Weltuntergangsflugzeug geht auf Mission in Stuttgart: E-6B Mercury im Einsatz

E-6B-Einsatz ab Stuttgart
Weltuntergangsflugzeug auf nächtlicher Mission

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.05.2026
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Als fliegender Kommandoposten soll die Boeing E-6B Mercury im Kriegsfall die Kommunikation mit den strategischen U-Booten der USA sicherstellen – und wenn es hart auf hart kommt auch den Startbefehl für Atomraketen geben. Diese Rolle brachte ihr die Zuschreibung als sogenanntes "Doomsday Plane" ein – ein Flugzeug für den "Weltuntergang", über das sich die Befehlsketten der US Navy auch dann aufrechterhalten lassen, wenn zentrale Stationen am Boden zerstört sind.

16 Exemplare der E-6B Mercury hat die Navy im Einsatz – seit ihrer Umrüstung auf den B-Standard auch für die US Air Force, um deren bodengestützten Interkontinental-Raketen ebenfalls den Befehl zum Start geben zu können. Normalerweise sind alle 16 Flugzeuge auf der Tinker Air Force Base in Oklahoma zu Hause – doch von Zeit zu Zeit fliegen einzelne Mercurys auch Missionen von Europa aus.

Am Flughafen Stuttgart, wo die USA im Südwesten des Airports einen Militärstützpunkt betreiben, weilt seit dem 11. Mai die E-6B mit der Kennung 162784. Sie kam am besagten Tag als "THAW 64" direkten Weges aus Oklahoma in die Schwabenmetropole.

"Doomsday Plane" E-6B Mercury bei der Landung in Stuttgart nach einem Einsatz.
Katrin Sdun

Stuttgart als E-6B-Einsatzort

Stuttgart war in der Vergangenheit bereits Ziel und Ausgangsort für E-6B-Missionen, seit einigen Jahren allerdings hatte sich vor Ort bereits keiner der weißen Vierstrahler, die auf der zivilen Boeing 707-320 basieren, blicken lassen.

Unklar blieb zunächst jedoch, ob das "Doomsday Plane" der Navy mit seinen bis zu 8,5 Kilometer langen Schleppantennen die süddeutsche Army Air Base nur als Durchgangsstation für eine Verlegung in den Nahen Osten nutzte, oder ob sie – wie auch früher schon – Stuttgart auch als Ausgangsbasis für Missionen im europäischen Luftraum nutzen würde.

Boeing E-6 Mercury mit ausgefahrenen Schleppantennen
Boeing

Abendlicher Start Richtung Atlantik

Als die Mercury am frühen Abend des 13. Mai dann ihre Triebwerke anließ, war die Frage bald darauf beantwortet: Die E-6B verließ Stuttgart für einen mutmaßlichen Trainingseinsatz unter der Ägide des US Strategic Command (STRATCOM) in Richtung Nordatlantik.

Als Missionsgebiet kristallisierte sich schließlich der Luftraum zwischen Island und den Färöer Inseln heraus, wo die Mercury über mehrere Stunden ihre Schleifen flog.

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Übung mit B-2 Spirit?

Offenbar war in den Übungseinsatz auch eine Northrop B-2 Spirit der US Air Force involviert. Der Stealth-Bomber war laut OSINT-Recherchen von seiner Heimatbasis Whiteman in Missouri gestartet und operierte zur selben Zeit im Atlantik-Luftraum wie die E-6B.

"Doomsday Plane" E-6B Mercury bei der Landung in Stuttgart nach einem Einsatz.
Katrin Sdun

Die ganze Nacht im Einsatz

Die ganze Nacht blieb die Mercury in der Luft. Erst als am 14. Mai über Stuttgart der Morgen dämmerte, drehte sie in den Endanflug des größten Flughafens von Baden-Württemberg ein – um wenig später, kurz vor 7 Uhr Ortszeit, auf der Landebahn 25 aufzusetzen und zur US-Basis zurückzurollen.

Unbestätigten Informationen zufolge soll das weiße Flugzeug noch bis zum Samstag, dem 16. Mai vor Ort verweilen. Ob sie zwischenzeitlich noch einmal für einen Übungseinsatz abhebt, bleibt offen.