Bulgariens Luftwaffe muss sich möglicherweise länger als geplant gedulden, bis die zweite Tranche F-16V eintrifft. Wie das Verteidigungsministerium in Sofia mitteilte, informierten Vertreter des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin Verteidigungsminister Dimitar Stojanow darüber, dass sich die Lieferung der zweiten Staffel von acht F-16-Maschinen bis zum zweiten Quartal 2030 verschieben könnte.
Der Hersteller habe jedoch zugesichert, alles daranzusetzen, die Produktion zu beschleunigen und die Jets möglichst früher auszuliefern.
Minister Stojanow machte laut der Mitteilung deutlich, dass für Bulgarien entscheidend sei, den zeitlichen Verzug so gering wie möglich zu halten. Eine finanzielle Mehrbelastung dürfe es nicht geben.
Man erwarte von Lockheed Martin klare Garantien, dass sich der Endpreis des Vertrags durch die Verspätung nicht verändere, sowie konkrete Maßnahmen, um die Verzögerung zu verkürzen, so der Minister.
Ob es tatsächlich keine Mehrkosten für Bulgarien gibt, ist unklar. Verzögerungen in der Produktion haben für andere Käufer, gerade bei F-35-Bestellungen, immer wieder zu höheren Kosten geführt.
Viel tun können die Abnehmer aufgrund der Verträge nicht. Die Schweiz musste beispielsweise ihre Bestellung reduzieren, um im Budget zu bleiben, auch wenn das Land von einem Festpreis ausgegangen war.
Selbst bei der Wartung der US-amerikanischen F-35 ist der Hersteller massiv in Verzug und auch diese wird immer teurer als gedacht. Vertragsstrafen für Versäumnisse bei der Wartung gibt es bisher keine.
Erste Maschinen sollen 2027 einsatzbereit sein
Mit Blick auf die noch ausstehenden Schritte im Rahmen des Vertrags über die erste Charge von acht F-16 Block 70 bekräftigte Stojanow das Ziel, diese Flugzeuge bis 2027 in den Einsatzbetrieb zu überführen.
Ihm sei wichtig, so der Minister, F-16 tatsächlich am bulgarischen Himmel fliegen zu sehen, und über ausreichend Ersatzteile und Komponenten für die Wartung zu verfügen.
In diesem Zusammenhang brachte er auch die Frage nach einer Ausweitung der Ausbildungsmöglichkeiten für bulgarische Piloten an F-16-Trainingszentren zur Sprache. Ebenso drängte er auf eine rechtzeitige Bereitstellung der für Wartung und Betrieb notwendigen Ersatzteile.
Der Minister erinnerte zudem daran, dass Bulgarien bei den Vereinigten Staaten bereits eine Anfrage nach gebrauchten F-16-Maschinen gestellt habe, um die Einsatzfähigkeit der bulgarischen Luftwaffe in der Übergangszeit sicherzustellen.
Angesichts der nun drohenden Lieferverzögerung gewinne dieses Anliegen zusätzlich an Gewicht, so Stojanow. Man hoffe auf entsprechende Unterstützung aus Washington.
Später Abschied von den sowjetischen MiG-29
Die Block-70-Version gilt als die technisch ausgereifteste Variante der F-16 und verfügt unter anderem über ein modernes AESA-Radar, ein digitales Cockpit und ein automatisches Kollisionswarnsystem.
Auf dem Fliegerhorst Graf Ignatievo sollen die F-16 die sowjetischen MiG-29 ersetzten, von denen Bulgarien ursprünglich rund 20 Stück besaß. Gefechtstauglich waren zum Zeitpunkt der F-16-Übergabe aber nur etwa zehn MiG-29, inzwischen sind es noch sechs. Trotzdem werden die alten Flugzeuge weiter genutzt. Wenigstens bis 2030 soll das auch so bleiben.





