Nur jede dritte F-35 einsatzbereit: Alarmierende Rückstände beim Stealth-Fighter

US-Rechnungshof sieht alarmierende Wartungslücken
Weniger als jede dritte F-35 einsatzbereit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.06.2026
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Die US-amerikanischen Streitkräfte stecken mit ihrem modernsten Kampfflugzeug seit einigen Jahren in der Krise. Doch besser scheint es nicht zu werden: Der aktuelle Instandhaltungsbericht des US-Rechnungshofs (GAO) zeichnet ein ernüchterndes Bild.

Im vergangenen Jahr waren demnach weniger als drei von zehn F-35 Lightning II uneingeschränkt einsatzbereit. Die sogenannte "Full Mission Capable Rate" lag bei gerade einmal 25 Prozent, gegenüber 38 Prozent im Jahr 2021. Von den rund 800 Jets in US-Diensten waren im vergangenen Jahr also nur 192 vollumfänglich dienstfähig.

Die allgemeine Einsatzbereitschaft, sprich die Fähigkeit zur Erfüllung "mindestens einer Aufgabe", fiel im selben Zeitraum von 67 auf nur noch 44 Prozent. Bei der Air Force sank die volle Einsatzfähigkeit ihrer F-35A auf einen historischen Tiefstand. Nicht einmal ein Drittel dieser Flotte ist hier einsatzbereit.

Seit 2020 verfehlt die gesamte F-35-Flotte die selbst gesteckten Mindestanforderungen der Streitkräfte durchgehend und deutlich, und das trotz stetig steigender Betriebskosten. Anvisiert ist derzeit vom Pentagon eine allgemeine Einsatzbereitschaft von 75 Prozent.

Softwareprobleme, Ersatzteilmangel, Korrosion

Als Ursachen nennen Luftwaffenvertreter neu übernommene Maschinen, die wegen Softwaredefiziten noch nicht vollständig betrieben werden können. Das sogenannte Technology-Refresh-3-Paket versetzt betroffene Jets bislang lediglich in die Lage, einfache Trainingsflüge zu absolvieren. Hinzu kommen chronischer Ersatzteilmangel, ineffiziente Wartung und weitverbreitete Korrosionsschäden.

In seiner eigenen internen Bewertung der Lage resümierte das F-35 Joint Program Office (JPO), man habe über Jahre hinweg die Beschaffung neuer Flugzeuge auf Kosten der Wartungsinfrastruktur priorisiert. Ohne grundlegende Korrekturen werde sich die Lage mit wachsender Flottengröße weiter verschlechtern.

F-35 Lightning II der finnischen Luftwaffe
Ilmavoimat

13,7 Milliarden Dollar als Notfallprogramm

Als Reaktion darauf legte das JPO im Juni 2025 ein umfassendes Reformpaket vor, das intern als "GSS Reset" bezeichnet wird. Das Programm sieht bis 2031 Zusatzinvestitionen von rund 13,7 Milliarden US-Dollar vor. Mehr als die Hälfte des Budgets ist für Ersatzteile und Reparaturmaterial vorgesehen.

Bis 2030 sollen so eine allgemeine Einsatzbereitschaft von 80 Prozent und eine volle Kampfbereitschaft von 65 Prozent erreicht werden.

Doch der Rechnungshof zweifelt noch daran, dass dieses Ziel erreichbar ist. Einige zentrale Risiken gefährden das Programm: Erstens fehlt nach wie vor der Zugang zu notwendigen technischen Daten. Seit über zehn Jahren mahnt der GAO dieses Problem bereits an – bisher allerdings ohne Erfolg.

Wegen fehlender Datenzugangsrechte sind Techniker etwa bei Korrosionsreparaturen auf teure Zuarbeit des Herstellers Lockheed Martin angewiesen.

Zweitens könnte die Industrie schlicht nicht in der Lage sein, die bestellten Teile zu liefern. Für 48 Komponenten fehlt demzufolge die Fertigungskapazität. Unter anderem auch für die Cockpithaube, die als einer der häufigsten Ausfallgründe gilt.

Zudem deckt das angestrebte Leistungsniveau nicht einmal die tatsächlichen Anforderungen der Luftwaffe, die intern eine volle Einsatzbereitschaft von 80 Prozent als Ziel ausgibt.

In dem Bericht des Rechnungshofes heißt es abschließend, die F-35 verschaffe dem US-Verteidigungsministerium im Bereich der taktischen Luftfahrt einen wertvollen Vorteil gegenüber potenziellen Gegnern. "Unsere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die F-35 die Anforderungen der Streitkräfte hinsichtlich der Einsatzbereitschaft und Instandhaltung nicht erfüllt", so der Rechnungshof.

Lockheed Martin in der Kritik

Hauptauftragnehmer Lockheed Martin kommt in dem GAO-Bericht nicht ungeschoren davon. Pentagon-Prüfer hatten bereits Ende 2025 beanstandet, dass das Ministerium den Hersteller bei anhaltend schlechter Wartungsleistung und entsprechender Vertragspflicht nicht konsequent zur Rechenschaft gezogen habe.

Die Anreizstruktur in den Wartungsverträgen sei grundlegend fehlerhaft gewesen und deshalb inzwischen angepasst worden. Lockheed erhielt demnach jahrelang Bonuszahlungen, obwohl die vereinbarten Mindestleistungen weit unter den tatsächlichen Anforderungen der Streitkräfte lagen.

F-35 immer teurer

Das F-35-Programm gilt als das kostspieligste Rüstungsvorhaben in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Allein die Betriebskosten für die US-Flotte werden bis zum Programmende 2088 auf 1,6 Billionen Dollar geschätzt.

Inzwischen übersteigen die tatsächlichen Kosten pro Maschine und Jahr die Haushaltsziele aller drei beteiligten Teilstreitkräfte der USA. Bis Mitte der 2030er-Jahre rechnet das JPO mit einer jährlichen Deckungslücke von mehr als einer Milliarde Dollar zwischen Bedarf und Finanzplanung.

Ursprünglich sollte die F-35A nicht teurer im Unterhalt sein als ihr Vorgänger, die F-16. Tatsächlich kostet der Betrieb nahezu doppelt so viel. Und die neuen Tarnkappenjets fallen auch noch öfter aus.