen Hoffnungsträger aus der Halle rollte. Was damals wohl noch niemand ahnen konnte: Die auf Wendigkeit getrimmte YF-16 erwies sich als so leistungsstarker und entwicklungsfähiger Entwurf, dass in den folgenden vier Jahrzehnten immer weiter verbesserte Versionen in die Fertigung gingen.

Foto: Lockheed-Martin
Die letzten in Fort Worth (Texas) gebauten F-16 gingen an den Irak.

Ständig in Entwicklung

Auch wenn sich die äußere Form der Fighting Falcon bis auf die hässlichen Zusatztanks an den Rumpfseiten kaum verändert hat, blieb ansonsten natürlich kaum ein Teil unangetastet. Das Pratt & Whitney-Triebwerk F100, das in den Prototypen noch 102,2 Kilonewton leistete, liefert heute maximal 129,7 Kilonewton Schub, das alternativ erhältliche F110 von GE Aviation ist sogar bei 144,4 kN angekommen (F-16E). Entsprechend konnte die maximale Abflugmasse von 14 970 Kilogramm in der frühen F-16A auf 21770 Kilogramm anwachsen, was eine flexible Bewaffnung mit unzähligen verschiedenen Bomben und Lenkwaffen ermöglicht.

Die wesentlichen Fortschritte zwischen der YF-16 aus den 1970er Jahren und den heutigen F-16E/F Block 60 und den künftigen F-16V (Block 70) betreffen aber die Avionik. Statt eines Radars mit mechanisch schwenkbarer Antenne ist ein AESA-System mit elektronischer Strahlschwenkung eingebaut. Den Piloten stehen statt konventionellen Instrumenten große Farbbildschirme zur Verfügung.

Foto: Lockheed-Martin
Joradnien hat seine F-16-Flotte komplett aus gebrauchten Flugzeugen aufgebaut, darunter 18 Maschinen aus den Niederlanden.

Mehr als 4500 Flugzeuge

Dank diverser Modifikationen und eines vergleichsweise günstigen Preises blieb die F-16 lange Zeit konkurrenzfähig. In den Hochzeiten der Produktion 1987 wurden im traditionsreichen, eine Meile langen Air Force Plant 4 bis zu 30 Flugzeuge pro Monat montiert, was die Mitarbeiterzahl auf rund 30 000 brachte. Doch nicht nur in Texas wurde die F-16 produziert, im Rahmen der Exportaktivitäten gab es zeitweise auch Endmontagelinien in den Niederlanden, in Belgien, der Türkei und Südkorea. Insgesamt wurden bisher nicht weniger als 4588 Fighting Falcons ausgeliefert, die in über zwei Dutzend Ländern im Einsatz waren oder noch sind.

Von der F-16 zur F-35

Neue Konkurrenten wie die Gripen oder zweistrahlige Muster wie die Rafale und der Eurofighter machten der F-16 in den letzten Jahren das Leben schwer, sodass die Produktionsraten deutlich zusammenschrumpften. Zuletzt wurden in Fort Worth noch 36 Kampfjets für die irakischen Luftstreitkräfte gebaut. Die letzte dieser F-16IQ (F-16C Block 52+) verließ ohne große Feier am 14. November 2017 das „Falkennest“ in Texas. Auch wenn für das Werk in Fort Worth nach 3620 gebauten Flugzeugen eine Ära zu Ende geht, ist seine Zukunft bereits seit Langem gesichert: Hier wird nämlich die F-35 Lightning II gebaut, deren Produktionsrate in den kommenden Jahren erheblich ansteigen soll.

Foto: Lockheed-Martin
Insgesamt verließen bisher 4588 die Werkshallen. Auch wenn die Produktion inzwischen deutlich zurückgefahren wurde, ein Ende ist nicht in Sicht.

Neue Falken für Bahrain

Auch die F-16-Fertigung geht weiter, denn nur zwei Wochen nach der Lieferung der letzten F-16IQ unterzeichneten US-Vizepräsident Mike Pence und der Kronprinz von Bahrain, Prinz Salman bin Hamad Al Khalifa, ein Abkommen über die Beschaffung von 16 F-16 Block 70 (F-16V) im Wert von 2,3 Milliarden Dollar (1,95 Mrd. Euro). In Erwartung dieses Auftrags hatte Lockheed Martin bereits seit dem Frühjahr 2018 damit begonnen, die Endmontagelinie von Texas nach Greenville in South Carolina zu verlagern, was Platz für die F-35-Fertigung schafft. Etwa 18 Monate ab Vertragsunterzeichnung wird es laut Hersteller wohl dauern, bis die Lieferungen der F-16 wieder anlaufen.

Foto: Lockheed-Martin
Pakistan erhielt ab 2010 18 Maschinen der F-16-Variante Block 52 (im Bild der Doppelsitzer).

Neue Märkte stets im Blick

Nach Bahrain hat sich im Juli 2018 auch die Slowakei für die F-16 Block 70/72 entschieden. Für 2,91 Milliarden Dollar (inklusive Bewaffnung, Ausbildung, Ersatzteile etc.) sollen 14 Jets als Ersatz für die MiG-29 beschafft werden. Darüber hinaus sieht Lockheed Martin weitere Absatzmöglichkeiten für neue F-16 in Indonesien, Kolumbien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dazu käme eventuell Pakistan, falls der Kongress sein Veto überdenkt. Dass die Pakistanis die F-16 nutzen, ist ein Problem beim Marketing in Indien, das mit 100 bis 250 Maschinen ein viel höheres Potenzial böte. Sollte es hier irgendwann zu einem Verkauf kommen, würde die Fertigung in das Land verlagert. Vorerst hat Lockheed Martin einen Vertrag mit Tata über den Bau der Tragflächen geschlossen.

Foto: USAF
Die F-16 kann an zahlreichen Außenstationen über 9600 kg Waffen mitführen.

Einsatz bis nach 2040?

Unabhängig von der Produktion von Neuflugzeugen sieht Lockheed Martin gute Geschäfte inder Modernisierung vorhandener Fighting Falcons. Aufträge dafür gibt es bereits aus Taiwan (142 Flugzeuge), Singapur (bis zu 60) und Südkorea. Als Nächstes könnte Griechenland an der Reihe sein. Zudem ist die US Air Force, die ihre letzten neuen F-16 im Jahr 1999 bestellt hat, daran interessiert, einen Teil ihrer Fighting Falcons weiterhin zu nutzen. Dazu wurden bei Lockheed Martin zusätzliche Strukturversuche durchgeführt. Im Ergebnis soll mit entsprechenden Verstärkungen eine Lebensdauerverlängerung auf 12 000 Flugstunden möglich sein. So könnte die F-16 noch bis Mitte der 2040er Jahre fliegen.

Foto: USAF
Dank guter Wartung und Maßnahmen zur Verlängerung der Lebensdauer könnte die F-16 bis weit nach 2040 ihren Dienst verrichten.

Technische Daten Lockheed Martin F-16C/D

Hersteller: Lockheed Martin, Lizenzbau in Belgien, Türkei und Südkorea
Besatzung: 1 oder 2 in der D-Version
Antrieb: 1 x General Electric F110-GE-129 oder Pratt & Whitney F100-PW-129
Schub mit Nachbrenner: 1 x 131,6 kN beim F110 oder 129,7 kN beim F100

Länge: 15,04 m
Höhe: 5,09 m
Spannweite: 10,00 m über Lenkwaffen
Flügelfläche: 27,87 m2

Leermasse: 8433 kg (F100) bis 8581 kg (F110- Triebwerk)
Leermasse mit Rumpfrückentanks: 9358 kg (F100), 9466 kg (F110-Triebwerk)
Leermasse D-Version: 9310 bis 9420 kg, Kraftstoff intern: 3985l, zusätzlich 1703 l in Rumpfrückentanks
max. Außenlast mit vollen Tanks: 9635 kg (F100-Triebwerk)
max. Startmasse: 21 770 kg

max. Geschwindigkeit: Mach 2.0 plus in 12 200 m
Dienstgipfelhöhe: 15 240 m
Einsatzradius: 1360 km im Hi-lo-lo-hi-Missionsprofil mit zwei 907-kg-Bomben und zwei Sidewinder sowie Rumpfrückentanks
Überführungsreichweite: 3980 km für F-16C Block 50 mit Rumpfrückentanks und 3940-l-Zusatztanks

Bewaffnung:
Interne 20-mm-Kanone (511 Schuss); 11 Außenlast-stationen für eine Vielzahl von Waffen, Luft-Luft-Lenkwaffen: AIM-9 Sidewinder (2 an den Flügelspitzen), AIM-7 Sparrow, ASRAAM, AIM-120 AMRAAM, Python 3 oder Python 4, Luft-Boden-Lenkwaffen: AGM-88 HARM, AGM-65A/B/D/G Maverick, AGM-84 Harpoon, AGM-154 JSOW (Joint Stand-Off Weapon),Penguin 3, Lenkbomben: GBU-10 Paveway II (950 kg) , GBU-12 Paveway II (225 kg) , GBU-22, GBU-24, GBU-27, GBU-15-Gleitbombe (950 kg), JDAM (Joint Direct Attack Munition);konventionelle Bomben wie Mk82, Mk 84, Raketenbehälter: LAU-3A/5003,Zusatztanks: 1135 l unter dem Rumpf, 1400 oder 2270 l unter den Tragflächen;diverse Zielbehälter und Aufklärungsbehälter

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