In Kooperation mit
Anmelden
Menü

Zweiter Ariane-6-Oberstufentest erfolgreich

    Heißlauftest in Lampoldshausen
    Zweiter Ariane-6-Oberstufentest erfolgreich

    Erstmals wurde auch die neue APU der Oberstufe in Betrieb genommen.

    Zweiter Ariane-6-Oberstufentest erfolgreich
    Foto: DLR/ArianeGroup

    Die Oberstufe der Ariane 6 hat am Freitag ihren zweiten Heißlauftest erfolgreich absolviert. Das teilte Josef Aschbacher, Generaldirektor der europäischen Weltraumorganisation ESA, bei seiner Jahrespressekonferenz am Montag mit.

    Bei dem Test auf dem Prüfstand P5.2 im baden-württembergischen Lampoldshausen feuerte das Vinci-Oberstufentriebwerk nach Angaben von Aschbacher mehr als 900 Sekunden lang. Dabei wurde auch die neue Auxiliary Power Unit (APU) laufen gelassen, die in die Oberstufe integriert ist. Sie ermöglicht die Bedrückung der Tanks ohne laufendes Triebwerk, ist für die Vorbereitung der Wiederzündung des Vinci zuständig und kann bei Bedarf auch zusätzlichen Schub liefern.

    Unsere Highlights

    Lange erwarteter Test

    "Der Test am vergangenen Freitag war eine Erleichterung für viele von uns, darauf haben wir einige Zeit gewartet", sagte Aschbacher. Der erste Oberstufentest am 5. Oktober 2022 hatte aus Zeitgründen nach 45 Sekunden Vinci-Feuerung abgebrochen werden müssen, bevor die APU zugeschaltet wurde. Der zweite Test war ursprünglich für den Zeitraum zwischen November und Weihnachten geplant gewesen, hatte aber unter anderem wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse verschoben werden müssen. Denn bei einem Heißlauftest auf dem Testgelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird eine riesige Wasserdampfwolke freigesetzt, die je nach Wetterbedingungen zu Glatteis auf der nahen Autobahn 81 führen könnte.

    "Die zwei Boosts der APU, zuerst 975 Sekunden und dann 533 Sekunden, haben es uns ermöglicht, die neue Oberstufe vollständig unter nominalen Bedingungen zu testen", sagte Daniel Neuenschwander, ESA-Direktor für Raumfahrzeugträger. Beim nächsten Test im Frühjahr soll die Oberstufe in Fehlerfällen erprobt werden.

    Die Heißlauftests der Oberstufe sind neben den kombinierten Tests von Haupt- und Oberstufe in Kourou sowie der Lieferung des ersten Flugmodells der Ariane 6 zum europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana wichtige Meilensteine vor dem Erstflug der neuen europäischen Trägerrakete. Erst wenn diese drei Meilensteine abgeschlossen seien, könne man ein präziseres Startdatum nennen. Im Oktober 2022 hatte Aschbacher das dritte Quartal 2023 für den Erststart angegeben.

    Europäische Trägerraketen in der Krise

    Trägerraketen seien derzeit eine der größten Herausforderungen für Europa, so Aschbacher. Denn das bisherige Arbeitspferd Ariane 5 wird nur noch zwei Mal fliegen: nach derzeitiger Planung im Februar mit Syracuse 4B und Heinrich Hertz sowie im April mit der ESA-Sonde JUICE (Jupiter Icy Moons Explorer). Die bis zur Invasion Russlands in die Ukraine als Back-up geplante Sojus steht nicht mehr zur Verfügung.

    Die neue, leichte europäische Trägerrakete Vega-C und ihre Vorgängerin Vega müssen nach einem Fehlstart im Dezember vorerst am Boden bleiben. Die Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchungskommission werden für die zweite Februar-Hälfte erwartet. Es war der zweite Fehlstart einer Vega-Rakete seit 2019. "Das erfordert eine tiefgehende Analyse einiger Qualitätsaspekte", so Aschbacher. Es sei eine Top-Priorität, die Vega-C so schnell wie mölich wieder starten zu lassen, "aber unter den richtigen Bedingungen".

    Die aktuelle Ausgabe
    FLUGREVUE 03 / 2023

    Erscheinungsdatum 05.02.2023

    Abo ab 51,99 €