Die leichte Spectrum-Rakete von Isar Aerospace hat am 25. März die automatische Startsequenz kurz vor der Zündung der neun Erststufen-Triebwerke abgebrochen. Zunächst war der Grund dafür unklar. Zuvor stand der Startversuch bereits auf der Kippe, weil ein Boot in den gesperrten Bereich im Meer vor dem Startplatz des norwegischen Weltraumbahnhofs Andøya eingedrungen war. Der Countdown wurde deshalb für 15 Minuten angehalten.
"Nachdem der Countdown aufgrund einer unbefugten Einfahrt eines Bootes in die Gefahrenzone unterbrochen worden war, überschritt die erneute Countdown-Einstellung unser Startfenster", teilte Isar Aerospace später mit. Das Startfenster war nur von 21 Uhr bis 21.15 Uhr geöffnet, erst um 21.18 gab es die Freigabe zum Start durch den Weltraumbahnhof. Man arbeite zusammen mit dem Spaceport Andøya an einem neuen Starttermin.
Am Donnerstag gab Isar Aerospace dann bekannt, dass es bei der Rakete einen Anstieg der Treibstofftemperatur gegeben habe, der nicht in dem kurzen Countdownzeitraum zwischen Freigabe und potenziellem Startzeitpunkt (etwa 2,5 Minuten) adressiert habe werden können. Deshalb sei der Startabbruch erfolgt.
Mit der "Onward and Upward"-Mission plant das bayerische Raumfahrtunternehmen den zweiten Flug der Spectrum. Er dient der Qualifikation der zweistufigen Trägerrakete. Dabei sollen kritische Systeme unter operativen Bedingungen validiert werden. Zudem soll die Spectrum fünf universitäre CubeSats, unter anderem von der TU Berlin und der TU Wien, in einem sonnensynchronen Orbit aussetzen; ein Experiment an Bord testet neue Technologien im Weltraum.
Erstflug endete 30 Sekunden nach dem Start
Der Erststart der Spectrum am 30. März 2025 endete nach rund 30 Sekunden im Meer vor der Startrampe mit einer Explosion. Schuld war ein Ausfall der Lageregelung, wie das Unternehmen später mitteilte. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Erstflug einer neuen Rakete glückt, liegt aber ohnehin nur bei rund 50 Prozent.
Die Spectrum ist 28 Meter hoch, hat einen Durchmesser von zwei Metern und besteht aus Kohlefaserverbundwerkstoffen. Ihre erste Stufe verfügt über neun Aquila-Flüssigkeitsraketentriebwerke à 75 kN, die Oberstufe wird von einem fürs Vakuum optimierten, mehrfach wiederzündbaren Aquila (95 kN) angetrieben. Die Triebwerke hat Isar Aerospace selbst entwickelt. Dabei setzt das Unternehmen auf Flüssigpropan und Flüssigsauerstoff als Treibstoff-Oxidator-Kombination. Das Aquila-Triebwerk funktioniert nach dem Nebenstromverfahren. Dabei wird ein Teil der Treibstoffe in einem Gasgenerator verbrannt, das heiße Gas treibt die Treibstoffpumpen an. Die Spectrum kann 1000 Kilogramm Nutzlast in den erdnahen Weltraum und 700 Kilogramm in einen sonnensynchronen Orbit transportieren.
Nächste Starts sind ausgebucht
Isar Aerospace wurde 2018 gegründet und hat seinen Sitz in Ottobrunn bei München. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 400 Mitarbeiter an fünf Standorten. Mit einer Gesamtfinanzierungssumme von rund 350 Millionen Euro gilt Isar Aerospace laut der Risikokapitalfirma Bayern Kapital als das am stärksten kapitalisierte unabhängige New-Space-Unternehmen in Europa.
Noch vor dem ersten erfolgreichen Flug konnte Isar Aerospace Starts mit der Spectrum verkaufen, darunter an die Europäische Raumfahrtagentur ESA, die die Entwicklung des Microlaunchers bereits seit einigen Jahren finanziell unterstützt, aber auch an kommerzielle Kunden wie Astroscale und R-Space.





