Neuer Super-Kampfjet oder hässliches Entlein? Russischer Su-57-Doppelsitzer fliegt

Russland macht es offiziell
Hier startet der erste Su-57-Zweisitzer zum Erstflug

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.05.2026
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Der erste Prototyp einer Suchoi Su-57 mit Doppelsitzer-Cockpit ist flügge: Kein Geringerer als der international durch seine Airshow-Auftritte bekannte Suchoi-Testpilot Sergej Bogdan saß am Steuer, als die Su-57D am Flugtestzentrum Schukowski zum Jungfernflug abhob. "Experten der Vereinigten Flugzeugbau-Korporation haben mit den Flugtests des zweisitzigen Mehrzweckkampfflugzeugs der fünften Generation Su-57D begonnen", kommentierte Russlands staatlicher Luftfahrtkonzern UAC im Nachgang – und schickte gleich noch ein paar Bilder vom Erstflug mit.

Es waren dies die ersten öffentlichen Informationen, die die Existenz einer doppelsitzigen Su-57 offiziell bestätigten. Tage zuvor hatte der russische Telegram-Kanal "Fighterbomber" bereits ein Foto der Su-57D bei Rolltests geleakt – die Echtheit der Aufnahme ließ sich allerdings nicht zweifelsfrei bestätigen und wurde entsprechend von manchen Beobachtern angezweifelt.

Mit dem bekanntgegebenen Erstflug der Tandem-Su-57 straft UAC diese Kommentatoren jedoch Lügen – und macht die russische Su-57 nach der Chengdu J-20AS aus China zum zweiten Stealth-Kampfjet weltweit, den es auch mit Zwei-Mann-Cockpit gibt.

Su-57 als Kommandoflugzeug

Der erste Flug der Su-57D verlief nach Angaben des zu Rostec gehörenden Konsortiums "planmäßig gemäß den Bedingungen des Flugauftrags." Das hintere Cockpit blieb vorerst noch leer, doch das soll nicht lange so bleiben: "Dieses Flugzeug, das von unseren Flugzeugbauern eigenständig entwickelt wurde, wird neben seinen einzigartigen Kampfeigenschaften auch die Funktionen eines Trainings- und Kampfflugzeugs sowie die Fähigkeiten eines Luftkampf-Kommandoflugzeugs besitzen", gab Russlands Vize-Premierminister Denis Manturow nach dem Jungfernflug zu Protokoll.

In letzterer Funktion könnte die Su-57D besser im Verbund mit großen Drohnen agieren – sogenannten "loyal wingmen", die sich vom hinteren Sitz aus koordinieren und kommandieren lassen.

Suchoi Su-57D (Doppelsitzer) beim Erstflug.
UAC (OAK)

Zweisitzer für den Export

UAC-Generaldirektor Wadim Badecha ergänzte, sein Unternehmen arbeite "weiter an der Verbesserung und Erweiterung der Funktionen" der Su-57, die er in diesem Zusammenhang als "Luftfahrtkomplex der fünften Generation" klassifizierte. Badecha machte außerdem keinen Hehl daraus, dass Russland mit der zweisitzigen Su-57-Variante vor allem auf Exporterfolge abzielt: "Ich bin überzeugt, dass die zweisitzige Version des Flugzeugs wesentlich zu seinem Erfolg auf den ausländischen Märkten beitragen wird", so der UAC-Chef.

Suchoi Su-57D (Doppelsitzer) beim Erstflug.
UAC (OAK)

Maßgeschneidert für Indien?

Insbesondere Indien dürfte dabei im Fokus stehen. Russland bot den Indern in der jüngeren Vergangenheit sehr offensiv einen Su-57-Kauf zu besonders günstigen Konditionen an – inklusive Lizenzbau und vollständigem Technologie-Transfer. Doch angebissen hat man in Neu-Delhi bislang nicht. Mit Erscheinen der Doppelsitzer-Variante könnte dies sich womöglich ändern, denn bereits vor Jahren hatte Indien den Wunsch nach einem Stealth-Fighter mit Tandem-Cockpit geäußert – analog zur ebenfalls zweisitzigen (und ebenfalls in Indien produzierten) Suchoi Su-30MKI, dem zahlenmäßig stärksten Kampfjet der indischen Luftwaffe.

Zeitweise arbeiteten Indien und Russland im Rahmen des FGFA-Programmes (Fifth Generation Fighter Aircraft) gar gemeinsam an einer solchen Zweisitzer-Version. Indien stieg allerdings 2018 aus – offiziell wegen technischer Bedenken.

Suchoi Su-57 mit Pilot Sergej Bogdan bei der Aero India 2025.
Rostec / UAC

Prototyp ist kein Neuflugzeug

Wann die Su-57D für den Markt verfügbar sein wird, steht allerdings auch nach Erscheinen des ersten Prototyps in den Sternen. Der in Schukowski geflogene Erstling ist kein Neuflugzeug, sondern eine modifizierte "normale" Su-57 aus dem Test-Pool des Herstellers.

Mutmaßlich handelt es sich dabei um die T-50-5R, die 2014 durch einen Triebwerksbrand schwer beschädigt und in den Folgejahren wieder aufgebaut worden war. Die auf dem Rumpf erkennbare blaue Bordnummer 055 deutet zumindest stark darauf hin.

Der erste Su-57-Doppelsitzer (Su-57D) beim Start zum Erstflug.
UAC (OAK)

Konzentration aufs Cockpit

Auffällig ist weiterhin, dass die Su-57D beim Jungfernflug nach wie vor mit dem alten Triebwerkstyp AL-41F1 ausgestattet ist – spätere Serienflugzeuge aber mit dem verbesserten AL-51F1 ("Produkt 30"), respektive dem für die Exportversion Su-57E vorgesehenen "Produkt 177" gebaut werden sollen. Insofern wird sich Russland vorerst darauf konzentrieren, mit der 055 das Tandem-Cockpit und seine Zusatzfunktionen zu erproben, bevor die dadurch gewonnenen Erkenntnisse in eine technisch ausgereiftere Serienversion der Su-57D münden können.

Mit anderen Worten: Ein paar Jahre dürfte es schon noch dauern, bis die Su-57D wirklich verfügbar ist.